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Kardinal Marx: Kirche kann nur synodale Kirche sein

Predigt zur Messe vom Letzten Abendmahl am Gründonnerstag im Münchner Liebfrauendom
Feier des Gründonnerstagsgottesdienstes mit Fußwaschung 2019
Kardinal Marx bei der Fußwaschung beim Gottesdienst am Gründonnerstag im Liefrauendom. © EOM/Klinger
München, 17. April 2019. Kardinal Reinhard Marx betont in seiner Predigt zum Gründonnerstag die Notwendigkeit eines gemeinsamen synodalen Weges aller Gläubigen und fordert, dass die Kirche lernen und sich weiterentwickeln müsse.  „Die Kirche ist unterwegs. Sie ist noch nicht am Ziel! Und sie ist als Gemeinschaft unterwegs, sie ist synodal unterwegs; denn nichts anderes bedeutet das Wort ‚Synode‘: gemeinsam auf dem Weg sein“, sagt der Erzbischof von München und Freising laut Manuskript in seiner Predigt zur Messe vom Letzten Abendmahl am Gründonnerstag, 18. April, im Münchner Liebfrauendom. „Die Mühen und Herausforderungen des Weges kann man sich nicht ersparen, wenn man ans Ziel kommen will.“
 
Marx erinnert daran, dass für das Volk Israel der Weg durch die Wüste „nicht nur ein notwendiges Übel, sondern eine wesentliche Lern- und Entwicklungsphase“ gewesen sei, „um überhaupt zu begreifen, um was es geht in dem verheißenen Land, was der Bund bedeutet, den Gott mit ihnen schließen will“. Die deutschen Bischöfe, deren Vorsitzender der Münchner Erzbischof ist, hatten vor dem Hintergrund der anhaltenden Krise der Kirche und der Diskussion um den Umgang mit Fällen sexuellen Missbrauchs und körperlicher Gewalt bei ihrer jüngsten Frühjahrsvollversammlung einen „Synodalen Weg“ beschlossen, der als gemeinsamer und offener Diskussionsprozess von Klerikern und Laien über die Zukunft der Kirche angelegt ist.
 
Der Kristallisationspunkt des Unterwegsseins der Kirche sei die Feier der Heiligen Eucharistie. „Hier zeigt sich am deutlichsten, wer und was Kirche ist, was sie bedeutet, wozu wir gesandt sind: Alle Schwestern und Brüder sind am Tisch des Herrn versammelt und feiern den Tod und die Auferstehung Jesu Christi in ihrer Mitte. Der Priester leitet die Feier und alle wirken mit.“ Im Priester werde die Gestalt Jesu sichtbar, „der allen dient und der für alle da ist, der auf alle hört und jedem die Füße wäscht“. Zur Heiligen Kommunion zu gehen, zu kommunizieren, das bedeute für alle Gläubigen, auch für den Priester, sich in die Haltung Jesu hineinziehen zu lassen, von ihm zu lernen und von ihm her gemeinsam Kirche zu sein. „Als Weggemeinschaft gibt die Kirche Zeugnis von Gott und dient den Menschen.“
 
Bei dem Gottesdienst am Gründonnerstag wäscht Marx in diesem Jahr zwölf Pfarrgemeinderäten, die aus dem gesamten Erzbistum stammen, die Füße. Die symbolische Handlung erinnert daran, dass Jesus Christus vor dem letzten Abendmahl in Jerusalem seinen Jüngern die Füße wusch. Die sechs Männer und sechs Frauen stehen stellvertretend für alle Ehrenamtlichen, die sich seit 50 Jahren in den Pfarrgemeinderäten und weiteren Laiengremien engagieren. Kardinal Marx sagt in seiner Predigt weiter, er sei dankbar dafür, dass die Haltung des Miteinanders in der Kirche gerade auch durch die Arbeit der Pfarrgemeinderäte gewachsen sei. „Die Pfarrgemeinderäte stehen für viele Frauen und Männer und Jugendliche, die – zusammen mit ihren Priestern, Diakonen, Seelsorgerinnen und Seelsorgern – heute engagiert Kirche sind. Auch in Zeiten des Umbruchs und der Krise. Denn sie wissen, wir sind gemeinsam und mit Christus unterwegs, und wir sind noch nicht am Ziel.“ (kel)