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Pfarrverband Königsdorf-Beuerberg

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Gedanken und Impulse von Pfarrer Mario Friedl



05. Juli: Gedankenimpuls zum 14. Sonntag im Jahreskreis

Mt 11, 25 - 30
Ich bin gütig und von Herzen demütig

"In jener Zeit sprach Jesus: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du das vor den Weisen und Klugen verborgen und es den Unmündigen offenbart hast. Ja, Vater, so hat es dir gefallen. Alles ist mir von meinem Vater übergeben worden; niemand kennt den Sohn, nur der Vater, und niemand kennt den Vater, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will. Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid! Ich will euch erquicken. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; und ihr werdet Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht."

"Licht und Schatten"

Gerade im Alter schauen Menschen auf ihren Lebens- und Berufsweg zurück. Dabei stellen sie fest, dass sie viele Licht- und Schattenseiten im Leben erlebt haben. Vielleicht auch deshalb, weil es im Rückblick Ereignisse, Situationen und Begebenheiten gab, die man nicht mehr rückgängig machen kann. Schmerzliche Prozesse, die den Menschen bis ins hohe Alter prägen oder gar plagen. "Nehmt mein Joch auf euch...", so sagt es Jesus heute im Evangelium. Ich persönlich kenne keinen Menschen, der gerne und freiwillig ein Joch trägt. Und dennoch gehören Licht- und Schattenseiten zu jedem Leben dazu. In den letzten Jahren wurde mir persönlich ganz besonders bewußt, was es für einen riesen Unterschied macht, ob ich vom und über das Kreuz nur spreche, es betrachte (ihm gegenüberstehe) oder ob ich es eben selber zu tragen habe.

Es gibt Menschen, die gerade im Alter sehr schön werden. Die Haut am Menschen erzählt viel davon, was die Personen ertragen, ausgehalten und durchgemacht haben. Diese Menschen sind aber oft ganz versöhnte Personen, die gelernt haben, auch das Schwere auszuhalten. Und im Gesicht leuchtet noch immer eine gewisse Lebensfreude auf.

Jeden Montagabend strahlt der BR um 22:00 Uhr die Sendung "Lebenslinien" aus. Es werden ganz unterschiedliche Lebensgeschichten vorgestellt. Ich schaue diese Sendung sehr gern. Die vorgestellten und erzählenden Frauen und Männer berichten ganz offen von den Licht- und Schattenseiten oder über die schönen und schlechten Zeiten ihres Lebens.

Auch ich und sie haben "Lebenslinien", die uns zu dem werden ließen, was wir geworden sind. Für mich ist es oft ganz persönlich die Frage, was hat mich mehr geprägt? Waren es mehr die lichtreichen oder die schattigen Tage?

Schön ist es, wenn man sagen kann, dass es die guten Tage waren, die mein Leben reich und schön gemacht haben.

"Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht." Ich glaube, dass mir am Ende meines Lebensweges vieles oder alles abgenommen wird, was ich jetzt nicht tragen oder aushalten kann. Gott begleitet und führt mich. Er steht ganz und gar auf unserer Seite, auch dann, wenn wir es im Schatten stehend nicht sehen. Und dennoch wird man sagen dürfen, dass der Schatten das Licht braucht und umgekehrt.

Gebet - Gotteslob 5.5

Herr Jesus Christus, bleibe bei uns
als das Licht in unserer Finsternis
als die Macht in unserer Ohnmacht
als das Leben in unserem Tod
als der Trost in unserem Leid
als die Kraft in unseren Versuchungen
als das Erbarmen in unserer Friedlosigkeit
als die Hoffnung in unserem Sterben
als das Leben unseres Lebens.


Margret Schäfer-Krebs (*1958)

28. Juni: Gedankenimpuls zum 13. Sonntag im Jahreskreis

Mt 10, 37 - 42
Wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt, ist meiner nicht wert. - Wer euch aufnimmt, nimmt mich auf.

"In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Aposteln: Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert, und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert. Und wer sein Kreuz nicht auf sich nimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht wert. Wer das Leben findet, wird es verlieren; wer aber das Leben um meintetwillen verliert, wird es finden. Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf, und wer mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat. Wer einen Propheten aufnimmt, weil es ein Prophet ist, wird den Lohn eines Propheten erhalten. Wer einen Gerechten aufnimmt, weil es ein Gerechter ist, wird den Lohn eines Gerechten erhalten. Und wer einem von diesen Kleinen auch nur einen Becher frisches Wasser zu trinken gibt, weil es ein Jünger ist - Amen, ich sage euch: Er wird gewiss nicht um seinen Lohn kommen."

