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Pfarrverband Eichenau-Alling

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Zum Silbernen Priesterjubiläum Ein Interview mit Pfarrer Martin Bickl

Am 26. Juni 2018 feierte Pfarrer Martin Bickl sein silbernes Priesterjubiläum. Aus diesem Anlass trafen wir uns zu einem Interview im Eichenauer Pfarrgarten.
Interview zum Priesterjubiläum
  • Herr Pfarrer, wann kamen in Ihnen die ersten Gedanken auf, ins Priesterseminar zu gehen?
Das hängt sehr stark mit der Person meines früheren Heimatpfarrers zusammen, der für mich ein guter Freund war. Er war Priester, der im Hauptberuf Religionslehrer an einem Münchner Gymnasium war. Er war bei uns zu Hause der Pfarrer. Er hatte eine Art, mit uns Ministranten umzugehen, die ich ganz faszinierend und vorbildlich fand, das war die Ursache, warum ich mich mit dem Gedanken beschäftigte.
  • Was hat Sie bewogen Priester zu werden?
Das Beispiel dieses Heimatpfarrers. Das Bedürfnis, einen sozialen, vielseitigen Beruf auszuüben.
  • Was ist das besondere an Ihrem Priesterjahrgang?
Wir waren insgesamt 12, das ist eine Apostelzahl.
  • Was macht in Ihren Augen den Priesterberuf aus bzw. was braucht ein Mensch, um ein guter Seelsorger zu sein?
Das sind, denke ich, zwei verschiedene Fragen. Der Priester hat eine sehr vielseitige und sehr bunte Tätigkeit, die ich auch sehr schätze, eine Tätigkeit, bei der man Menschen in ganz unterschiedlichen Lebenssituationen begegnet, Menschen mit ganz unterschiedlichen Bedürfnissen, jüngeren, älteren, Menschen, denen es gut geht, Menschen, die auch Not oder Leid erfahren. Es ist also ein sehr buntes, sehr vielfältiges Feld.
Was ein Mensch braucht, um ein guter Seelsorger zu sein, ist, denke ich, die Fähigkeit, sich auf sehr verschiedene Situationen einzulassen, sich auf sehr verschiedene Menschen einzulassen, letztendlich das zu tun, was der erste Satz der Pastoralkonstitution Gaudium et Spes des II. Vatikanischen Konzils ausdrückt, „Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi.“.
  • Wie hat sich in den letzten 25 Jahren das Arbeitsumfeld für Sie als Priester verändert?
Ich denke, man muss da unterscheiden zwischen dem Priesterberuf und dem, was unter dem klassischen Pfarrerberuf verstanden wird.
Der Beruf des Pfarrers hat sich dadurch sehr stark gewandelt, weil die Seelsorgeeinheiten sehr viel größer geworden sind. Meine erste Kaplanstelle war zwar auch Pfarrverband mit fünf Pfarreien, das gab es vor 25 Jahren auch schon. Auf die Fläche gesehen sind aber die Pfarrverbände sehr viel mehr geworden. Auf der anderen Seite ist es so, dass sich die Bedürfnisse der Menschen, die Lebenssituationen, aber auch die Situationen, in denen die Menschen an Kirche herantreten, stark verändert haben.
  • Was würden Sie dem jungen Priesternachwuchs auf seinem Weg mitgeben wollen?
(denkt nach) Ich denke, dass es zwei verschiedene Dinge sind, auf die es da ankommt. Das eine ist sicherlich das Gefühl von Berufung im weiteren Sinn, also das Gefühl, einen Auftrag zu haben, einen Auftrag Gottes zu spüren, das Gefühl, von der Botschaft Jesu, vom Evangelium angerührt zu sein, letztendlich dieses Gefühl zu haben, „ich habe was zu sagen, ich möchte den Menschen etwas erzählen“. Auf der anderen Seite sehe ich sehr stark die Notwendigkeit, sich auf ganz verschiedene Menschen, ganz verschiedene soziale Situationen und Milieus einlassen zu wollen und zu können. Es wird sicherlich niemand schaffen, allen sozialen Milieus, die es in unserer Gesellschaft gibt, zu entsprechen. Gerade auch unsere Erzdiözese mit der Buntheit von Gebieten, die wir haben, von Ortschaften, die ganz in den Bergen liegen über ländliche Gemeinden im Flachland bis hin zu kleineren und großen Städten, das ist, denke ich, ein sehr, sehr weites Spektrum und in diesem Spektrum vielen Menschen begegnen zu wollen, sich darum zu bemühen, ihnen gerecht zu werden, das ist eine große Herausforderung, eine Herausforderung, die ganz sicherlich keiner in vollem Umfang erfüllen kann.
Interview zum Priesterjubiläum
  • Wenn Sie kein Pfarrer wären, welchen Beruf könnten Sie sich für sich vorstellen?
(denkt lange nach) Die Frage ist jetzt nicht so ganz einfach zu beantworten.
