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Fastenbrief 2019

„Miteinander den Weg der Erneuerung gehen“
Hirtenbrief von Kardinal Reinhard Marx zum Beginn der Österlichen Bußzeit 2019 (PDF)

Quelle: Pressestelle Erzdiözese München und Freising

Erzbischof ruft in Hirtenbrief zu Befassung mit Machtmissbrauch, Priesterausbildung und Sexualmoral auf

München, 10. März 2019. Mit Blick auf sexuellen Missbrauch und Machtmissbrauch in der katholischen Kirche fordert Kardinal Reinhard Marx, die Fastenzeit zu nutzen, um grundlegende Veränderungen anzustoßen. „Es geht hier nicht einfach um einige kirchenpolitische Maßnahmen, sondern um einen Weg der Erneuerung, der allerdings auch mutig die Themen anpackt, die von den Gläubigen eingebracht werden und die sich auch durch die Diskussionen der letzten Monate als wichtig für den Weg in die Zukunft herausgestellt haben“, schreibt der Erzbischof von München und Freising in seinem Hirtenbrief zur Fastenzeit, der am Samstag und Sonntag, 9. und 10. März, in den Gottesdiensten im Erzbistum verlesen worden ist.
 
Als zentrale Themenfelder nennt Kardinal Marx „das Thema der Macht, des Machtmissbrauchs und der Kontrolle von Macht in der Kirche“, den „Blick auf die Ausbildung der Priester und die priesterliche Lebensform“ sowie „Fragen der Sexualmoral der Kirche“. Diese Fragen müssten auch in der Deutschen Bischofskonferenz weiter besprochen werden. „Ich verspreche Ihnen, dass ich mich sehr dafür einsetzen werde, dass dieser Weg in unserem Erzbistum und auch in der Kirche in Deutschland gegangen wird mit dem Mut, der aus der Kraft des Gebetes kommt“, so der Erzbischof.
 
Immer wieder erfülle ihn „das Gefühl der Erschütterung über das, was inmitten der Kirche geschehen ist“, bekennt Kardinal Marx in seinem Hirtenbrief. Die Maßnahmen zur Prävention, zur Aufarbeitung, zur Orientierung an den Betroffenen seien selbstverständlich notwendig, reichten aber nicht aus: „Wirklich hinschauen und hinhören bedeutet auch zu sehen, wo falsche Machtstrukturen Hindernisse aufbauen, wo Rechthaberei, Eifersucht und Machtmissbrauch das Klima in der Kirche, in den Pfarreien, in unseren Gemeinschaften vergiften.“ Die Kirche müsse verstehen, dass manche Ursachen des Missbrauchs nur überwunden werden könnten, „wenn wir der Wahrheit nicht ausweichen durch Beschwichtigungen und Tabus“.
 
Ein Kern des Problems sei der Machtmissbrauch in der Kirche, der dem Weg der Machtlosigkeit widerspreche, den Jesus Christus gegangen sei, schreibt der Erzbischof weiter. „Wir müssen gemeinsam im Blick auf das Evangelium eine erneuerte Kirche werden, in der ein anderes Miteinander aller sichtbar wird.“ Stattdessen scheine gegenwärtig in der Kirche „das Gegeneinander unterschiedlicher Gruppen und theologischer Überzeugungen größer zu werden“, so Kardinal Marx: „Der Schritt des Zuhörens wird nicht gemacht, und damit auch nicht der Schritt des gemeinsamen Verstehenwollens.“ (gob)