Jugendopfersonntag 2021 Kollekte an das Salberghaus in Putzbrunn kommt Kindern zugute

 
Jährlich am ersten Adventssonntag, dem "Jugendopfersonntag", kommt ein Großteil der Kollekte im Erzbistum einer Einrichtung der Katholischen Jugendfürsorge München und Freising (KJF) zugute. In diesem Jahr gehen die Spenden an das Salberghaus in Putzbrunn. Dort wir ein neues, inklusiven Kinderhaus gebaut.
 
Erzieherin mit Kindern beim Gesang im Salberghaus
Behütet aufwachsen, auch wenn es vorübergehend nicht in der eigenen Familie sein kann
 
Der erste Adventssonntag in jedem Jahr wird als „Jugendopfersonntag“ bezeichnet. Die Kollekten, die an diesem Tag in den katholischen Kirchen der Erzdiözese München und Freising gesammelt werden, kommen ausschließlich Einrichtungen der KJF München e.V. zugute. Jährlich rotierend erhält ein anderer KJF-Verbund projektbezogen 90 Prozent der gesammelten Gelder. Die restlichen 10 Prozent gehen an „Unbürokratische Hilfen für Kinder in Not“ der KJF-Geschäftsstelle. Der Spendenaufruf geht aus vom Erzbischöflichen Ordinariat an alle Pfarrer der Erzdiözese und wird auch in deren Amtsblatt veröffentlicht. Auch wem es nicht möglich ist, an der Kollekte teilzunehmen, kann das Projekt unterstützen.

Dieses Jahr erhält die Kollekte das Salberghaus in Putzbrunn. Das Salberghaus ist eine fachlich anerkannte Kinder-und Jugendhilfeeinrichtung mit vielfältigen stationären, teilstationären und ambulanten Angeboten im Schwerpunkt für Kinder im Alter von null bis sieben Jahren. Neben der Betreuung und Förderung der Kinder stellt die Beratung, Begleitung und Unterstützung von Eltern und Familien einen wichtigen Bestandteil der Arbeit dar. Beim Salberghaus handelt es sich um eine Einrichtung, die sich als eine der ganz wenigen im Münchner Raum bereits um die Allerjüngsten kümmert.

Das Angebot umfasst Therapeutische Wohngruppen, eine Notaufnahme, Fachdienste, eine Heilpädagogische Tagesstätte, Kindertageseinrichtungen und eine Pädagogische Familienhilfe. Engagierte Fachkräfte wie Erzieherinnen und Erzieher, Therapeutinnen und Therapeuten, Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen und Psychologinnen und Psychologen bieten etwa 330 Kindern Geborgenheit, ein stabiles Beziehungsangebot und einen guten Platz zum Großwerden. Darüber hinaus werden etwa 160 weitere Familien jährlich in Form von ambulanter Erziehungshilfe und Frühen Hilfen unterstützt.
 
Luftaufnahme des Gebäudekomplexes Salberghaus
In die Jahre gekommen: Der Salberghaus-Gebäudekomplex mit dem weißen Trakt des sogenannten Personalgebäudes
Umfangreiche Sanierung nötig

Nun stehen im Salberghaus umfangreiche Bau-und Sanierungsarbeiten an. Der Neubau des neuen Kinderhauses ist dabei Teil eines größeren Projekts, an dessen Ende die Sanierung des 1967 gebauten sogenannten "Personalgebäudes" steht. Dabei handelt es sich um ein sechsstöckiges Gebäude, in dem derzeit eine Kita, die das Salberghaus für die Gemeinde Putzbrunn betreibt, eine Heilpädagogische-Tagesstätten-Gruppe, mehrere Büro- und Verwaltungsräume, die Einrichtungswäscherei und Wohnräume für Mitarbeitende untergebracht sind. Die Mängel des Gebäudes machen eine Totalsanierung notwendig. Dafür muss das Haus für mindestens ein Jahr komplett geräumt werden. 

