In Verbindung bleiben Was die Erzdiözese in Pandemiezeiten für Senioren tut

Während der Corona-Pandemie leiden viele ältere Frauen und Männer unter Kontaktarmut – Senioren gelten als Risikogruppe. Umso wichtiger ist es, ihnen zu zeigen, dass man an sie denkt, auch ohne direkte Begegnung. Die Seniorenpastoral und ihre Helferinnen und Helfer haben einige Initiativen gestartet - und Anregungen, die alle beherzigen können.
älterer Mann hinter Glasscheibe mit Mundnasebedeckung
Für viele waren sie ein fester Termin im Kalender, meistens einmal im Monat: die Seniorennachmittage, die eine willkommene Abwechslung in den Alltag gebracht haben. Man kam unter Menschen, plauderte bei Kaffee und Kuchen oder tauschte sich auch tiefergehend aus. Allein: Wegen der Corona-Pandemie entfallen die Nachmittage zurzeit in den rund 750 Pfarreien des Erzbistums München und Freising. Und das - mit Unterbrechungen insbesondere im Sommer, wo Treffen im Freien möglich waren - schon seit nahezu einem Jahr, denn Hygienekonzepte sind teils schwierig umzusetzen und verändern den Charakter der Treffen.

Für Adelheid Widmann von der Seniorenpastoral und ihre haupt- wie ehrenamtlichen Mitstreiterinnen und Mitstreiter bedeutet das, andere Wege zu finden, um ältere Damen und Herren, die als Risikogruppe gelten und dadurch besonders wenig Kontakte haben, zu erreichen.

„Die Vereinsamung nimmt zu“

„Senioren sind katastrophenerprobt“, sagt die Widmann. „Sie haben großenteils die Nachkriegszeit erlebt und wissen, dass schwierige Zeiten vorübergehen. Trotzdem zehrt die Dauer der Pandemie an den Nerven, die Vereinsamung nimmt zu.“ Denn es fallen nicht nur die monatlichen Treffen aus – auch die kleinen, zufälligen Begegnungen im Alltag wie das Gespräch im Treppenhaus oder der Austausch am Gemüsestand werden rar, wenn alle Masken aufhaben, Abstand halten und angehalten sind, möglichst wenig vor die Haustür zu gehen.

„In Verbindung bleiben“ ist das übergreifende Ziel der Initiativen der Seniorenpastoral. Dazu gehört, dass alle vier bis sechs Wochen ein kleines Paket an die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer in den Gemeinden geschickt wird, das als Anregung dienen soll und weitergegeben werden kann: Es enthält jeweils geistliche Impulse, Ideen für die Alltagsgestaltung sowie ein Give-Away, alles thematisch aufeinander abgestimmt. In Februar stand es entsprechend der fünften Jahreszeit unter dem Motto Humor und beinhaltet Texte zum Schmunzeln, Tipps für den Alltag, die aufheitern, Gedanken über Clowns und ein – ausnahmsweise ebenfalls humoriges – Gebet. Im Spätherbst gab es zum Teebeutel eine Anleitung für Teegenuss und eine „Geistlichen Hausapotheke“, im Dezember folgte ein Päckchen zum Thema Düfte des Advents, zur Weihnachtszeit Leuchtsterne.

Helferinnen verschicken Geschenke an Senioren

Seniorin übernimmt Einkaufstüte an Haustür mit Mundnasebedeckung
Die Mitarbeitenden in den Pfarreien können die Texte für „ihre Senioren“ vervielfältigen und die Beigaben nach Bedarf bei Adelheid Widmann anfordern. Manche Helferinnen lassen sich auch einfach inspirieren und versehen die Päckchen mit eigenen kleinen Geschenken.

Wie die Multiplikatoren berichten, kommen die Päckchen gut an. In einer E-Mail an die Seniorenpastoral wird von Menschen berichtet, die am Telefon vor Freude weinten, sie schließt mit dem Appell: bitte weitermachen.
Vor allem aber ist Widmann vom Engagement in den Gemeinden begeistert: „Die Pfarrhaushälterin in Rott am Inn und ihre Helferinnen versandten zu Weihnachten 900 Nikolauspäckchen“, erzählt sie. Und Hilde Meindl vom Seniorenkreis Lerchenfeld in Freising verteilt mit Hilfe eines wachsenden Unterstützerkreises regelmäßig Briefe an 135 ältere Gemeindemitglieder – im Winter alle zwei Wochen, sonst wöchentlich.

