Jugendopfersonntag 2022: Mit Fachkompetenz und Mitmenschlichkeit Kriegsgeschädigte Kinder und Jugendliche erhalten in Aschau im Chiemgau medizinische Hilfe

Im KiZ – Kind im Zentrum Chiemgau in Trägerschaft der Katholischen Jugendfürsorge München des Erzbistums München und Freising e.V. (KJF) werden schon seit vielen Jahren Kinder aus Kriegsgebieten behandelt. Nun herrscht Krieg mitten in Europa. Hilfe wird dringend benötigt, für ukrainische Kinder genauso wie für diejenigen aus allen Krisenregionen dieser Welt. Der Erlös des diesjährigen Jugendopfersonntags am 27. November soll in die Behandlung dieser Kinder fließen.
 
OP-Bereich der Aschauer Orthopädischen Kinderklinik
Operationsbereich Orthopädischen Kinderklinik Aschau im Chiemgau
In der Orthopädischen Kinderklinik der Einrichtung KiZ – Kind im Zentrum Chiemgau in Aschau wird schon seit vielen Jahren Kindern und Jugendlichen aus Kriegsgebieten mit einer Behandlung geholfen. Mit dem Krieg in der Ukraine hat das Thema eine zusätzliche erschreckende Dynamik erhalten. So lag es nahe, dass der Erlös der Kollekte des sogenannten Jugendopfersonntags in diesem Jahr in die medizinische Behandlung und Begleitung der kleinen Patientinnen und Patienten aus aller Welt fließen wird.

Behandlung von verletzten Kindern aus Kriegsgebieten
 
Die Behandlung von verletzten und kranken Kindern aus Kriegs- und Krisengebieten hat eine lange Tradition in Aschau im Chiemgau. Dabei setzte man von Anfang an auf die Zusammenarbeit mit der seit 1967 bestehenden deutschen Kinderhilfsorganisation Friedensdorf International.

Bereits 1992 wurde auf Anfrage von Friedensdorf International das erste Kind aus Vietnam zur medizinischen Behandlung in Aschau aufgenommen. Mit großem Engagement sammelte damals Dr. Johannes Correll, ehemaliger Chefarzt der Behandlungszentrum Aschau GmbH, Trägerin von KiZ – Kind im Zentrum Chiemgau, Spenden für die Behandlung des Mädchens.
 
Luftbild der Orthopädischen Kinderklinik in Aschau
Die Orthopädische Kinderklinik in Aschau genießt auch international einen sehr guten Ruf
Im gleichen Jahr wurde mit der Gründung des Hilfswerks Aschau durch den Kinderbuchautor Otfried Preußler unter anderem die finanzielle Grundlage für die medizinische Versorgung der schwerverletzten und an massiven Fehlbildungen leidenden Kindern aus Kriegs- und Krisengebieten in Kooperation mit dem Friedensdorf gelegt. Auch die nachfolgenden kinderorthopädischen Ärzte in Aschau, Dr. Leonhard Döderlein und später Dr. Florian Paulitsch und Dr. Chakravarthy Dussa, engagierten sich mit großem Einsatz für die Friedensdorf-Schützlinge.
 
Lebensrettende Operationen
 
27 Kindern aus Afghanistan, Angola, Armenien, Usbekistan und Kambodscha schenkte die Kinderklinik bis heute die zum Teil lebensrettenden Operationen, so zum Beispiel 1996 dem elfjährigen Abdul aus Afghanistan, der aufgrund einer schweren Minenverletzung den rechten Arm und das rechte Bein verloren hatte. Bei mehrmaligen stationären Aufenthalten konnte ihm das linke Bein erhalten und das rechte mit einer Prothese versorgt werden, so dass er seine Mobilität zurückgewinnen und endlich wieder Fußball spielen konnte.
 
Dr. Bronek Boszczyk, Chefarzt Wirbelsäulenchirurgie Orthopädische Kinderklinik Aschau, und Dr. Areena D'Souza, Oberärztin Wirbelsäulenchirurgie
Dr. Bronek Boszczyk (l.), Chefarzt Wirbelsäulenchirurgie Orthopädische Kinderklinik Aschau, und Dr. Areena D'Souza, Oberärztin Wirbelsäulenchirurgie
Auch dass Julia aus Angola heute wieder auf zwei Beinen gehen kann, hat sie den Ärztinnen und Ärzten, dem Pflegepersonal und den Physiotherapeutinnen und -therapeuten in Aschau zu verdanken. Das damals siebenjährige Mädchen litt unter einer angeborenen erheblichen Fehlbildung beider Knie und Füße. Diese waren in einem 90-Grad-Winkel versteift. So blieb Julia nur die Möglichkeit, sich auf beiden Knien fortzubewegen.