"Das innere Kind"

Spätestens wenn wir Erwachsen geworden sind, ist äußerlich das Kind, welches wir einmal waren, der Vergangenheit zu zuordnen. Das innere Kind ist noch immer vorhanden. Vielleicht ist es eine große Aufgabe, genau dieses Kind zu suchen. Es gibt viele Menschen, die gerne von ihrer Kindheit erzählen. Die Kindheit prägt bis heute auch den erwachsenen Menschen. Kann ich diesem inneren Kind in meinem gegenwärtigen Leben eine Stimme geben? Wie geht es mir, wenn ich mich diesem Kind von damals gegenüberstelle? Wo sehe ich dieses Kind am liebsten? Kann ich mit diesem Kind sprechen?

Und im Evangelium heißt es heute: "Und wer einem von diesen Kleinen auch nur einen Becher frisches Wasser zu trinken gibt, weil es ein Jünger ist - Amen, ich sage euch: Er wird gewiss nicht um seinen Lohn kommen."

Wasser steht in aller Regel für das Leben. Es ist sicherlich lohnenswert, wenn das innere Kind im erwachsenen Menschen nicht nur gesucht wird, sondern auch mit Anerkennung, Wertschätzung und Annahme belohnt wird. Der Erwachsene steht auf dem Fundament und den Beinen des Kindes. Dieses Kind meldet sich auch heute noch, auch dann, wenn wir es gar nicht wahrnehmen oder wahrnehmen wollen.

Und dann trifft mich in diesem Evangelium immer wieder unglaublich tief in meinem Inneren der folgende Satz: "Wer das Leben findet, wird es verlieren; wer aber das Leben um meinetwillen verliert, wird es finden."

Wie oft waren wir schon überzeugt, dass wir das Leben gefunden haben. Auf der Spurensuche seiner selbst spielt der Glaube eine wesentliche Rolle. Verlieren und Gewinnen sind elementare Erfahrungen, die sowohl im kognitiven wie auch im emotionalen Empfinden wahrgenommen werden können. Als Kind haben wir ungemein viel im Reifen, Erlernen und Wachsen gefunden bzw. dazugewonnen, aber auch gleichzeitig den Preis gezahlt, dass wir - bedingt durch Veränderungsprozesse und Veränderungen - wieder etwas verlieren und hergeben müssen, wie zum Beispiel "das äußere Kind".

Ich wünsche Ihnen bei der Spurensuche nach dem inneren Kind viel Mut, Kraft und Gottes Segen! Das Kind ist immer noch da, und freut sich entdeckt zu werden.

Gebet - Gotteslob 9, 1

Herr, unser Gott!
Wenn wir Angst haben,
dann lass uns nicht verzweifeln!
Wenn wir enttäuscht sind,
dann lass uns nicht bitter werden!
Wenn wir gefallen sind,
dann lass uns nicht liegen bleiben!
Wenn es mit unserem Verstehen
und unseren Kräften zu Ende ist,
dann lass uns nicht umkommen!
Nein, dann lass uns deine Nähe und deine Liebe spüren!
Amen.



21. Juni: Gedankenimpuls zum 12. Sonntag im Jahreskreis

Mt 10, 26 - 33
"Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten.

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Aposteln: Fürchtet euch nicht vor den Menschen! Denn nichts ist verhüllt, was nicht enthüllt wird, und nichts ist verborgen, was nicht bekannt wird. Was ich euch im Dunkeln sage, davon redet im Licht, und was man euch ins Ohr flüstert, das verkündet auf den Dächern! Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können, sondern fürchtet euch eher vor dem, der Seele und Leib in der Hölle verderben kann! Verkauft man nicht zwei Spatzen für einen Pfennig? Und doch fällt keiner von ihnen zur Erde ohne den Willen eures Vaters. Bei euch aber sind sogar die Haare auf dem Kopf alle gezählt. Fürchtet euch also nicht! Ihr seid mehr wert als viele Spatzen. Jeder, der sich vor den Menschen zu mir bekennt, zu dem werde auch ich mich vor meinem Vater im Himmel bekennen. Wer mich aber vor den Menschen verleugnet, den werde auch ich vor meinem Vater im Himmel verleugnen."

"In den Kinderschuhen stehen"


Die Erfahrung von vielen Eltern ist: Kaum hat man neue Schuhe für die Kinder gekauft, braucht es schon wieder neue, weil sie aus den alten herausgewachsen sind. Wer die Sachen von den Kindern aufbewahrt, weiß, dass sein Kind nie mehr in diese hineinpassen wird. Es ist aber schön, wenn man später den erwachsenen Kindern die Schuhe zeigen kann, in denen sie das Gehen und Laufen gelernt haben.

Es gibt so viele Bereiche in unserem persönlichen Leben, wo wir aus den "Kinderschuhen" herauswachsen. Zu einem gesunden Wachstum gehört es ganz selbstverständlich dazu, dass wir uns prozesshaft von der Kindheit und Jugendzeit verabschieden, um eben erwachsen zu werden.

