Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung unseres Angebots erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen.
OK
Mehr Infos
Mit Dekret vom 18. Oktober 2018 hat die Religiosenkongregation des Vatikan Sr. M. Benedicta Tschugg OSCCap. zur apostolischen Kommissarin für das Kloster Reutberg ernannt, wodurch das Erzbistum im Augenblick nicht für Reutberg zuständig ist. Die Homepage „Reutberg retten“ spiegelt den Stand bis zum Wirksamwerden dieses Dekrets.
 

Die kirchenrechtliche Situation des Ordens der Franziskanerinnen auf dem Reutberg


Die Franziskanerinnen auf dem Reutberg sind in kirchenrechtlicher Ausdrucksweise ein rechtlich selbständiges Frauenkloster. Damit soll zum Ausdruck gebracht werden, dass diese Gemeinschaft nicht in eine eigene Ordensstruktur eingebunden, sondern selbständig ist und keine höhere Ordensleitung über sich hat. Sehr oft besteht ein solches rechtlich selbständiges Frauenkloster und somit der ganze Orden aus einer einzigen Hausgemeinschaft, so wie dies inzwischen auch bei den Franziskanerinnen auf dem Reutberg der Fall ist.

Für solche eigenständigen Gemeinschaften hat Papst Franziskus eigene Bestimmungen[1] erlassen. Zu diesen päpstlichen Vorgaben hat die Religiosenkongregation[2] Ausführungsbestimmungen[3] erlassen.

Der Papst erklärt, man müsse „unbedingt vermeiden, dass Kandidatinnen aus anderen Ländern mit dem einzigen Ziel, das Überleben des Klosters zu sichern, angeworben werden“ (Art. 3, § 4). Weiter fordert der Papst, dass der rechtlichen Selbständigkeit eines Klosters auch eine echte Selbständigkeit des Lebens entsprechen müsse (Art. 8, § 1). Das ist nach seiner Überzeugung möglich, wenn unter anderen folgende Kriterien erfüllt sind:
-          eine wenigstens geringe Anzahl von Schwestern, sofern der größte Teil nicht fortgeschrittenen Alters ist,
-          die echte Fähigkeit zur Leitung der Gemeinschaft und zur Ausbildung.

Diese Vorgaben greifen die Ausführungsbestimmungen der Religiosenkongregation in Nr. 70 auf und nennen als Kriterien für die Auflösung eines Klosters unter anderem:
-          die Zahl der Schwestern,
-          ein hohes Alter der meisten Schwestern,
-          die wirkliche Fähigkeit zur Leitung und Ausbildung.

Der Konvent der Franziskanerinnen auf dem Reutberg war bereits im Jahr 2007 nicht mehr in der Lage, eine eigene Oberin zu wählen, und der größte Teil der Schwestern ist mit inzwischen über 90 Jahren unstrittig in fortgeschrittenem Alter.

Wenn die Selbständigkeit nicht mehr gegeben ist, entscheidet die Religiosenkongregation über das weitere Vorgehen (Art. 8, § 2). Sie kann in einer solchen Situation eine Kommission einsetzen, welche den Orden begleitet. Der Begleitprozess hat zum Ziel, entweder den Orden neu zu beleben oder die Auflösung einzuleiten.

Ein Hilfsmittel in diesem Begleitprozess kann eine Affiliation sein. Dies ist ein zeitlich begrenzter Anschluss an eine andere Ordensgemeinschaft. Der Papst überträgt der Religiosenkongregation die Entscheidung darüber, ob eine Affiliation eingerichtet wird oder nicht (Art. 8, § 3). Was genau eine Affiliation bedeutet und welche rechtlichen Auswirkungen diese hat, wird in Nr. 54 bis 64 der Ausführungsbestimmungen festgelegt. Danach ist die Affiliation eine Hilfe zur Klärung der Frage, ob die Schwierigkeiten eines Ordens vorübergehend sind und überwunden werden können oder ob sie dauerhaft sind und die Auflösung vorbereitet werden muss (Nr. 54 und 55).
 
Für den Orden der Franziskanerinnen auf dem Reutberg ist diese Frage nicht mehr offen. Nach mehrfach mitgeteiltem Urteil der Religiosenkongregation, zuerst im Schreiben vom 21.08.2013 an die Schwestern selbst und zuletzt im Schreiben vom 20.02.2016 an den Erzbischof, ist die Auflösung unvermeidlich. Da die Schwestern die im Schreiben vom 21.08.2013 geforderte Mitwirkung bei der Vorbereitung der Auflösung des Ordens verweigert haben, hat die Religiosenkongregation den Erzbischof von München und Freising mit Schreiben vom 20.02.2016 beauftragt, die zukünftige Situation der verbliebenen Schwestern zu klären, damit anschließend die Auflösung des Ordens von der Religiosenkongregation verfügt werden kann.

--------------------------------------------
[1] Apostolische Konstitution VULTUM DEI QUAERRE (Das Angesicht Gottes suchen) http://w2.vatican.va/content/dam/francesco/pdf/apost_constitutions/documents/papa-francesco_costituzione-ap_20160629_vultum-dei-quaerere_ge.pdf

[2] Kongregation für die Institute des geweihten Lebens und Gesellschaften Apostolischen Lebens

[3] Instruktion COR ORANS (Betendes Herz)