Ohne Hilfe fortbewegen

Und zuweilen erscheint es wie ein Wunder, dass Naseat aus Kambodscha, der nach einem schweren Unfall, nur auf dem linken Bein hüpfen konnte, heute wieder laufen kann. Nach komplexen Operationen der rechten Hüfte, einer Becken-Bein-Orthese, intensiver Physiotherapie im Friedensdorf und regelmäßigen postoperativen Kontrollen bei Dr. Dussa, Leitender Oberarzt Kinderorthopädie, kann der Junge sich nun nach Jahren wieder ohne Hilfe fortbewegen. Im aktuellen Aschauer Ärzteteam kümmern sich Dr. Florian Paulitsch, Chefarzt Kinderorthopädie, und Dr. Bronek Boszczyk, Chefarzt Wirbelsäulenchirurgie, mit ihren ärztlichen Kolleginnen und Kollegen um die kleinen Patientinnen und Patienten.
 
In der letzten Zeit gehen zahlreiche Anfragen für die Behandlung von kriegsgeschädigten ukrainischen Kindern im KiZ – Kind im Zentrum Chiemgau ein. Neben der medizinischen Versorgung wie der Übernahme dringender laufender Behandlungen, Operationen, Versorgung von Amputationen, physiotherapeutische Behandlungen muss sich die Einrichtung auch um Dolmetscherinnen und Dolmetscher und eine angemessene psychologische Betreuung der kleinen Kriegsopfer kümmern.
 
Text: Gabriele Heigl, Katholische Jugendfürsorge München, November 2022
 

Jugendopfersonntag – Kollekte für Menschen in Not

Der erste Adventssonntag in jedem Jahr wird als „Jugendopfersonntag“ bezeichnet. Die Kollekten, die an diesem Tag in den katholischen Kirchen der Erzdiözese München und Freising gesammelt werden, kommen ausschließlich Einrichtungen der KJF München e.V. zugute. Jährlich rotierend erhält ein anderer KJF-Verbund projektbezogen 90 Prozent der gesammelten Gelder. Die restlichen 10 Prozent gehen an „Unbürokratische Hilfen für Kinder in Not“ der KJF-Geschäftsstelle. Der Spendenaufruf geht aus vom Erzbischöflichen Ordinariat an alle Pfarrer der Erzdiözese und wird auch in deren Amtsblatt veröffentlicht. Auch wer nicht an der Kollekte am 1. Adventssonntag teilnehmen kann, kann das Projekt unterstützen.

Bitte überweisen Sie Ihre Spende an:
Katholische Jugendfürsorge
LIGA-Bank eG
IBAN DE23 7509 0300 0002 1434 10
Verwendungszweck: „Jugendopfersonntag 2022“

KiZ – Kind im Zentrum Chiemgau und die KJF danken bereits jetzt allen Spenderinnen und Spendern sehr herzlich für ihre Zuwendungen, mit denen sie die medizinische Versorgung dieser kriegsgeschädigten Kinder und Jugendlichen gewährleisten.
 

KiZ – Kind im Zentrum Chiemgau

KiZ – Kind im Zentrum Chiemgau ist die Dachmarke für die Einrichtungen der Behandlungszentrum Aschau GmbH im Chiemgau und den angrenzenden Landkreisen. Neben der renommierten orthopädischen Kinderklinik für die Behandlung komplexer Fehlstellungen des Bewegungsapparats wie Hüfte, Knie, Fuß, obere Extremitäten und Wirbelsäule gehören die Heilpädagogischen Zentren in Aschau, Piding und Ruhpolding dazu. Drei Frühförderstellen in Wasserburg, Traunstein und Piding mit ihren Außenstellen und ambulanten Angeboten sowie ein Kindergarten mit Krippe und ein Wohnheim runden das Angebot für Kinder und Jugendliche mit Beeinträchtigungen oder Entwicklungsverzögerungen ab. KiZ beschäftigt etwa 600 Mitarbeitende und behandelt, pflegt und fördert jährlich rund 5.000 Kinder und Jugendliche. Die gemeinsame Mission von KiZ ist es seit mehr als 100 Jahren, die individuellen Bedürfnisse der jungen Menschen mit den unterschiedlichen Leistungen unter Berücksichtigung der gemeinsamen christlichen Werte nachzukommen.

Eine Klinik, die Kinder aus Kriegsgebieten behandelt

Im Podcast "Total Sozial" spricht Redakteur Korbinian Bauer mit Patientinnen und Patienten, Ärzten und dem Pflegepersonal über die Qualitäten, welche die Aschauer Kinderklinik zu einem der angesehensten Häuser seiner Art in Europa gemacht hat und fragt nach, wie Kindern und Jugendlichen aus Kriegs- und Krisengebieten geholfen werden muss.
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