Die gegenwärtige "Kirchenkrise" wird von "großen Theologen" oft als eine "Gotteskrise" beantwortet. Meine persönliche Erfahrung durch die seelsorgliche Arbeit ist, dass sehr viele in ihrem Glaubensleben in den Kinderschuhen stehen geblieben sind. Die Auseinandersetzung mit dem eigenen Glauben setzt das Wachstum und das Erwachsenwerden voraus.

Es ist für viele Menschen ebenso schön - wie mit den Kinderschuhen - wenn man die eigenen Schulhefte oder Religionshefte von damals hervorholt und wieder anschaut. Welche Einträge lassen sich darin entdecken und welche Bilder habe ich damals gemalt.

In meiner Zeit als Kaplan hat man im Religionsunterricht noch ganz viel mit Overheadprojektor und Folien gearbeitet. Und egal welches Bild ich im Unterricht verwendet habe: Bei der Frage: "Beschreibe, was du siehst?" gaben die Kinder meistens die Antwort: "Das ist Jesus!", auch dann, wenn er es gar nicht war. Für die Kinder geht von Jesus immer etwas Gutes aus. Das ist kindlicher, aber kein kindischer Glaube. Es ist wunderbar, wenn ich als Erwachsener glauben kann wie ein Kind. Wenn ich mir dies bewahren kann, dann habe ich ganz viel Vertrauen in Gott erlernt. Schließlich kann dieses Gefühl in so mancher Lebenssituation helfen.

Dennoch erspart es nicht die kritisch reflektierte Auseinandersetzung mit dem eigenen Glaubensleben. Glaube heißt ganz einfach: auf einem Weg sein.

Die gemalten Bilder im Religionsheft zeigen einen kindlichen Glauben. Welches Bild würde ich heute als erwachsener Mensch von Gott malen? Die Bilder, die ich mir von Gott mache, sind unerlässlich für einen reifen Glauben, der übrigens nie zum Abschluss kommen darf.

Manchmal wird mir in Gesprächen gesagt: "Ich kann nicht mehr glauben, so wie es die Kirche lehrt und was ich als Kind gelernt habe." Ich frage dann meistens: Wie sieht denn ihr Gottesbild heute aus? Viele sind einfach in den religiösen Kinderschuhen stehen geblieben und wundern sich, dass diese angefangen haben, zu drücken oder nicht mehr zu passen. Die Kinderschuhe sind aber trotzdem wichtig, weil wir in diesen auch "das religiöse Gehen und Laufen" gelernt haben.

Die Kinderschuhe des Glaubens waren: der Religionsunterricht, die oder der Pfarrer, die Lehrer, die Schulhefte, die Bilder und hoffentlich das Elternhaus. Das sind bis heute unverzichtbare Eckpfeiler für einen guten religiösen Reifungsprozess. Das Entscheidende und Prägende im Leben eines Kindes aber sind - in allen Lebensbereichen und Entwicklungsphasen - die Erfahrungen durch die Eltern.

Die Kirchenkrise ist auch eine "Wachstumskrise", die heute immer öfter spürbar wird. Wenn dann auch noch Enttäuschungen über die Institution Kirche auftreten, ist man schnell dabei, zu resignieren.

Glaube und Kirche sind ein unverzichtbares Merkmal einer "gesunden Gesellschaft". Wer seinen eigenen Glauben kennt und darin beheimatet ist, muss nicht anderen die "Daseinsberechtigung" absprechen. Auch die erlebten und spürbaren Ausschreitungen gegenüber Menschen mit einer anderen Hautfarbe sind in einem ungesunden Menschen- und Glaubensbild verhaftet. Dieser Gesichtspunkt wäre aber eigens anzuschauen.

Gott sei Dank gibt es die Kinderschuhe, in denen wir das Gehen und Laufen gelernt haben.

Und ein Letztes: Die Füße, die uns bis heute tragen, sind noch immer dieselben, aber sie und die Schuhe sind größer geworden. Gott sei Dank!

Gebet

Meine Zeit in Gottes Händen
Herr meiner Stunden und meiner Jahre.
Du hast mir viel Zeit gegeben.
Sie liegt hinter mir und sie liegt vor mir.
Sie war mein und sie wird mein, und ich habe sie von dir.

Ich danke dir für jeden Schlag der Uhr
und für jeden Morgen, den ich sehe.
Ich bitte dich nicht, mir mehr Zeit zu geben.
Ich bitte dich aber um viel Gelassenheit, sie zu füllen, jede Stunde,
mit deinen Gedanken über mich.

Ich bitte dich um Sorgfalt,
dass ich meine Zeit nicht töte,
nicht vertreibe, nicht verderbe.
Segne du meinen Tag.