In einem ersten Schritt soll im Westen des Salberghaus-Grundstücks, am Ende des Spielplatzes, ein inklusives Kinderhaus entstehen. Darin unterkommen sollen nicht nur die Gemeinde-Kita, sondern auch der stationäre Kindergarten des Salberghauses. Die Gemeinde-Kita soll auch für die Kindergartenkinder der stationären Wohngruppen geöffnet werden. Der Neubau wird beiden Einrichtungen eigene Räumlichkeiten bieten, die den unterschiedlichen Bedürfnissen der Kindergruppen entsprechen. Gleichzeitig wird es viele Begegnungsflächen für gemeinsame Aktivitäten geben.

Eine pädagogische Weiterentwicklung in den gegenwärtigen Räumen wäre schwierig: lange Flure, zwei Etagen und kleine Räume lassen wenig Spielraum. Die Räumlichkeiten der Kindergartengruppe sind zu klein, so dass die Gruppe nur mit 19 statt 25 Kindern belegt werden kann. Auch die inklusive Ausrichtung der Kita ist im Gebäude aufgrund schmaler Zugänge und einer Treppe aktuell nicht möglich. Den neuen gesetzlichen Anforderungen des Kinder- und Jugendstärkungsgesetzes (KJSG), die eine inklusive Ausrichtung der Kindertageseinrichtungen verpflichtend machen, kann derzeit nicht entsprochen werden.
 
Salberghaus-Leiterin Agnes Gschwendtner
Salberghaus-Leiterin Agnes Gschwendtner
Ganz anders im geplanten Neubau: Über die räumliche Verbindung der Gruppenräume mit den Räumen der Gemeinde-Kita Putzbrunn, sollen die vier- bis sechsjährigen Salberghaus-Kinder Inklusion erleben. Sie sollen dabei den ihren Bedürfnissen entsprechenden benötigten Schutzrahmen ihrer eigenen Räumlichkeiten und eines geeigneten Betreuungskonzeptes erfahren, aber auch neue Möglichkeiten durch den Kontakt zu Kindern aus der Gemeinde Putzbrunn erhalten. Es werden Freundschaften und gegenseitige Besuche ermöglicht, gemeinsame Projekte und Aktivitäten in der großen Gruppe können stattfinden.

Einrichtungsleiterin Agnes Gschwendtner: "Kinder aus belasteten Familiensystemen erfahren schon im Kleinkindalter Ausgrenzung und sind gefährdet, wie ihre Familien am Rand der Gesellschaft zu bleiben. Durch aufwändige Förder- und Betreuungsmaßnahmen, aber auch durch eine frühzeitige Anbindung, wie in unserem Projekt geplant, wollen wir dem entgegenwirken. Ziel ist es, den Kindern trotz ihrer schwierigen Startbedingungen alle Chancen auf ein gutes und eingebundenes Leben in der Gesellschaft zu öffnen."

Inklusion im Vorschulalter

Langfristig bieten sich für alle Kinder der Wohngruppen mit dem Projekt neue Möglichkeiten: Im Garten können alle Kinder "über den Zaun" blicken, sich treffen und verabreden. Die Kinder und Eltern der Kita können die Welt der Kinder in den Wohngruppen kennenlernen und damit auch ein Verständnis für Lebensverläufe entwickeln, die nicht der Norm entsprechen. Die vorhandene Stigmatisierung von Kindern, die im Heim großwerden, und ihrer Familien kann damit ein Stück verringert werden.

Es ist für Kinder, die außerhalb ihrer Herkunftsfamilie aufwachsen, noch immer schwierig, ihren Platz in der Gesellschaft zu finden, und ohne Scham und Benachteiligung mit ihren schwierigen Startbedingungen umzugehen. Gerade im Vorschulalter muss Inklusion beginnen - eine ideale Zeit in der kindlichen Entwicklung, in der Kinder unvoreingenommen auf andere zugehen und wenig Berührungsängste oder Vorbehalte zeigen.

Die Kollekte wird den engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Salberghauses dabei helfen, diese Kinder bestmöglich zu unterstützen.
 
Text: Gabriele Heigl, KJF-Pressesprecherin, November 2021

Podcast

Im "Total Sozial"-Interview spricht die Leiterin des Salberghauses, Agnes Gschwendtner, über ihre Arbeit und die Pläne für das inklusive Kinderhaus.