Ein weihnachtlicher Appell des Diözesanbeauftragten für Flucht, Asyl, Migration und Integration und seines Teams

Das FAMI Team
Jede und jeder von uns hat mit Corona zu kämpfen. Wir fühlen uns eingesperrt. Viele Freiheiten sind uns genommen, z.B. uns einfach ins Auto oder in den Zug zu setzen und die Menschen zu besuchen, die wir gernhaben. Schlimmer noch trifft es alle, die um ihre Existenz fürchten müssen, etwa weil sie coronabedingt ihren Beruf verlieren.

Zu letzteren zählen oft auch die Geflüchteten. Für viele von ihnen ist es ohnehin schwer, eine Arbeitserlaubnis für einen Ausbildungsplatz oder feste Arbeit zu bekommen. In Oberbayern wohnen über 10.000 Geflüchteten noch in Sammelunterkünften. Über die hygienischen Verhältnisse dort – nur zwei Duschen für 30 Bewohner sind da keine Seltenheit – braucht man nicht zu reden. Die Folge ist, dass sich Corona an diesen Orten besonders schnell ausbreiten kann. Weil es keine flächendeckenden Konzepte zur Abverlegung gibt, werden solche Unterkünfte reihenweise unter Quarantäne gestellt. Und weil sich natürlich ständig neue Ansteckungen und dadurch Folgequarantänen ergeben, kommen die Geflüchteten wochen- und monatelang nicht zu ihrer Lehrstelle und zur Arbeit. Kündigungen sind dann kein Wunder. Diese aber haben fatale Folgen nicht nur für den Aufenthaltsstatus, sondern für den gesamten Integrationsprozess. So mancher, der selbst in Quarantäne musste, weiß, wie psychisch belastend diese sein kann. Zusätzliche Angst vor Ansteckung in der Unterkunft und eine durch Arbeits- oder Ausbildungsverlust verlorene Bleibeperspektive, ergibt eine kaum erträgliche Situation.

In meinen Augen ist der Kern der Weihnachtsbotschaft, dass Gott die Dinge nicht einfach laufen lässt. Mit der Hilfe von Menschen, in diesem Fall von Maria und Josef, dreht er die Menschheitsgeschichte in eine völlig unerwartete Richtung. Seien wir nicht so kleinmütig und denken nur immer, wir können an den bestehenden Verhältnissen sowieso nichts ändern. Mit Hilfe der Politik wäre es durchaus möglich, für unsere Geflüchteten andere Wohnverhältnisse zu schaffen. Nicht nur Hotels, sondern auch andere Beherbergungsbetriebe stehen momentan en masse leer. Sie könnten sich mit einer zeitlich begrenzten Aufnahme von Geflüchteten das Geld verdienen, das sie so dringend zum Überleben brauchen. Außerdem sollten differenziertere Quarantänemaßnahmen getroffen werden, die dann auch wieder die Wege in die Ausbildung und zur Arbeit eröffnen würden. Diese Chance wünsche ich besonders auch den jungen Geflüchteten!

Viele von uns haben die Möglichkeit, an diesen Zielen mitzuwirken und an der einen oder anderen Schraube zu drehen. Christen können keine „Fatalisten“ sein. An Weihnachten zeigt uns Gott, dass alles möglich ist. Handeln wir wie er.

In diesem Sinn wünschen das Team FAMI und ich Ihnen ein gesegnetes Weihnachtsfest!

Ihr Msgr. Rainer Boeck