Jörg Zink

14. Juni: Gedankenimpuls zum 11. Sonntag im Jahreskreis

Mt 9, 36 - 10,8
"Jesus rief seine zwölf Jünger zu sich und sandte sie aus

In jener Zeit, als Jesus die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen, denn sie waren müde und erschöpft wie Schafe, die keinen Hierten haben. Da sagte er zu seinen Jüngern: Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter. Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden! Dann rief er seine zwölf Jünger zu sich und gab ihnen die Vollmacht, die unreinen Geister auszutreiben und alle Krankheiten und Leiden zu heilen. Die Namen der zwölf Apostel sind: an erster Stelle Simon, genannt Petrus, und sein Bruder Andreas, dann Jakobus, der Sohn des Zebedäus, und sein Bruder Johannes, Philippus und Bartholomäus, Thomas und Matthäus, der Zöllner, Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Thaddäus, Simon Kananäus und Judas Iskariot, der ihn ausgeliefert hat. Diese Zwölf sandte Jesus aus und gebot ihnen: Geht nicht den Weg zu den Heiden und betretet keine Stadt der Samariter, sondern geht zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel! Geht und verkündet: Das Himmelreich ist nahe! Heilt Kranke, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt Dämonen aus! Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben."


"Berufung und / oder Lebensentscheidung"

Die Neugeburt und Taufe eines Kindes stecken voller Geheimnisse. Die Freude der Eltern miterleben zu dürfen, gehört mitunter zu den großen Geschenken, die das Leben für uns bereithält. Was wird aus dem Kind werden? Welchen Weg wird es gehen? Fragen, die zunächst nicht beantwortet werden können. Da liegt ein Kind in unseren Armen, welches unsere Hilfe und Fürsorge braucht. Später wird dieses Kind genau dies an die eigenen Kinder weitergeben. Deshalb ist es unabdingbar und gleichzeitig das "kleine Einmaleins der Pädagogik", diese Zuneigung jedem Kind weiter zu schenken, Grundvertrauen, Zuwendung, Liebe und Sicherheit lassen dann einen stabilen Menschen heranwachsen.

Eltern haben den Ruf einer Berufung zur gegenseitigen und wertschätzenden Liebe gehört. Es ist eine Lebensentscheidung, die von zwei Menschen getroffen wird, eine Familie zu gründen.

Berufungen wie wir sie heute im Evangeliumstext lesen, gibt es in unterschiedlicher Form. Meistens sind diese Berufungen mit einer Lebensentscheidung verbunden. Es ist ein unglaublich schönes Gefühl, wenn die späteren Berufungen und Lebensentscheidungen der Kinder von Eltern, Großeltern, Geschwistern und Freunden mitgetragen werden. Jede und jeder von uns braucht Menschen, die sich, wie die Patin / der Pate bei der Firmung, hinter uns stellen.

Jesus stellt sich hinter seine berufenen Jünger und geht mit ihnen einen Lebens- und Glaubensweg. Die Jünger wiederum lösen dieses "Dahinterstehen" gegenüber Jesus nur bedingt und eingeschränkt ein.

Es ist für mich persönlich ein unglaublich schöner und tragender Gedanke, dass meine erste Berufung und Lebensentscheidung überhaupt die war, ins Leben gerufen zu werden. Erst im Laufe unseres Lebens kommt es dann zu einer oft weitreichenden Lebensentscheidung, um konkrete Weichen für die Zukunft zu stellen. Jeder Mensch ist gerufen worden. So gibt es auch im Besonderen die Berufung für ein geistliches Leben.

In meiner seelsorgerlichen Arbeit sind mir aber auch immer wieder Menschen begegnet, die sich selber im Weg stehen. Einem Ruf zu folgen und eine Entscheidung zu treffen, hat auch ganz viel mit dem Hören der inneren Stimme zu tun. Gott hat uns ins Leben gerufen und begleitet uns - vorausgesetzt, ich will das - ein Leben lang. Gott hat mit jedem Menschen unglaublich großes vor. Das ist die zentrale Botschaft an diesem Sonntag. Gott will mich und er braucht mich!

Jesus ruft die Jünger beim Namen. Siehe dazu auch den folgenden Jesaja-Text:
Jes 43,1 "Jetzt aber - so spricht der Herr, / der dich geschaffen hat, Jakob, / und der dich geformt hat, Israel: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich ausgelöst, / ich habe dich beim Namen gerufen, / du gehörst mir.

Jes 43,2 Wenn du durchs Wasser schreitest, bin ich bei dir, / wenn durch Ströme, dann reißen sie dich nicht fort. Wenn du durchs Feuer gehst, wirst du nicht versengt, / keine Flamme wird dich verbrennen.

Jes 43,3 Denn ich, der Herr, ich bin dein Gott, / ich, der Heilige Israels, bin dein Retter. Ich gebe Ägypten als Kaufpreis für dich, / Kusch und Seba gebe ich für dich.

