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Spenden für zivile Seenotrettung – „Wir können es nicht hinnehmen, dass im Mittelmeer Menschen sterben“

Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising, hat zivile Seenotrettung im Mittelmeer durch Spenden unterstützt. Er ist überzeugt: Wir Christinnen und Christen tragen Verantwortung für diese Welt. Menschen in Not zu helfen, ist unser Auftrag und ein Akt der Barmherzigkeit.
 
Flüchtling auf Rettungsschiff
"Der Katastrophe, die tagtäglich auf dem Mittelmeer geschieht, nicht tatenlos zuschauen." Flüchtling an Bord eines Rettungsschiffes. Foto: picture alliance/dpa

Der barmherzige Samariter als Beispiel Aus dem Evangelium nach Lukas

Und siehe, ein Gesetzeslehrer stand auf, um Jesus auf die Probe zu stellen, und fragte ihn: Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu erben? Jesus sagte zu ihm: Was steht im Gesetz geschrieben? Was liest du? Er antwortete: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und deiner ganzen Seele, mit deiner ganzen Kraft und deinem ganzen Denken, und deinen Nächsten wie dich selbst. Jesus sagte zu ihm: Du hast richtig geantwortet. Handle danach und du wirst leben! Der Gesetzeslehrer wollte sich rechtfertigen und sagte zu Jesus: Und wer ist mein Nächster? Darauf antwortete ihm Jesus: Ein Mann ging von Jerusalem nach Jericho hinab und wurde von Räubern überfallen. Sie plünderten ihn aus und schlugen ihn nieder; dann gingen sie weg und ließen ihn halbtot liegen. Zufällig kam ein Priester denselben Weg herab; er sah ihn und ging vorüber. Ebenso kam auch ein Levit zu der Stelle; er sah ihn und ging vorüber. Ein Samariter aber, der auf der Reise war, kam zu ihm; er sah ihn und hatte Mitleid, ging zu ihm hin, goss Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie. Dann hob er ihn auf sein eigenes Reittier, brachte ihn zu einer Herberge und sorgte für ihn. Und am nächsten Tag holte er zwei Denare hervor, gab sie dem Wirt und sagte: Sorge für ihn, und wenn du mehr für ihn brauchst, werde ich es dir bezahlen, wenn ich wiederkomme. Wer von diesen dreien meinst du, ist dem der Nächste geworden, der von den Räubern überfallen wurde? Der Gesetzeslehrer antwortete: Der barmherzig an ihm gehandelt hat. Da sagte Jesus zu ihm: Dann geh und handle du genauso!
 
Lukas 10,25-37 (Einheitsübersetzung 2016)

Klarer Auftrag: Verantwortung wahrnehmen

Kardinal Marx war und ist sehr klar in seiner Positionierung: Wir können es nicht hinnehmen, dass im Mittelmeer Menschen sterben. So schrieb Marx anlässlich der Verleihung des Karlspreises an Papst Franziskus in Würdigung von dessen Einsatz für Geflüchtete: „Als das Flüchtlingsdrama in Europa seinen Anfang nahm und die Weltöffentlichkeit weitgehend die Augen davor verschloss, sind Sie an den südlichsten Punkt Europas gereist, um ein Zeichen zu setzen für jene Menschen, denen alles genommen wurde, oft auch ihr Leben. Ihre eindringlichen Worte, nach denen das Mittelmeer nicht zu einem Friedhof werden dürfe, haben die Welt aufgerüttelt. Sie haben der Menschheitsfamilie das ganze Drama vor Augen geführt und gelten somit zurecht als jener, der Europa an seine Verantwortung erinnert, den Menschen zu helfen.“ Entsprechend dieser Linie des Kardinals, die sich an den Grundlagen des katholischen Glaubens ausrichtet, hat er sich entschieden, diejenigen zu unterstützen, die dem Sterben im Mittelmeer aktiv durch die Rettung von Menschenleben entgegentreten.

Wäre Jesus Christus heute Seenotretter, Herr Kardinal? Gastbeitrag von Kardinal Reinhard Marx für die BILD (Bundesausgabe) vom 11. Oktober 2018

Gewiss würde Jesus Christus nicht untätig zusehen, wenn jemand ertrinkt. Jesus würde helfen. Er selbst ist es ja, der uns das Gleichnis vom barmherzigen Samariter erzählt, der dem hilft, der in Not ist – ohne Ansehen der Person, egal zu welchem Volk oder welcher Religion er gehört. Der barmherzige Samariter ist beispielgebend. Er fragt sich: Was wird aus dem armen Menschen, wenn ich vorübergehe, ohne zu helfen?
Ich habe Hochachtung vor den Menschen, die als Seenotretter einen Beitrag leisten, den Schwächsten zu helfen. Als das Flüchtlingsdrama in Europa seinen Anfang nahm und die Weltöffentlichkeit weitgehend die Augen davor verschloss, ist Papst Franziskus an den südlichsten Punkt Europas gereist, um ein Zeichen zu setzen für jene Menschen, denen alles genommen wurde, oft auch ihr Leben. Seine eindringlichen Worte, nach denen das Mittelmeer nicht zu einem Friedhof werden dürfe, haben die Welt aufgerüttelt und sie sind für mich auch ein persönlicher Handlungsauftrag. Deshalb unterstütze ich die Seenotrettung.
Die Seenotrettung ist natürlich keine politische Lösung für die Herausforderung der Migration. Dazu braucht es andere Wege. Wir wollen vor Ort helfen, wie das viele katholische Hilfswerke tun, damit Menschen in ihrer Heimat leben können. Wir wollen, dass sie dort  ohne Verfolgung, Hunger und Not leben können. Die internationale Gemeinschaft, die Europäische Union und die Bundesregierung müssen den Schutz der Menschenwürde weltweit zu einem Hauptanliegen machen und dazu gehört auch der Einsatz gegen Fluchtursachen, angefangen vom Eindämmen der Klimakatastrophe über Maßnahmen zur wirtschaftlichen Entwicklung bis hin zu diplomatischen Mitteln um Kriege und Verfolgung zu beenden.
Doch so lange es Menschen gibt, die sich in ihrer Not und Verzweiflung auf den Weg über das Mittelmeer machen, ist unser Auftrag als Christen die Barmherzigkeit. Barmherzigkeit ist nicht einfach ein schöner aber theoretischer Begriff. Es geht vielmehr um konkrete Taten. Ein christliches Bekenntnis, das der Katastrophe, die tagtäglich auf dem Mittelmeer geschieht, tatenlos zuschaut, ist nicht glaubwürdig. Danke also allen, die konkret Leben retten.

"Weil die Staaten Europas bislang keine Lösung gefunden haben, bleibt das Engagement der Seenotretter unverzichtbar"

Grußwort von Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, zur Verleihung des Lew-Kopelew-Preises für Frieden und Menschenrechte an Kapitän Claus-Peter Reisch und die Seenotrettungsinitiative „Mission Lifeline“
Pressemitteilung der Deutschen Bischofskonferenz vom 7. April 2019

Information:
Dem Erzbischof von München und Freising stehen Haushaltsmittel aus dem Etat des Erzbistums bereit, die er für soziale, caritative, weltkirchliche Zwecke ausgeben kann. Ziel ist es, mit diesen Mitteln zügig und unbürokratisch zu helfen. Aus diesem Etatposten stammten die Spenden.

Das Menschen-Recht auf Seenotrettung

Eine wissenschaftliche Einordnung von Susanne Nothhafft, Professorin für Recht in der Sozialen Arbeit an der Katholischen Stiftungshochschule München

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