Begonnen hatte alles mit einer Osteraktion, tatkräftig unterstützt von Diakon Klaus Klonowski. Inzwischen bekommen die Senioren auch persönlich Geburtstagsgeschenke vorbeigebracht, zu Weihnachten buken 23 Frauen Plätzchen für alle, weitere steuerten selbst gemachte Engel bei. Die Sendungen enthalten zurzeit außerdem immer eine Lebensgeschichte der Senioren selbst, die zu schreiben sie aufgefordert worden waren. „Eine Idee ergibt die nächste“, erzählt Hilde Meindl, die sich über die große Resonanz freut. „Sowas kann man nur machen, wenn alle zusammenarbeiten.“

Was alle tun können für Alleinstehende

Briefe oder Postkarten schreiben, feste Telefontermine vereinbaren – das sind alles Dinge, zu denen die Seniorenpastoral ermuntert und die jeder tun kann, für die Oma oder Tante oder auch den älteren Nachbarn im Mehrparteienhaus. Dabei rät Widmann, regelmäßige Telefonate vorzubereiten. „Sonst kann es passieren, dass sich die Gespräche immer um dasselbe drehen und man das Gefühl bekommt, im Grunde habe man sich nichts zu sagen.“ Nimmt man sich aber bestimmte Themen vor, über die man spricht, könne man ungeahnte Dinge aus dem Leben der anderen erfahren.

Etwas schwieriger gestaltet sich, pflegebedürftige Menschen zu Hause zu erreichen. Allein schon zu erfahren, wo Menschen in Pflege leben, ist gar nicht so einfach, wie Widmann erläutert. Die Pflegedienste dürfen aus Datenschutzgründen keine Informationen weitergeben. Zurückhaltend sind sie auch darin, Informationen zum Angebot der Erzdiözese zu verteilen, wenngleich die Betreuung an keine Konfession gebunden ist. „Wir haben hier eine Lücke, an der wir noch arbeiten“, sagt Widmann. „Pflegende Angehörige erreichen wir leichter.“ So gibt es beispielsweise einige Angebote für Angehörige von Demenzkranken.

Und es wurde ein Kunstprogramm initiiert in Form einer Stele, die einen Blick ins Leben von und mit Demenzerkrankten ermöglicht und verleihbar ist: So soll mehr öffentliche Aufmerksamkeit für die Problematik erzeugt werden.

Seelsorger kümmern sich in Pflegeheimen

Seniorin und junge Frau unterhalten sich freundlich mit Mundnasebedeckung
Nicht nur zu Hause lebende Seniorinnen und Senioren versucht die Seniorenpastoral durch die Corona-Zeit zu begleiten: Die Erzdiözese beschäftigt 39 hauptamtliche Seelsorger und Seelsorgerinnen, die Menschen in einem oder mehreren Altenheimen betreuen.

Da sie dort meist zum festen Angestelltenstamm zählen, dürfen sie mit Hygiene-Auflagen die Einrichtungen besuchen. Anders sieht es bei den Ehrenamtlichen aus, die bislang häufig wegen zu geringer Testkapazitäten draußen bleiben müssen.

Die Arbeit der Seelsorger und Seelsorgerinnen findet unter erschwerten Umständen statt: „Menschen in Schutzkleidung und unter Einschränkungen zu begleiten, kostet mehr Kraft“, sagt Widmann. Vor allem aber sind die Alten- und Pflegeheime besonders stark von der Corona-Pandemie betroffen, weshalb viele Todesfälle zu verkraften und verarbeiten sind – für Pflegekräfte wie Mitbewohner. Und es müssen viele Neuzugänge integriert werden. Insgesamt bekommen die Heimbewohner weniger Besuch und sehen sich auch untereinander seltener.

Die neuen Herausforderungen lassen allerdings auch Ideen entstehen: „Kolleginnen haben schon die Stadt gebeten, dazu aufzurufen, Briefe in die Heime zu senden. Woanders wurden Frucht- und Vitaminsäfte für Heime gesammelt.“ Kleine, aber wirksame Aufmerksamkeiten.

Text: Sandra Tjong, freie Redakteurin, Februar 2021

Pastoralethische Empfehlungen für die Heimseelsorger/innen

Eine Umfrage unter den Seelsorgenden der Seniorenpastoral in Heimen hat ergeben, dass die Träger und Heimleitungen sehr unterschiedlich mit Seelsorge während der Pandemie umgehen. Deshalb hat die Seniorenpastoral Empfehlungen erarbeitet, die die Expertisen der Kolleginnen und Kollegen bündeln. Ihr Ziel ist, die Seelsorgenden bei Entscheidungen und in ihrem Wirken in den Heimen zu unterstützen. Es geht beispielsweise um die Fragen, wie Seelsorgende Heimbewohner angesichts von Besuchseinschränkungen betreuen, wie sie den Angehörigen beistehen und wie sie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Heime begleiten können. Hier finden Sie die pastoralethischen Empfehlungen als pdf zum Herunterladen.

Seniorenpastoral
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Abteilungsleiterin:
Adelheid Widmann, Diplomtheologin