Jes 43,4 Weil du in meinen Augen teuer und wertvoll bist, / und weil ich dich liebe, gebe ich für dich ganze Länder / und für dein Leben ganze Völker.

Jes 43,5 Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir. / Vom Osten bringe ich deine Kinder herbei, / vom Westen her sammle ich euch.

Jes 43,6 Ich sage zum Norden: Gib her!, / und zum Süden: Halt nicht zurück! Führe meine Söhne heim aus der Ferne, / meineTöchter vom Ende der Erde!

Jes 43,7 Denn jeden, der nach meinem Namen benannt ist, / habe ich zu meiner Ehre erschaffen, / geformt und gemacht. Auch wir werden beim Namen gerufen, weil wir eine Berufung haben."

Gott trägt und begleitet unsere Lebensentscheidungen mit. Es geht auch oft gar nicht so sehr darum, dass wir glauben, sondern vielmehr, dass Gott an uns Menschen glaubt. Er beruft uns vor allem zu der Entscheidung, ob wir bereit sind, dass wir seine gute Botschaft weitersagen. Sie ist eine vom Leben, von Gerechtigkeit, von Liebe und Freiheit. Es ist ein christlicher Grundauftrag, dass wir dies in die Welt und zu den Menschen tragen. Das ist die eigentliche Berufung, die jedem Menschen als Aufgabe und Herausforderung mitgegeben ist.

Gebet für die eigene Berufung

Mein Herr und mein Gott, Du bist die Liebe selbst und die Quelle der Liebe und alles Guten. Aus Liebe hast Du mich geschaffen, Dich zu kennen, zu lieben, und Dir in einer einmaligen Weise zu dienen. Ich glaube daran, dass Du einen Plan für mein Leben hast.

Herr, schenke mir das Licht, das ich brauche, um den nächsten Schritt in diesem Plan zu erkennen; verleihe mir die Großzügigkeit, die ich brauche, um meine Pläne zu erkennen; verleihe mir die Stärke, die ich für meine Berufung brauche. Du kennst mich besser als ich mich selber kenne. Deshalb benötige ich umso mehr Deine Gnade und Liebe um den guten Wünschen meines Herzens nachzugehen, o Herr!

Zeige mir Deinen Willen für mich, o gütiger und unendlicher Gott, und hilf mir, Dir wie Maria zu sagen: Ich bin Deine Magd / Dein Diener, mir geschehe nach Deinem Wort, und wie Jesus zu sagen: "Aber nicht mein Wille, sondern Dein Wille geschehe in meinem Leben."
Amen.

07. Juni: Gedankenimpuls zum Dreifaltigkeitssonntag


Joh 3, 16 -18
"Gott hat seinen Sohn gesandt, damit die Welt durch ihn gerettet wird.

Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird. Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er nicht an den Namen des einzigen Sohnes Gottes geglaubt hat."


"Draußen stehend vor der Tür"

Der Dreifaltigkeitssonntag ist für mich einer der schwierigsten Sonntage im Kirchenjahr, wenn es darum geht, eine halbwegs vernünftige Predigt vorzubereiten.

Vor einigen Jahren habe ich mich selber aus meiner Wohnung ausgesperrt. Das war ein unglaublicher Stress bis ich wieder in meine eigenen vier Wände kam. Zudem ist es ein unschönes Gefühl, nicht eingelassen zu werden. Diese Erfahrung übertrage ich heute gern auf unsere Kirche. Wie mag es Menschen gehen, wenn sie das Gefühl haben, aufgrund von "Lebensentscheidungen und Lebensbrüchen" draußen vor der "(Kirchen-) Tür" zu stehen?
Als 25-Jähriger bin ich damals von Freunden spontan nach Salzburg ins Auditorium der Uni zu einem Vortrag mitgenommen worden. Der Gastredner war der damalige Bischof der französischen Diözese Evreux, Jacques Gaillot, der seine "Zukunftsvision" von Kirche schilderte. Nach ungefähr zwei Stunden bin ich völlig verstört nach Hause gefahren. Alles, was ich von Kindesbeinen an gelernt habe, schien irgendwie falsch zu sein. Ich konnte schlicht und ergreifend die ganzen Ausführungen nicht einordnen. Dennoch haben mich diese Gedanken nie losgelassen. Aus diesem Grund habe ich mir danach noch drei kleine Büchlein von ihm gekauft und gelesen. Gerade jetzt liegt eines auf meinem Schreibtisch mit dem Titel: "Meine Freiheit in der Kirche - Weg und Vision eines unkonventionellen Bischofs".

Der Bischof ist heute völlig in der "Versenkung" verschwunden und ich habe mich auch nicht kundig gemacht, ob er überhaupt noch lebt. Zumindest wurde er damals für seine Ansichten vor die "Kirchentür" gestellt. Erst heute begreife ich allmählich, wovon er gesprochen hat.

