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„Vertrauen neu erarbeiten“

Kardinal Marx zur Missbrauchsdebatte: Kirchenverantwortliche müssen neu zuhören und verstehen
München, 8. Oktober 2018. Nach dem massiven Vertrauensverlust aufgrund der Missbrauchsfälle in der Kirche müssen die Kirchenverantwortliche nach Ansicht von Kardinal Reinhard Marx neu zuhören und verstehen: „Ich will mich daran messen lassen, ob ich wirklich zuhöre und verstehe und ob mein Reden und mein Handeln übereinstimmen“, so der Erzbischof von München und Freising in einem Radiobeitrag für die Reihe „Zum Sonntag“ des Bayerischen Rundfunks, der am Samstag, 6. Oktober, gesendet wurde.
 
Marx räumt ein, dass „wir als Bischöfe und Verantwortliche in der Kirchenleitung auf verschiedenen Ebenen nicht immer glaubwürdig und konsequent gehandelt“ hätten und dass die Kirche viel Glaubwürdigkeit verloren habe, was im Wesentlichen „aus dem Umgang kirchlicher Verantwortungsträger mit Fragen des sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen“ resultiere. Der Verlust an Glaubwürdigkeit wiege besonders schwer bei „Würden-Trägern, bei Autoritäten, also denjenigen, die mit Macht ausgestattet sind, um andere zu ermächtigen“.
 
In der Erkenntnis, dass Kirchenvertreter in ihrem Umgang mit Missbrauch einen großen Vorschuss an Vertrauen verspielten, liege „auch die einzige Möglichkeit zur Umkehr“, so der Kardinal. Es gelte anzuerkennen, dass es keine einfachen und unmittelbaren Wege gebe, diese verlorene Glaubwürdigkeit wiederzugewinnen. „Jetzt sind wir allerdings dran, selbst einen Vorschuss zu geben und darauf zu vertrauen, dass die Gläubigen, ja die ganze Gesellschaft uns kritisch begleiten“, erklärte Marx.
 
Eine Möglichkeit, durch Zuhören und Verstehen verlorengegangene Glaubwürdigkeit wiederzuerlangen, biete die derzeitige Jugendsynode in Rom. Die versammelten Bischöfe müssten die jungen Menschen „verstehen wollen und gemeinsam mit ihnen nach Antworten suchen. Und wir müssen dabei auch auf unsere Sprache achten: Floskeln, dahergeredete Sätze, fromme Sprüche überzeugen nicht“. Vielmehr müsse die Kirche „endlich wieder eine Sprache finden, die verstanden wird und in der wir glaubwürdig von Gott reden“.
 
Gerade bei ihren Fragen und Sorgen, etwa um das Klima, um Kriege und Flucht, um Armut und Arbeitslosigkeit, gelte es der Jugend zuzuhören und sie zu unterstützen in ihrem Engagement für Gerechtigkeit und ein gutes Leben für alle, vor allem für die Schwächsten. Besonders auch an diesem Einsatz wird man nach Ansicht von Marx die Glaubwürdigkeit der Kirche bemessen: „Jugendliche haben meist ein feines Gespür dafür, ob jemand echt ist, so handelt wie er redet und damit glaub-würdig und ihres Vertrauens würdig ist. Dieses Vertrauen müssen wir uns als Vertreter der Kirche neu erarbeiten.“ (ck)