Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung unseres Angebots erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen.
OK
Mehr Infos

Kardinal Marx beendet Reise nach Südafrika

Die ganzheitliche Entwicklung des Menschen zu fördern, bleibt Aufgabe der Kirche
Reise von Kardinal Marx nach Südafrika
Kardinal Reinhard Marx und Erzbischof Stephen Brislin (l.) © DBK/ATP
Antananarivo/Kapstadt/Bonn, 30. Mai 2018. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, ist am Mittwoch, 30. Mai, von seiner Reise nach Südafrika zurückgekehrt, die sich an das fünftägige VIII. Deutsch-Afrikanische Bischofstreffen in Madagaskar anschloss.
 
Einen Schwerpunkt der Reise bildeten Gespräche mit zahlreichen Vertretern der Kirche in Südafrika, in denen die Situation der Gesellschaft und die Entwicklung des religiösen Lebens im Mittelpunkt standen. Dabei wurde deutlich, dass die südafrikanische Gesellschaft trotz der großen Erfolge seit der Überwindung der Apartheid gerade für die junge Bevölkerung oft nur geringe Teilhabemöglichkeiten bietet. Das Versprechen einer prosperierenden, multiethnischen Gesellschaft ist für viele Bevölkerungsteile noch nicht eingelöst. Südafrika sieht sich zunehmenden Problemen als Einwanderungsland ebenso ausgesetzt wie einer wachsenden Fremdenfeindlichkeit. „Es ist eindrucksvoll, was in diesem Land in den zurückliegenden Jahrzehnten geschaffen worden ist. Jedoch sind die ethnischen und wirtschaftlich-sozialen Trennungen weiterhin eine große Belastung. Gerade die Kirchenvertreter, mit denen ich gesprochen habe, drängen auf wirksame Reformen, um das Land zu befrieden“, so Kardinal Marx. Zu seinen Gesprächspartnern zählten unter anderem der Vorsitzende der Südafrikanischen Bischofskonferenz, Erzbischof Stephen Brislin (Kapstadt), Kardinal Wilfrid Fox Napier OFM (Durban), Erzbischof William Slattery OFM (Pretoria) und Erzbischof Buti Joseph Tlhagale OMI (Johannesburg) sowie der Apostolische Nuntius in Südafrika, Erzbischof Peter Bryan Wells.
 
In Kapstadt kam Kardinal Marx auf Einladung des anglikanischen Erzbischofs Dr. Thabo Makgoba, einem Nachfolger von Erzbischof Desmond Tutu, mit Mitgliedern eines hochrangigen Runden Tisches zusammen, der sich seit mehreren Jahren den sozialen und ökologischen Problemen des Bergbaus widmet. Zu dieser Gruppe gehören führende Vertreter der christlichen Kirchen, Nichtregierungsorganisationen und Bergbauunternehmen. Teilnehmer war auch der frühere südafrikanische Finanzminister Barend du Plessis. In seinem Beitrag skizzierte Kardinal Marx die Sicht auf eine staatliche Ordnung, in der die Marktwirtschaft effizient eingebettet ist. Vor allem stehe immer das Gemeinwohl für den Menschen, an dem sich die soziale Marktwirtschaft orientieren müsse. Diese wiederum sei mit dem Sozialstaat eng verbunden. „Wir brauchen starke Gewerkschaften und Arbeitnehmerverbände. Gerade die Enzyklika Laudato si' ist ein ausgezeichneter Impuls zur Weiterentwicklung der Gesellschaft, die weit über den Kapitalismus hinausdenkt“, so Kardinal Marx.
 
An der Seite des Johannesburger Erzbischofs Buti Joseph Tlhagale OMI, der als junger Seelsorger während des Anti-Apartheidkampfes in Soweto tätig war, besuchte Kardinal Marx das international ausgezeichnete und für den nationalen Versöhnungsprozess wichtige Apartheid Museum. Ohne ein vertieftes Verständnis der Apartheid-Ideologie und des Befreiungskampfes, an dem sich auch viele der Kirchen beteiligt haben, ist das heutige Südafrika nicht zu verstehen. Der Wahrheits- und Versöhnungsprozess, der nach dem Ende der Apartheid eingeleitet wurde, war eine große Inspiration auch für andere Länder, die Gewalterfahrungen aus Konflikten aufarbeiten mussten. Auch wenn heute die Defizite dieses Prozesses in Südafrika stärker in den Vordergrund treten und diskutiert werden, so war er doch eine unverzichtbare Voraussetzung für den unblutigen Übergang von der Diktatur einer Bevölkerungsgruppe zur freien Gesellschaft für alle.
 
Nach dem Besuch des Museums betonte Kardinal Marx, dass jeder Mensch, auch die Kirche, eine Verpflichtung zur Erinnerung habe. „Dabei kommt die Frage auf: Wie konnte das, was wir – auch meine Generation – über Apartheid gehört hatte, geschehen? Wie oft haben wir gedacht, dass sich politisch nichts ändern lasse? Und dann durften wir doch erleben, dass es Umbrüche gab“, so Kardinal Marx, der sich beeindruckt vom südafrikanischen Freiheitskampf zeigte. „Dennoch habe ich bei meinem Aufenthalt in Südafrika gespürt, dass die Apartheid nicht völlig überwunden ist.“ Mit Blick auf die Erfahrungen in Kapstadt, Pretoria und Johannesburg, aber auch den zuvor auf Madagaskar gewonnenen Eindrücken sagte Kardinal Marx: „Die Möglichkeiten und Probleme einer ganzheitlichen Entwicklung werden uns – gerade mit einem solchen Besuch auf dem afrikanischen Kontinent – in aller Deutlichkeit vor Augen geführt. Diese Entwicklung zu fördern, bleibt die Aufgabe der Kirche.“
 
Kardinal Marx hob außerdem hervor, dass er Afrika als Thema weiter in Deutschland lebendig halten wolle. „Unsere Hilfswerke leisten hier viel. Gleichzeitig müssen wir als Bischöfe mit den Hilfswerken auch die Diskussion mit der Politik führen. Es war gut, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel vor einem Jahr die Kirchen und mehrere Ministerien zum Gespräch über Afrika im Kanzleramt zusammengeführt hat. Ich wünsche mir sehr und werde mich dafür einsetzen, dass Afrika weiterhin eine Priorität unseres Handelns und auch in der Politik auf der Agenda bleibt. Wo wir als katholische Kirche unterstützen können, sind wir zur Zusammenarbeit selbstverständlich bereit.“ (ps)

Bild
Kardinal Marx bei einem Treffen mit dem katholischen Erzbischof von Kapstadt und Vorsitzenden der Südafrikanischen Bischofskonferenz, Erzbischof Stephen Brislin (links). © Deutsche Bischofskonferenz/ATP


Weitere Bilder vom Bischofstreffen in Madagaskar und von den Begegnungen des Kardinals mit Vertretern Südafrikas