Ich bin selber relativ (Werte-)konservativ, aber gemäßigt in das Amt des Priesters gegangen. In all den Jahren des priesterlichen Dienstes durfte ich die Einsetzungsworte (Wandlungsworte) sprechen. Im Laufe der Jahre wurde mir immer mehr bewusst, wie wir auch die Zerbrechlichkeit des menschlichen Lebens innerhalb der Eucharistiefeier - gerade beim Brechen des Brotes - feiern. In meinem Denken und Glauben bin ich gewandelt worden. Jesus wurde zu meinem besten Freund. Er hört mir zu! Er kennt mich besser als ich mich selber. Er kümmert sich um mich. Er freut sich mit mir und weint mit mir. Vielleicht mag jetzt jemand denken, wie naiv ist das denn gedacht, aber für mich ist es eine tiefe Glaubenserfahrung, die mich trägt. Wie unwürdig bin ich eigentlich, dass ich die tiefen Geheimnisse des Glaubens als "billiges Werkzeug" sprechen und vollziehen darf. Ich selber bin ein erlösungsbedürftiger Mensch, der die Sehnsucht nach Liebe, Geborgenheit, Vertrauen, Annahme und "Gesehen werden", in einer persönlichen Zuwendung Gottes (auch von Mitmenschen!) braucht.

Auch ich stehe manchmal vor der Kirchentür und frage mich, ob ich würdig bin, einzutreten. Viele Menschen fühlen sich heute von der Kirche mehr denn je "ausgesperrt". Heute verstehe ich das Gesagte von Bischof Jacques Gaillot besser. Ich würde mir heute, wie viele andere auch, eine einladendere Kirche wünschen, in der auch zum Beispiel die Frauen zu einem Amt zugelassen werden und deren unverzichtbare Stellung innerhalb der Kirche anders und besser honoriert wird. Ich würde mir auch wünschen, dass sich über Geschiedene und Wiederverheiratete eine andere pastorale Umgangsform kultiviert. Dass homosexuellen Menschen ein kirchlicher Segen ermöglicht wird und...

Der Dreifaltigkeitssonntag erschließt uns die Liebe Gottes zusammengefasst, was wir ein einem Kirchenjahr feiern. Jesus zeigt uns wie unser Vater ist. Jesus wirkt Wunder und erzählt uns Gleichnisse, damit wir heil werden. Das ist der Sinngrund dieses Sonntages, dass wir verstehen, mit Gott und von ihm kommt das Gute, Heil und Heilung unseres oft zerbrochenen Lebens. Der heilige Geist schenkt uns immer wieder die Kraft, wenn wir uns darauf einlassen, dass wir in diesen "Heils - Willen - Gottes" hineinwachsen. Er treibt uns zumindest dazu an, dass wir über uns und Gott nachdenken. Glaube und die Reflexion darüber ist phantastisch, aber noch mehr, wenn ich sehen kann, ich werde durch meinen Glauben verwandelt. Dann erfahre ich in der Hl. Kommunion meinen Herrn und Gott als den innigsten Freund meines Lebens. Gott bleibt nicht draußen vor der Tür stehen, sondern sucht und bahnt sich den Weg zu mir.

Lasse ich mich von Gott finden? Verschließe ich ihm meine Tür? Bin ich noch bereit für eine Wandlung oder einem Neuanfang mit ihm?

Gebet - Segensbitte (Gotteslob 13, 1-2)

Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht über dich leuchten und sei dir gnädig. Der Herr wende sein Angesicht dir zu und schenke dir Heil.
Der Herr sei vor dir, um dir den rechten Weg zu zeigen.
Der Herr sei neben dir, um dich in die Arme zu schließen und dich zu schützen vor Gefahren.
Der Herr sei hinter dir, um dich zu bewahren vor der Heimtücke des Bösen.
Der Herr sei unter dir, um dich aufzufangen, wenn du fällst.
Der Herr sei in dir, um dich zu trösten, wenn du traurig bist.
Der Herr sei um dich herum, um dich zu verteidigen, wenn andere über dich herfallen.
Der Herr sei über dir, um dich zu segnen.
Amen.


31. Mai / 01. Juni:
Gedankenimpuls zum heiligen Pfingstfest (Sonntag und Montag)


Joh 20, 19 - 23
"Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch: Empfangt den Heiligen Geist!

Am Abend des ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden bei verschlossenen Türen beisammen waren, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, als sie den Herrn sahen. Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sagte zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! Denen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; denen ihr sie behaltet, sind sie behalten."

