Begleiter für die Kar- und Ostertage in München
26. Februar - 19. April 2020
Weihbischof_Stolberg-158Presse

Liebe Leserinnen und Leser,

Seht, der Mensch! ist der diesjährige Begleiter für die Kar- und Ostertage überschrieben. Menschen zu sehen, gehört ganz selbstverständlich zu unserem Alltag. Wir sehen täglich Verwandte, Freunde, Arbeitskollegen, aber auch Fremde, in der U-Bahn oder in der Fußgängerzone.

Und doch fällt es uns manchmal nicht leicht, Menschen anzusehen, manchmal schauen wir lieber weg: bei Hungernden in den armen Ländern der Welt, bei Obdachlosen in unserer Stadt, aber auch bei Menschen aus unserem Umfeld, die mit großem Schmerz, Leid oder Tod konfrontiert werden. Dann überfordert es uns vielleicht, wirklich hinzusehen.

„Seht, der Mensch!“ ruft der Stadthalter Pontius Pilatus der Menge zu, als er ihr Jesus vorführt. Uns kann dieser Aufruf daran erinnern, dass es auch in unserem christlichen Glauben letztlich um ein Sehen geht, um das Schauen auf Jesus Christus.

Gerade in der (vor-)österlichen Zeit ist aber auch dieses Hinsehen auf Jesus für uns eine Herausforderung. Zunächst werden wir in der Karwoche mit dem Leiden Jesu konfrontiert, das letztlich zum Tod am Kreuz führt. Dann, an Ostern, ist auch die Botschaft von der leibhaftigen Auferstehung Jesu eine Provokation für unsere Denkmuster, wie sie es schon damals vor 2000 Jahren war.

Der erfahrene Priester und Theologe Winfried Haunerland gibt uns daher im Begleiter anhand von drei Stationen aus der Passionsgeschichte kurze Impulse, was es heißen kann hinzuschauen: auf die zentralen Geheimnisse des christlichen Glaubens, aber auch mit dem Blick des Glaubens auf uns Menschen.

Letztlich hängen beide Aspekte aufs engste miteinander zusammen, davon bin ich überzeugt. In Leiden, Kreuz und Auferstehung Jesu sehen wir das Schicksal der ganzen Menschheit: dass wir vom Leiden erlöst werden sollen zum ewigen Leben. Und umgekehrt können wir mit dem Blick des Glaubens in jedem Menschen, besonders in den Leidtragenden, Jesus selbst erkennen, der mit uns geht, auch im Leiden.

Wenn wir aus dieser Perspektive unsere Mitmenschen ansehen und ihnen so begegnen, dann können wir im ganz Alltäglichen die grenzenlose, erlösende Liebe Gottes weitertragen. Dann können wir in jeder Zuwendung zum Nächsten mitwirken am Erlösungswerk Jesu, und jede liebevolle Tat und jedes gute Wort kann für uns und unsere Mitmenschen ein kleines Osterfest werden.

Diese wunderbare Botschaft des christlichen Glaubens kann uns auch über Ostern hinaus durch unseren Alltag tragen.

Ich wünsche Ihnen allen eine gesegnete Karwoche und ein frohes Osterfest!

Ihr
Rupert Graf zu Stolberg
Weihbischof