Ich hätte mir schon mal vorstellen können, vielleicht Lehrer zu werden, aber da wär' ich vielleicht auch froh, das nicht geworden zu sein. In gewisser Weise könnte ich mir vorstellen, im politischen Bereich tätig zu sein, wo mir soziale und ethische Fragen am Herzen liegen würden; auf der anderen Seite bin ich auch froh, dass ich nicht Politiker bin, weil das, glaube ich, ein Geschäft ist, wo der Umgang miteinander vielleicht auch nicht dem entspricht, wie ich mir das wünschen würde.
  • Wie oft würden Sie in die Kirche gehen, wenn Sie nicht Pfarrer wären? Wie würde dann ihr Sonntag aussehen?
Ich denke, dass ich schon in die Kirche gehen würde, aber ich würde vielleicht das tun, was viele in unserer Gesellschaft tun, ich würde mir das gut aussuchen, wo ich hingehe.
Es gab sicher einige Höhepunkte in den 25 Jahren, aber wahrscheinlich auch Tiefschläge. Wollen Sie davon erzählen?
Also was ich in 25 Jahren eigentlich immer sehr gerne getan habe, das war Jugendarbeit im weiteren Sinne. Das habe ich immer sehr gerne gehabt und ich habe auch immer versucht Sprache und Anliegen von Jugendlichen zu verstehen und ernst zu nehmen. Wenn ich so auf meine Anfangsjahre zurückschaue war es oft so, dass man bei Erwachsenen auf wenig Verständnis gestoßen ist, weil manche Erwachsene mit ihren eigenen ästhetischen Bedürfnissen und ihren eigenen ästhetischen Anliegen immer wieder auch große Probleme hatten. Ich kann mich noch an eine Situation in meiner letzten Kaplanstelle erinnern, wo ein 18-jähriger seinen Geburtstag gefeiert hat, bei dem etwa 30 Leute da waren. Am nächsten Tag kam eine ältere Dame zum Pfarrer und sagte, dass da 78 Flaschen Bier auf dem Tisch im Jugendraum stehen. Darüber hat man sich dann bis ins Ordinariat über mich beschwert. Das fand ich auf der einen Seite sehr lustig, es war auf der anderen Seite auch sehr tragisch. Ich hatte als Kaplan in einem sehr ländlichen Gebiet im Landkreis Erding mit vielen Jugendlichen zu tun gehabt, die am Wochenende immer sehr weit in Discos gefahren sind. Ich hatte eigentlich immer Angst davor, mal eine Beerdigung von einem jungen Menschen zu halten. Später habe ich dann aber auch eine ganz intensive Erfahrung gemacht, wie ich eine solche Beerdigung zu halten hatte. Es war eine sehr intensive Begleitung in den Tagen vor der Beerdigung, es war aber auch am Ende eine Erfahrung, die mir durchaus bei vielen anderen Situationen geholfen hat.
  • Was halten Sie von Gospels und Spirituals im klassischen katholischen Gottesdienst?
Ich bin ein Freund von durchaus abwechslungsreichen liturgischen Feiern. Ich habe in meiner Kaplanszeit immer gesagt, dass es mir sehr wichtig ist, bei zwei Osternächten zwei unterschiedliche musikalische Gestaltungen zu haben.
Ich habe viele Gottesdienste mit neuem geistlichen Liedgut gehalten in diesen 25 Jahren, ich mache das auch sehr gerne. Ich kann aber auch mit Gottesdiensten mit klassischen Messen was anfangen. Ich sehe das durchaus in dem Sinne, dass man den verschiedenen Milieus und den verschiedenen Altersgruppen und den verschiedenen Gottesdienstgemeinden letztendlich auch unterschiedlich gerecht werden muss. Da hat auch Gospelgesang durchaus seinen Platz.
  • Was gehört für Sie dazu, um sich in Ihrer Pfarrgemeinde wohl zu fühlen?
(denkt nach) Ein rechtes Verhältnis von Nähe und Distanz. Auf der einen Seite Nähe in dem Sinne, dass es Menschen gibt, mit denen ich gut auskomme, mit denen ich mich auch über vermeintlich unwichtige Dinge unterhalten kann, wo ich auch ganz einfach Mensch sein darf. Durchaus auch in dem Sinn von Nähe im seelsorglichen Sinne, Situationen zu erleben, wo ich Menschen mit Ihren Lebenssituationen versuche gerecht werden zu können. Auf der anderen Seite auch die nötige Distanz, dass ich zur rechten Zeit die Möglichkeit des Rückzugs habe bzw. die Möglichkeit, mal nicht da zu sein, weil letztendlich diese Distanz erst ermöglicht, auf Menschen wieder zugehen zu können.
Interview zum Priesterjubiläum
  • Gibt es Projekte, die Ihnen am Herzen liegen und die Sie noch vorantreiben möchten?
