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Landeskomitee wirbt für Ideenwerkstatt zur europäischen Einigung

Katholische Laien in Bayern rufen dazu auf, „Europa eine Seele zu geben“
Landeskomitee der Katholiken in Bayern
Regensburg, 17. November 2018. Das Landeskomitee der Katholiken in Bayern wirbt für „eine Ideenwerkstaat, die den Einigungsprozess in Europa so voranbringt, dass Nationalismen, Ängste und reale Benachteiligungen bald der Vergangenheit angehören“. Gerade die katholische Kirche als „global player“ solle in der Lage sein, „wertvolle Unterstützung anzubieten“, um – mit den Worten des früheren Präsidenten der Europäischen Kommission, Jacques Delors, „Europa eine Seele zu geben“, heißt es in einer Stellungnahme. Diese verabschiedeten die Mitglieder des Landeskomitees zum Ende ihrer Vollversammlung am Samstag, 17. November, in Regensburg unter dem Titel „Die Spannung steigt: Europa wächst zusammen“.
 
Neben Grundlagen wie der katholischen Soziallehre, die eine wichtige Basis für ein europäisches Gemeinwesen liefere, und Einrichtungen wie der Kommission der Europäischen Bischofskonferenzen (COMECE) könne vor allem eine intensivere Vernetzung des katholischen Laienapostolats wichtige Impulse für den Einigungsprozess liefern. So regt das Landeskomitee einen Europäischen Katholikentag bis zum Jahr 2026 an: „Er kann Ausdruck soliden Brückenbaus sein, der Nationalismus und Populismus überwindet.“ Eine Ideenwerkstatt für Europa, in der neben Vereinigungen des Laienapostolats auch kirchliche Hilfswerke und Jugendverbände mitwirken sollten, könne „das Vertrauen in ein starkes Europa fördern, das sich nichts selbst genug ist, sondern über den eigenen Tellerrand hinausblickt und zum Vorbild einer Staatengemeinschaft auch für andere Kontinente auf unserer Welt wird. Katholische und nationalistische Denkweise widersprechen sich.“
 
In seiner Stellungnahme würdigt das Landeskomitee den bisherigen wirtschaftlichen und politischen Einigungsprozess Europas „als Erfolgsgeschichte“, die Europa „in weiten Teilen eine mehr als 70 Jahre währende Periode des Friedens, des Wohlstands und der Begegnung von Menschen“ gewähre und die mittlerweile auch Länder Mittel- und Osteuropas erlebten.  Dennoch blieben „Spannungsfelder“, die es zu beheben gelte. So müssten etwa wirtschaftliche und soziale Verhältnisse angenähert werden. Insbesondere setzt sich das Landeskomitee dafür ein, dass „Menschen aus dem osteuropäischen Raum nicht zur Behebung unseres Fachkräftemangels“ angeworben werden dürften, „wenn nicht gleichzeitig in diesen Ländern die Fachkräfteausbildung unterstützt wird“. Zugleich plädieren die katholischen Laien dafür, „dass wir als Verbrauchende den eigenen Lebensstil hinsichtlich der Qualität und Werthaltigkeit der Produkte und Lebensmittel, die wir erwerben, im Sinn einer ökologisch-sozialen Marktwirtschaft überprüfen und entsprechend handeln“. Nach Ansicht des Landeskomitees müssten zudem verstärkt Anstrengungen unternommen werden, „um Frauen und Männern Zwangsprostitution zu ersparen. Bildung und Lebensverhältnisse müssen in ganz Europa so gestaltet sein, dass zwielichtige Lockversuche keine Chance haben.“ Schließlich setzen sich die katholischen Laien dafür ein, Abgrenzungsmechanismen zu überwinden: „Nationalismus und Populismus helfen langfristig weder den Regierungen noch der Wirtschaft und erst recht nicht den einzelnen Menschen. Wirtschaftlicher Erfolg, mehr noch aber der soziale Friede sind wesentlich vom Austausch und Dialog abhängig.“
 
Beim Studienteil ihrer Vollversammlung diskutierten die Mitglieder des Landeskomitees  am Freitag, 16. November, über den europäischen Einigungsprozess mit Katrin Boeckh, Historikerin am Leibniz-Institut für Ost- und Südosteuropaforschung der Universität Regensburg, Erzbischof Jean-Claude Hollerich, dem Präsident der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Union, dem Direktor der Caritas im Erzbistum Alba Iulia in Rumänien, Andás Márton, und der SPD-Europaabgeordneten Maria Noichl. (ck)