Begleiter für die Kar- und Ostertage in München
14. Februar bis 8. April 2018
Weihbischof_Stolberg-158Presse

Liebe Leserinnen und Leser,

Liebe Leserinnen und Leser,
 
„Der Karfreitag war todtraurig – und dann sollst du dich auf diese Riesenfreude vorbereiten. Das war überwältigend.“ Mit diesen Worten beschreibt Eva-Maria Bachmeier, eine junge Frau, die vergangenes Jahr in der Osternacht im Münchner Liebfrauendom getauft wurde, wie sie die Tage vor dem Empfang des Sakraments erlebt hat.
 
Besser könnte man wohl nicht zusammenfassen, welches Wechselbad an Gefühlen uns alle in den Tagen von Palmsonntag bis zum Ostermorgen erwartet: Mit Zweigen in den Händen empfinden wir nach, wie triumphal die Menschen Christus damals in Jerusalem begrüßten. „Hosanna filio David – Hosanna dem Sohn Davids“ riefen sie ihm zu, als er, wie ein König des Volkes auf einem Esel reitend, in die Stadt einzog. Wie weit entfernt scheint dies von seinem Kreuzestod auf Golgatha?
 
Und ist dieses Geschehen der Kar- und Ostertage nicht sinnbildlich auch für unser Leben? Wie schnell kann es von himmelhochjauchzend bis zu Tode betrübt umschlagen. Wie oft erleben wir Momente des Triumphs, nur um anschließend alles zu verlieren. Wie oft fühlen wir uns in einer Gemeinschaft geborgen, wie Christus beim Letzten Abendmahl, nur um unsere Freunde manchmal schlafend zu finden – wie die Jünger am Ölberg –, wenn wir sie am meisten brauchen? Wie oft sterben wir „tausend Tode“ und gehen anschließend gestärkt aus der Krise hervor, können neu beginnen?
 
Christus hat all dies erlebt. Er, für uns ganz Mensch gewordener Gott, hat die Extreme des Lebens durchgemacht und uns signalisiert: „Ich bin bei Euch, was auch immer ihr gerade erlebt, ich kenne Euren Schmerz, ich kenne Eure Freude, ich kenne das Wechselbad der Gefühle und begleite Euch darin.“
 
Vielleicht ist es uns deshalb ein so großes Anliegen, diesen letzten Weg Jesu, in dem alles kulminiert, nachzuvollziehen. Gerade deshalb sind die Kar- und Ostertage so voll lebendiger Symbole und Bräuche. Vom Palmesel, der in vielen Pfarreien als Figur oder sogar als lebendes Tier mitgeführt wird, über die Ratschen, mit denen die Gläubigen am Karfreitag zum Gebet gerufen werden, bis zum Wasser, mit dem wir uns in der Osternacht an unsere eigene Taufe erinnern. Die vielen Gottesdienste, Konzerte und Veranstaltungen in diesen geprägten Tagen, die Sie auch in diesem Begleiter finden, laden Sie dazu ein, sich auf dieses Geschehen einzulassen.
 
Wir haben zudem drei Münchner gebeten, uns von ihrer persönlichen Verbindung zu diesen Traditionen zu erzählen. Eindrücklich führen sie uns vor Augen, dass Jesu Weg den Weg unseres Lebens widerspiegelt, dass sein Weg bis ins Hier und Heute, bis zu uns führt.
 
Eine gesegnete Kar- und Osterzeit wünscht Ihnen
 
Ihr

Rupert Graf zu Stolberg
Weihbischof