Mir war in den acht Jahren, in denen ich hier im Pfarrverband bin, die Arbeit mit der Kolpingsfamilie und ihren Familiencafés ein wichtiges Anliegen. Ich denke, dass die Kolpingsfamilie Eichenau gut verstanden hat, für diese Zielgruppe – die ich für eine ganz wichtige Zielgruppe halte – ein Angebot zu schaffen, das seinesgleichen sucht. Da bin ich sehr stolz darauf, dass wir das machen, für solche Anliegen bin ich sehr offen.
  • Gibt es daneben auch neue Themen, die sie angehen wollen?
Grundsätzlich würden mich alternativere spirituelle und gottesdienstliche Angebote jenseits von Eucharistiefeiern schon reizen.
  • Was kann man sich darunter konkret vorstellen?
Es könnten Angebote sein, die mit Formen von Musik, von Kunst, von Lichteffekten arbeiten. So was würde mich schon mal reizen. Man muss, um mit Lichteffekten arbeiten zu können, natürlich die richtige Jahreszeit haben, sonst wirkt das Ganze nicht so richtig. Ich habe meine Diplomarbeit über Lichtelemente in der Abendliturgie der Kirche geschrieben, was ein sehr klassisches Thema war. Mit Effekten von Licht oder Musik oder sonstigem Ton, das würde mich schon reizen. Ich habe da aber noch keine konkreten Ideen.
  • Was wünschen Sie sich zu Ihrem Jubiläum?
Ich freue mich, wenn am 15. Juli viele Leute kommen und mitfeiern.
  • Sie sind seit kurzem Dekan des Dekanats Fürstenfeldbruck. Wie bringen Sie das in Einklang mit Ihrer Tätigkeit im PV?
Ich denke, dass das mit der Tätigkeit im PV Eichenau-Alling leichter in Einklang zu bringen ist als die Tätigkeit, die ich in Puchheim hatte. Ich glaube, dass ich trotz meiner Tätigkeit im Pfarrverband Puchheim dem Pfarrverband Eichenau-Alling absolut ausreichend gerecht geworden bin. Dadurch, dass wir mit Dieter Rubenbauer einen ganz ausgezeichneten Verwaltungsleiter haben, habe ich auch Freiräume, die mir das durchaus ermöglichen.
  • Sie sind ja sehr verbunden mit Italien und sprechen sogar die Sprache. Was verbinden Sie mit Italien? Wie entstand diese Verbundenheit?
Diese Verbundenheit ist doppelt begründet. Zum einen familiär, weil mein Großvater über Jahrzehnte dort gelebt hat. Er hat dort ein Haus gehabt, wo ich in meiner Kindheit und Jugend jedes Jahr Urlaub gemacht habe. Zweitens habe ich während meines Studiums ein Jahr in Rom gelebt und gearbeitet. Vor allem dort habe ich Itaalienisch gelernt. Für mich ist die italienische Sprache die schönste, die ich kenne, weil man mit der italienischen Sprache so gut wie mit keiner anderen, die ich kenne, Gefühle ausdrücken kann, das ausdrücken kann, was einem wichtig ist. Zum italienischen Reden gehört ja auch das Reden mit Händen und Füßen, das finde ich total faszinierend.
  • Welche Person aus der Bibel würden Sie gerne treffen und warum?
Mich faszinieren sehr stark alttestamentliche Propheten. Das würde ich jetzt auch nicht auf einen bestimmten beschränken. An diesen alttestamentlichen Prophetengestalten fasziniert mich einfach, dass sie es geschafft haben, die Situation der Menschen, mit denen sie zu tun hatten, auf der einen Seite zu beobachten und zu analysieren und auf der anderen Seite in diese Situation hinein das zu sagen, was sie von Gottes Botschaft verstanden haben.
  • Was ist Ihr Lieblingsbuch?
Ich lese sehr gerne die Krimis von Donna Leon mit Commissario Brunetti.
  • Was ist Ihr Lieblingsort?
Rom.
  • Was ist Ihr Lieblingspilgerweg bzw. Ihre Lieblingspilgerstätte?
Am häufigsten war ich sicherlich in Rom, mit Gruppen sehr, sehr oft.
Sehr gerne würde ich mal wieder nach Assisi fahren. Als Schüler in der 12. Klasse habe ich eine sehr intensive Woche in Assisi mit einem Franziskanerpater und einer Schwester aus einem Franziskanerorden mitgemacht. Das ist tatsächlich so ein Ort, wo das Pilgern in einem Sinne einer Reise nach Innen gelingen kann. Im Vergleich dazu ist Rom – eine Millionenstadt mit viel Verkehr – eine Stadt, in der man viel erleben kann, aber es geht nicht so nach innen. Das geht in Assisi viel besser.
  • Letzte Frage: was würden Sie mit einer FC-Bayern-Eintrittskarte machen?
An jemanden verschenken, der mir dafür eine Karte für ein 60er-Spiel gibt (lacht).

Zum Silbernen Priesterjubiläum - ein Interview

Das Interview zum Download:
Interview im Eichenauer Pfarrgarten.