Collage Geflüchtete und Helfer

Fremde Heimat

Etwa 14.000 Geflüchtete leben derzeit im Erzbistum. Wie die Kirche Geflüchteten und Vertrieben hilft.

Niemand verlässt gerne seine Heimat und lässt alles zurück. Gründe für die Flucht aus der Heimat gibt es viele: Verfolgung wegen Ethnie, Religion oder politischer Überzeugung, auf Grund von Gewalt, Terror oder Lebensgefahr durch Krieg, aber auch wegen materieller Not und Hoffnungslosigkeit. So unterschiedlich die Beweggründe, Religionen, Sprachen, Kulturen und Schicksale geflüchteter Menschen sind - eines haben sie alle gemeinsam, wenn sie in einer der Aufnahmeeinrichtungen im Erzbistum ankommen: das bange Warten darauf, ob ihr Asylantrag bewilligt oder abgelehnt wird.

Arbeitsmarkt

Das Erzbistum unterstützt Flüchtlinge, einen Arbeitsplatz zu finden und sich entsprechend ihren Fähigkeiten zu entwickeln. Ein Beispiel ist das Berufsbildungswerk Aschau-Waldwinkel der Salesianer, das junge Flüchtlinge in einem zweijährigen Berufsintegrationsjahr ausbildet.

Bildung und Qualifizierung

Einrichtungen wie Bildungswerke und Pfarreien, aber auch Verbände und Helferkreise engagieren sich auf diesem Gebiet. An erster Stelle geht es dabei um Sprachkurse, aber auch um Qualifizierung von Kulturdolmetschern.

Integration

Vor allem Pfarreien, die eine Unterkunft für Flüchtlinge bereitstellen, bieten den Bewohnern zugleich die Möglichkeit, sich an den pfarrlichen Aktivitäten vor Ort zu beteiligen und so in die Gemeinde hineinzuwachsen.

Koordinierung von Förderung und Hilfen

Eigene Koordinierungsstellen, z.B. im Erzbischöflichen Ordinariat oder bei der Caritas, helfen bei der Vernetzung von Helferinnen/Helfern und bei der Antragstellung auf Hilfsgelder. 23 Ehrenamtskoordinatoren/innen unterstützen Helferkreise in den Landkreisen.

Unterbringung

Zahlreiche kirchliche Einrichtungen, insbesondere Pfarreien, bieten an etwa 60 Standorten Unterkünfte für Asylsuchende an, z.B. sind in einem nicht mehr genutzten Teil des Caritas-Altenheims in Bischofswiesen minderjährige Flüchtlinge untergebracht.

Soziale Betreuung von Minderjährigen

Zurzeit betreuen elf Träger, vor allem die Caritas und die Katholische Jugendfürsorge, ca. 400 junge Flüchtlinge in 25 Einrichtungen.
 
Anker-Einrichtungen Oberbayern mit Unterkunfts-Dependancen. Stand Okt. 2019
Anker-Einrichtungen Oberbayern mit Unterkunfts-Dependancen (Stand: Oktober 2019)

So läuft ein Asylverfahren ab

1. Meldung:
Der/die Asylsuchende muss sich unmittelbar nach der Ankunft bei einer staatlichen Stelle (an der Grenze, bei der Polizei oder einer Erstaufnahmeeinrichtung) melden. Er/sie wird dort registriert und fotografiert. Die Asylbewerber werden nach dem Königsteiner Schlüssel bundesweit verteilt.
2. Aufnahmeeinrichtung:
In welcher Aufnahmeeinrichtung der/die Asylsuchende aufgenommen wird, entscheidet sich danach, wo welches Herkunftsland bearbeitet wird.
3. Asylantrag:
In der Aufnahmeeinrichtung (in Bayern AnkER-Einrichtung) kann der/die Asylsuchende seinen/ihren Asylantrag stellen. Es steht ein/e Dolmetscher/in zur Verfügung. Der/die Asylsuchende erhält jetzt eine Aufenthaltsgestattung, die sich auf den Bezirk der Aufnahmeeinrichtung beschränkt.
4. Persönliche Anhörung:
Im Rahmen der Antragstellung findet eine persönliche Anhörung statt. Hilfsorganisationen wie die Caritas helfen bei der Vorbereitung auf das Gespräch, soweit es geht, da die Anhörung oft binnen weniger Tage stattfindet. Der/die Asylsuchende hat nun Zeit, Fluchtgründe, Lebenslauf und Route zu schildern. Er/sie ist verpflichtet, soweit vorhanden, Beweismittel wie Fotos, Schriftstücke oder ärztliche Atteste vorzulegen. Die Schilderungen werden protokolliert, geprüft und unterschrieben.
5. Dublin-Verfahren:
Anhand dieses Verfahrens wird geprüft, ob ein anderes EU-Land für die Durchführung des Verfahrens zuständig ist. Ist dem so, ist die Person an das zuständige Land zu überstellen. Der Vollzug obliegt den Ausländerbehörden und der Bundespolizei.
6. Leistungen:
In der Aufnahmeeinrichtung (in Bayern AnkER-Einrichtung) erhält der/die Asylsuchende existenzsichernde Sachleistungen und einen monatlichen
Geldbetrag zur Deckung der persönlichen Bedürfnisse.
7. Wartezeit:
Nun beginnt die Wartezeit, während das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) den Antrag prüft. Die Wartezeit beträgt derzeit durchschnittlich sechs Monate. Ein positiver Bescheid enthält einen von vier möglichen Gründen:
  • Asylberechtigung: Politisch Verfolgte, denen im Falle der Rückkehr schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen drohen. Aufenthaltserlaubnis für drei Jahre, Arbeitserlaubnis und sogenannter privilegierter Familiennachzug.
  • Flüchtlingsschutz (Genfer Flüchtlingskonvention): Personen, die ihr Land aus begründeter Furcht vor Verfolgung verlassen haben. Aufenthaltserlaubnis für drei Jahre, Arbeitserlaubnis und privilegierter Familiennachzug.
  • Subsidiärer Schutz: Personen, die stichhaltige Gründe dafür vorbringen, dass ihnen im Heimatland ernsthafter Schaden, z.B. Todesstrafe oder Folter, droht. Aufenthaltserlaubnis für ein Jahr, Arbeitserlaubnis, kein privilegierter Familiennachzug.
  • Nationales Abschiebungsverbot: Personen, die im Falle der Rückführung einer erheblichen Gefahr für Leib, Leben oder Freiheit ausgesetzt wären. Aufenthaltserlaubnis für mindestens ein Jahr, Arbeitserlaubnis möglich.
8. Wird der Asylantrag abgelehnt, wird die Aufenthaltsgestattung entzogen und der/die Betroffene wird vollziehbar ausreisepflichtig. Entweder reist der/die Betroffene freiwillig aus oder es droht eine Abschiebung.
Die Abschiebung kann an fehlenden Identitätsdokumenten
oder der fehlenden Aufnahmebereitschaft des Herkunftslands scheitern.
 
Der Artikel erschien im arbeo magazin 4/2019 für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Erzdiözese München und Freising


Gegen Rassismus


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