Diözesanrat der Katholiken

Demokratisch gewählte Vertretung des Kirchenvolkes.
Der Diözesanrat repräsentiert mehr als 125.000 ehrenamtlich in Katholikenräten, Verbänden und Initiativen aktive katholische Frauen und Männer.

Tremmel ruft zu fairem Wahlkampf auf

Ebersberg, 18. März 2017. Hans Tremmel, Vorsitzender des Diözesanrats der Katholiken der Erzdiözese München und Freising, hat Christen dazu aufgerufen, sich für einen fairen und konstruktiven Bundestagswahlkampf einzusetzen. „Im Ringen um die politische Ausrichtung unseres Landes haben wir alle den Auftrag zu versöhnen, auszugleichen und zu differenzieren. Den Lautsprechern, Scharfmachern, Vereinfachern halten wir unsere Vorstellungen eines guten, friedlichen, sozialen und christlichen Miteinanders entgegen“, sagte Tremmel bei der Vollversammlung des höchsten Laiengremiums der Erzdiözese am Samstag, 18. März, in Ebersberg.
 
Christen seien keine homogene Gruppe, wenn es um politische Standpunkte gehe, sagte der Vorsitzende: „Deshalb ist es wichtig, uns wenigstens auf die zentralen christlichen Basics zu verständigen und darauf, wo unsere eigentlichen geistigen Wurzeln liegen.“ Die Würde jedes einzelnen Menschen sei „unsere durch nichts zu relativierende Verpflichtung“, betonte Tremmel: „Also: Nicht Amerika, nicht Bayern und auch nicht katholisch zuerst, sondern zuerst der Mensch!“ Um die konkrete Umsetzung dieser Maxime müsse „selbst in unserem nächsten Umfeld inzwischen bisweilen heftig gerungen werden“, stellte Tremmel fest. In der Sache dürfe kontrovers diskutiert werden, „aber Wahrheit und Wahrhaftigkeit, der Respekt vor dem politischen Gegner und die immer wieder versöhnende Hand bei unterschiedlichen Überzeugungen gehören für uns Christen unabdingbar zu einem fairen Wahlkampf“. Als Hilfestellung für den Bundestagswahlkampf empfahl Tremmel neben der Bibel die päpstlichen Texte „Evangelii gaudium“ und „Laudato Si‘“ sowie die bayerische und deutsche Verfassung und Grundlagentexte zur Europäischen Union: „Mit den in diesen Schriften angesprochenen Kriterien lässt sich eine angemessene Unterscheidung der Geister finden. Sie bieten gutes Handwerkszeug, um Parteiprogramme kritisch zu hinterfragen und Wahlreden zu analysieren.“
 
Im Rückblick auf die Arbeit des Diözesanrats stellte Tremmel fest, dieser habe „bewusst die konkreten Sorgen und Nöte sowohl innerhalb der Kirche als auch in der Gesellschaft ins Wort gebracht und bearbeitet“. Dabei habe der Diözesanrat „keinen Panikmodus verschärft, keinen Resignationsschub verstärkt und keine Illusionsblasen gefüllt“, sondern „wir haben jeweils differenziert, redlich und immer wieder hoffnungsvoll nach vorne geblickt“. Das Gremium habe sich auf allen Ebenen eingebracht, „nicht nur mit Forderungen, sondern mit konstruktiven Vorschlägen“, betonte der Vorsitzende: „Nicht allen gefällt diese Einmischung. Aber uns gefällt ja auch nicht alles, was aktuell so passiert.“ Dem Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx, dankte Tremmel dafür, „dass Sie alles andere als beratungsresistent sind und dass Sie auch unsere Arbeit inspirieren und unterstützen. Manche sichtbaren Fortschritte in unserer Kirche tragen wesentlich auch Ihre Handschrift.“
 
Die rund 180 Delegierten befassten sich bei der Vollversammlung unter dem Motto „Ach Europa! Bist du noch zu retten?“ mit der Krise der Europäischen Union. Neben Tremmel berichtete auch Kardinal Marx aus seiner Arbeit. Zum Abschluss der Vollversammlung feierten die Delegierten um 18 Uhr einen gemeinsamen Gottesdienst. Der Diözesanrat der Katholiken der Erzdiözese München und Freising ist die höchste Vertretung der Laien in der Erzdiözese und über die Pfarrgemeinde- und Dekanatsräte sowie die Verbände demokratisch gewählt. Die mehr als 200 Mitglieder des Diözesanrates treffen sich jeweils im Frühjahr und im Herbst zu ihren Vollversammlungen. (gob)

Weitere Infos zum Thema der Vollversammlung
www.dioezesanrat-muenchen.de/europa