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Mit Dekret vom 18. Oktober 2018 hat die Religiosenkongregation des Vatikan Sr. M. Benedicta Tschugg OSCCap. zur apostolischen Kommissarin für das Kloster Reutberg ernannt, wodurch das Erzbistum im Augenblick nicht für Reutberg zuständig ist. Die Homepage „Reutberg retten“ spiegelt den Stand bis zum Wirksamwerden dieses Dekrets.
 

Kloster der regulierten Franziskaner-Terziarinnen Reutberg

Klosteransicht von Südosten, kolorierte Federzeichnung, um 1750<br/>Papier, 40 x 32 cm; München, Archiv des Erzbistums München und Freising, Plansammlung 20 092
Klosteransicht von Südosten, kolorierte
Federzeichnung, um 1750, Papier, 40 x 32 cm;
Archiv des Erzbistums München und Freising
Vor genau 400 Jahren stiftete Gräfin Anna Papafava, Gemahlin des Hofmarksherren von Reichersbeuern, bei der einige Jahre zuvor von ihr errichteten „Casa Santa“ – der Loretto-Kapelle auf dem Reutberg - ein Kloster und übergab es Schweizer Kapuziner-Terziarinnen. Diese Gründung war das erste Kapuzinerinnenkloster Bayerns. Von hier aus erfolgten weitere Tochtergründungen, unter anderem das heute noch bestehende Loreto-Kloster in Salzburg.
 
Mitte des 17. Jahrhunderts übernahmen die Ordensfrauen die Regel der Franziskaner-Terziarinnen und damit die Verpflichtung der strengen Klausur. Im 18. Jahrhundert wurden Kloster und Kirche erweitert und teilweise neu errichtet. Das Innere der Klosterkirche ist vom heiteren Spätbarock der Region geprägt und verweist in den Emblem-Darstellungen der Lauretanischen Litanei auf die dort verehrte Muttergottes. Den nicht zugänglichen Schwesternchor schmücken Fresken mit der Darstellung der klugen Jungfrauen im Ordenskleid der Franziskanerinnen.
 
Bereits 1802 wurde das Kloster säkularisiert. Als sogenanntes Zentralkloster sollte es eine neue Heimat für andere säkularisierte Franziskanerinnenkonvente werden. 1835 wurde das Kloster mit der Erlaubnis König Ludwigs I. wiedergegründet.
Klosterarbeit mit Reutberger Kindl, 18. Jh.
Klosterarbeit mit Reutberger Kindl, 18. Jh.
Kloster Reutberg war mit seiner Marienwallfahrt vier Jahrhunderte lang ein bedeutendes spirituelles Zentrum, so sind die zahlreichen Objekte, die sich im Kloster erhalten haben, Zeugen dieser langen Tradition und bilden in ihrer Vielfalt den gesamten Bereich marianisch-franziskanischer Barockfrömmigkeit ab. Eine Besonderheit des Klosters war die enge Verbindung zu den Franziskanern in Jerusalem, die dort seit dem 13. Jahrhundert die Hl. Stätten geistlich betreuen. Der Überlieferung nach stammt die heute noch in der Weihnachtszeit hochverehrte Figur des Jesuskindes, das „Reutberger Kindl“, aus der Geburtsgrotte zu Betlehem. Zahlreiche weitere historische Andenken und Devotionalien aus Jerusalem haben sich im Kloster erhalten, so auch das Altarkreuz des Hochaltares. Eine bis heute erhaltene „Hl. Stiege“ im Kloster ist architektonischer Ausdruck franziskanischer Passionsfrömmigkeit. Weit über die Region hinaus bekannt ist die 1688 eingerichtete Klosterapotheke, die sich weitgehend in originalem Zustand erhalten hat.

Neben typisch klösterlicher Kunst, wie zahlreiche Ölgemälden und Grafiken mit religiösen Darstellungen, Mobiliar und historischem Hausrat hat sich in Reutberg ein großer Bestand feiner Klosterarbeiten erhalten. Diese sind Aufgrund der schönen Darstellungen, der kunstfertigen Techniken und des teilweise sehr guten Erhaltungszustandes von besonderem frömmigkeitsgeschichtlichem Wert. Durch die säkularisierten Franziskanerinnen-Konvente des Riedler-, vor allem aber des Bittrichklosters aus München, die 1802 nach Reutberg übersiedelt wurden, ist der Klosterbestand um einige bedeutende Objekte weiter vermehrt worden.
Jesuskindfigur, sog. „Trösterlein“, 16.-18. Jh.
Jesuskindfigur, sog. „Trösterlein“, 16.-18. Jh.
So stammen aus dem Bittrich-Kloster einige qualitätvolle Ölgemälde, das „Bittrich-Kindl“ – ebenfalls eine ehemals hochverehrte Jesuskindfigur, die Leiber der Katakombenheiligen Hyacinth und Dorothea, die heute in den Seitenwänden der Klosterkirche verwahrt werden und der seit der Säkularisation als verschollen geltende Stab der hl. Elisabeth von Thüringen, der im 17. Jahrhundert über den Wiener Kaiserhof nach München gelangte. Daneben haben sich noch zahlreiche geschichtlich interessante Portraits von Oberinnen und Ordensfrauen des Bittrich-Klosters erhalten, sowie das barocke  Zinngeschirr der Nonnen. Das bekannteste Kunstwerk des umfangreichen Erbes des Klosters Reutberg ist die große, wohl ursprünglich aus Tölz stammende Barockkrippe, die über viele Jahre hinweg in der Klosterkirche aufgestellt worden ist.

Diese einzigartigen Zeugnisse der barocken Lebensweise, der Ordensspiritualität und der Lokalgeschichte zu sichern und zu bewahren, sieht sich die Erzdiözese München und Freising verpflichtet. Bereits vor einigen Jahren wurde deshalb der gesamte Kunstbestand und historisch bedeutendes Inventar des Klosters in einem Inventarverzeichnis erfasst und dokumentiert. Leider ist der gegenwärtige Zustand vieler Gemälde und Skulpturen aufgrund des hohen Alters sehr besorgniserregend. Im Bewusstsein der identitätsstiftenden Bedeutung und der historischen Einzigartigkeit werden jedoch alle Maßnahmen ergriffen, die notwendig sind, um dieses klösterliche Erbe für das Bayerische Oberland zu retten und vor Ort zu bewahren.
 
Weitere Bilder aus Kloster Reutberg
Fotos: Diözesanmuseum Freising