"Den Geist der Unterscheidung erwählen"


Viele Meinungen, Thesen, Auffassungen und Positionen erreichen uns unaufhörlich. Dabei hat jeder auch noch seine eigene Meinung, die er vertritt. Das ist sowohl bei gesellschaftlichen Themen als auch bei kirchlichen. Seine eigene Meinung zu behaupten ist nicht immer leicht. Nicht selten brauchen wir dafür einen Beistand.
An Pfingsten feiern wir den Heiligen Geist. Einen göttlichen Beistand, der uns durch Taufe und Firmung geschenkt wurde. Für mich persönlich ist dieser Beistand immer auch ein Anwalt für die Gläubigen. Dieser Geist steht uns nicht nur auf unserem irdischen Lebensweg bei, sondern er ist auch unser Beistand und Anwalt - der Advocatus - beim oder im "göttlichen Gericht". Er ist es, der für uns ein gutes Wort einlegt. Mich persönlich beruhigt dieser Gedanke, wenn ich kritisch und selbstreflektierend auf die schwachen Seiten meines Lebens schaue.

Die Pfingstlieder, die wir in der Kirche singen, sind bestärkende und ausdrucksstarke Texte. So singen wir zum Beispiel: "Komm, heiliger Geist, der Leben schafft, erfülle mich mit deiner Kraft..." und: "Komm, Tröster, der die Herzen lenkt, du Beistand, den der Vater schenkt; aus dir strömt Leben, Licht und Glut, du gibst uns Schwachen Kraft und Mut..." (GL 342, 1. und 2. Strophe). In diesem Lied kommt für mich das Gesagte besonders gut zusammengefasst zum Ausdruck. Pfingsten ist ein lebensschaffendes und beruhigendes Fest!

Fühle ich mich vom Geist Gottes getragen? Kann ich ein geistliches Leben führen?

Gebet
Gott, du hast die Herzen deiner Gläubigen durch die Erleuchtung des Heiligen Geistes gelehrt. Gib, dass wir in diesem Geist erkennen, was recht ist und allzeit seinen Trost und seine Hilfe erfahren. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Amen.



24. Mai: Gedankenimpuls zum 7. Sonntag der Osterzeit

Joh 17, 1 - 11a
" In jener Zeit erhob Jesus seine Augen zum Himmel und sagte: Vater, die Stunde ist gekommen. Verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrlicht! Denn du hast ihm Macht über alle Menschen gegeben, damit er allen, die du ihm gegeben hast, ewiges Leben schenkt. Das aber ist das ewige Leben: dass sie dich, den einzigen wahren Gott, erkennen und den du gesandt hast, Jesus Christus. Ich habe dich auf der Erde verherrlicht und das Werk zu Ende geführt, das du mir aufgetragen hast. Jetzt verherrliche du mich, Vater, bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, bevor die Welt war! Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie gehörten dir und du hast sie mir gegeben und sie haben dein Wort bewahrt. Sie haben jetzt erkannt, dass alles, was du mir gegeben hast, von dir ist. Denn die Worte, die du mir gabst, habe ich ihnen gegeben und sie haben sie angenommen. Sie haben wahrhaftig erkannt, dass ich von dir ausgegangen bin, und sie sind zu dem Glauben gekommen, dass du mich gesandt hast. Für sie bitte ich; nicht für die Welt bitte ich, sondern für alle, die du mir gegeben hast; denn sie gehören dir. Alles, was mein ist, ist dein, und was dein ist, ist mein; in ihnen bin ich verherrlicht. Ich bin nicht mehr in der Welt, aber sie sind in der Welt und ich komme zu dir."

"Brücken schlagen"


In den vergangenen Wochen sahen wir immer wieder Bilder, die unsere Heimat und die Welt kurz nach dem Krieg gezeigt haben. Zerschlagene Städte, heimatlose Familien, Hunger, Kriegsgefangene, Ermordete, zerstörte Brücken und das ganze Ausmaß von Hass und Zerstörung. Diese Bilder sind schwer auszuhalten. Gleichzeitig muss uns bewusst werden, dass zum Teil unsere Eltern als Kinder und unsere Großeltern diese Zeit erlebt, vielleicht sogar mitgeprägt und ausgehalten haben.

"Brücken bauen" oder "Brücken schlagen" ist nicht nur architektonisch eine große Leistung, sondern auch zwischenmenschlich. Ebenso war es nach dem Krieg eine herausragende Errungenschaft, Europa erneut zu versöhnen und zu vereinen.

Die biblischen Texte, die uns jetzt vor und um das heilige Pfingstfest begegnen sind für mich persönlich, "Brückentexte der Versöhnung". Jesus sagt: "Ich habe dich auf der Erde verherrlicht und das Werk zu Ende geführt, das du mir aufgetragen hast."

