Pfarrei Am Tachinger See - Mariä Himmelfahrt

Am Tachinger See, Kirchberg 2, 83373 Taching a. See, Tel. 08681/331, E-Mail: Maria-Burg@ebmuc.de

Wallfahrtskirche Mariae Himmelfahrt Burg

Kurzführung zum Nachlesen von Siegfried Müller, erstellt 2020

Die Vorgängerkirche geht zurück auf die große Burg der Grafen von Tengling aus der mächtigen Sippe der Sighardinger, die um 1060 gebaut und um 1120 aufgegeben wurde. Die der Heiligen Maria geweihte Burgkapelle ist in einer päpstlichen Urkunde aus dem Jahr 1213 erwähnt; sie brannte jedoch 1532 ab, wie die Marmortafel in der Eingangshalle zeigt. Die neue große spätgotische Hallenkirche entstand in den Jahren nach 1532 mit einem Turm, dem 1721 eine barocke Zwiebel aufgesetzt wurde. Diese Kirche erhielt wie St. Coloman einen spätgotischen Altar aus der Werkstatt des Laufener Kunsttischlers und Malers Gordian Guckh (vor 1495-nach 1540).
 
In der Barockzeit gab man dem Gotteshaus eine völlig neue Ausstattung. Im Jahr 1797 fertigte der Tischler Mathias Hörmann aus Burg einen neuen Altar samt einer Muttergottesstatue, die im Geschmack der damaligen Zeit wie eine Puppe an- und umgekleidet werden konnte und Ziel einer regen Wallfahrt war.
 
Infolge der Umgestaltung der Kirche im neugotischen Stil, die Franz X. Hörmann von 1855 bis 1894 vornahm, hatte das alte Gnadenbild keinen Platz mehr und wurde an den Kunsthandel verkauft; damit erlosch auch weitgehend die Wallfahrt nach Burg. Im Zentrum des Altars erblicken wir die Marienstatue im Stil einer Schönen Madonna. Das Gnadenbild flankieren zwei geflügelte priesterliche Engel in liturgischen Gewändern. Die Reliefbilder in den beiden Altarflügeln zeigen Szenen aus dem Leben Mariens. Auf der Innenseite der beiden Flügel finden sich Ölbergszenen des Traunsteiner Historienmalers Max Fürst (1846-1917).
 
Die beiden Seitenaltäre von 1894 sind Alterswerke von F. X. Hörmann. Die Bilder aus den Jahren 1855/56 mit der Darstellung des Kreuzestods und der Geburt Christi stammen von Sebastian Stief. Beide Ölbilder waren ursprünglich in den früheren Barockaltar eingefügt gewesen.

Von kunstgeschichtlicher Bedeutung sind in der Burger Kirche die Wandmalereien, die wohl aus dem frühen 17. Jhdt. stammen; als Maler kommt Michael Huber in Frage. Im Zuge der neugotischen Umgestaltung waren sie übertüncht und erst 1954 wieder freigelegt worden.
 
An der rechten Seite des Chorraums finden wir großflächige Darstellungen der Himmelfahrt und der Krönung Mariens. Eine seltene Schutzmantelmadonna an der Nordseite des Langhauses zeigt, wie Gottvater Pfeile auf die sündige Menschheit schleudert, die unter dem Beistand der Heiligen vom Schutzmantel Marias abgewehrt werden.
 
Über dem Chorraum erblicken wir in den Feldern des Netzrippengewölbes ein Orchester mit 13 musizierenden Engeln, von denen jeder ein anderes altes Instrument spielt, während die Zwickel zwischen den Rippen mit weiteren 14 kleineren Engeln und Ornamenten ausgemalt sind.
 
Auf Initiative von Pfarrer Walter Laakmann fertigte 2008 der Bildhauer und Fassmaler Stefan Enzinger sieben Heiligenfiguren an, die die Wandpfeiler des Kirchenraums schmücken. Sie stellen mit ihren Attributen die Patrone der sieben Hauptkirchen der ehemaligen vier Pfarreien dar.
 
Die Burger Kirche beherbergte früher eine große Zahl von Votivbildern, die in den 60-er Jahren des 20. Jahrhundert entfernt worden waren. Die noch vorhandenen Votivtafeln wurden im Auftrag des Heimatvereins Tengling in der Werkstatt A. und M. Stein (Inzell) meisterhaft restauriert und 2006 wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Das älteste stammt aus dem Jahr 1712, das jüngste  von 1956. Einige Tafeln aus dem 19. Jahrhundert werden dem Tenglinger Maler Mathias Baumgartner, andere dem Fridolfinger Maler Johann Georg Weibhauser zugeschrieben.
 
Künstlerisch wertvoll ist die große barocke, jüngst restaurierte Figurengruppe an der östlichen Chor-Außenwand des Gotteshauses, die aus der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts stammt; möglicherweise hat sie Mathias Hörmann Ende des 18. Jahrhunderts im Zuge der spätbarocken Umgestaltung der Kirche geschaffen.
 
Die außerhalb der Umfassungsmauer am östlichen Treppenaufgang gelegene Kalvarienkapelle ist vor dem Jahr 1857 gebaut worden, wie ein Votivbild aus diesem Jahr beweist. Die Vermutung liegt nahe, dass die Familie Hörmann die Kalvarienkapelle auf eigenem Grund erbauen ließ und sie mit der Kreuzigungsszene im spätbarocken Stil ausstattete, die Christus mit den beiden Schächern zeigt.
 
Die Kalvarienkapelle gehört heute dem Verein für Heimatpflege Tengling. Nach der Restauration der Kapelle wurden die beiden Schächer gestohlen, konnten aber in Holland sichergestellt, 2002 heimgebracht und diebstahlsicher befestigt werden.


Einen ausführlichen Kirchenführer der Tenglinger Kirchen finden Sie hier.

© Siegfried Müller, Tengling im Jahr 2020