Auch wir haben diesen Auftrag erhalten, dass wir durch und mit dem Heiligen Geist, der in uns wirkt, diese Welt ein wenig besser machen. Eine Brücke zu bauen, ist manchmal äußerst schwer. Gerade dann, wenn Situationen, Konflikte oder Streigkeiten völlig verfahren sind.
Wer hätte in den Jahren des Krieges gedacht, dass es danach über Jahrzehnte ein friedliches Zusammenleben zwischen den europäischen Völkern gibt? Es geht! Das Wichtigste dabei ist die Hoffnung, die wir nie verlieren dürfen. Sie ist die Kraft, die viel vermag. Mit der Kraft Gottes dürfen wir gemeinsam immer wieder zueinander "Brücken schlagen" und auch jetzt in eine gute Zeit gehen.

Wo bemühe ich mich, dass ich eine Brücke zu anderen Menschen baue? Gestalte ich mein Leben aus der Kraft des Heiligen Geistes? Spüre ich Gottes Kraft und Wirken in mir?

Gebet
Erhöre uns, Gott, unser Heil, und schenke uns die feste Zuversicht, dass durch die Feier der heiligen Geheimnisse die ganze Kirche jene Vollendung erlangen wird, die Christus, ihr Haupt, in deiner Herrlichkeit schon besitzt, der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
Amen.


21. Mai: Gedankenimpuls zu Christi Himmelfahrt

Matthäus 28, 16 - 20
"In jener Zeit gingen die elf Jünger nach Galiläa auf den Berg, den Jesus ihnen genannt hatte. Und als sie Jesus sahen, fielen sie vor ihm nieder, einige aber hatten Zweifel. Da trat Jesus auf sie zu und sagte zu ihnen: Mir ist alle Vollmacht gegeben im Himmel auf auf der Erde. Darum geht und macht alle Völker zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Und siehe, ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt."

"Nähe und Distanz"


Das Thema "Nähe und Distanz" war auch schon vor der Corona-Krise da. Wie nah darf ich jemanden kommen? Verletzungen gibt es schnell sowohl beim Sprechen als auch bei der Überschreitung einer Berührung. Ein natürliches Gespür ist dafür oft die beste Voraussetzung. In den letzten Wochen sind wir alle mehr auf Abstand gegangen. Diese Abstandsregeln verändern uns und gleichzeitig unseren Umgang untereinander. Jedoch ohne Nähe "verhungert" der Mensch. Eine dauerhafte "Abgrenzung" kann uns letztendlich krank machen. Wir grenzen uns gegenseitig ab. Das ist auf lange Sicht noch gar nicht von seinen gesellschaftlichen und zwischenmenschlichen Folgen untersucht und betrachtet worden. Es wird auf Dauer unser Leben nachhaltig beeinträchtigen und maßgeblich verändern.

In diesen Tagen erlebe ich auch unsere Gottesdienste so, dass sie einen "unpersönlichen Gott" vermitteln. Derweil ist vor allem der christliche Glaube auf das personale "Du" zu Gott hin ausgerichtet. Gott hat ein Gesicht und einen Namen. Der Mensch darf im christlichen Glauben seinem Gott auf "Augenhöhe" begegnen, was wir ja an Weihnachten in der Menschwerdung Gottes besonders feiern und zum Ausdruck bringen.

Geht der Auferstandene mit dem Fest Christi Himmelfahrt auch auf Distanz mit uns Menschen? Die Antwort wird uns am Ende des heutigen Evangeliums gegeben: "Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt."

Übrigens: der Vatertag wird bewusst auf diesen Tag gelegt, weil Jesus zu seinem Vater im Himmel heimgeht, der auch unser aller Vater ist. Und auch wir werden eines Tages zu unserer himmlischen Mutter und unserem himmlischen Vater heimgehen.

Kann ich für meine Familie und Kinder ein Gebet des Dankes sprechen? Bete ich für meine Familie? Bin ich ein guter Vater, eine gute Mutter?

Gebet
Allmächtiger, ewiger Gott, du hast uns, die wir noch auf Erden leben, deine göttlichen Geheimnisse anvertraut. Lenke unser Sinnen und Verlangen zum Himmel, wo Christus als Erster der Menschen bei dir ist, der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
Amen.


17. Mai: Gedankenimpuls zum 6. Sonntag der Osterzeit

Johannes 14, 15 - 21
"In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten. Und ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll. Es ist der Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht und nicht kennt. Ihr aber kennt ihn, weil er bei euch bleibt und in euch sein wird. Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen, sondern ich komme wieder zu euch. Nur noch kurze Zeit, und die Welt sieht mich nicht mehr; ihr aber seht mich, weil ich lebe und weil auch ihr leben werdet. An jenem Tag werdet ihr erkennen: Ich bin in meinem Vater, ihr seid in mir und ich bin in euch. Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer mich aber liebt, wird von meinem Vater geliebt werden und auch ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren."

"Beziehungsarbeit"
Unser Leben ist mitunter ganz wesentlich von Beziehungsarbeit bestimmt. Man könnte auch behaupten, dass es ein lebenslanges Ringen ist. Auch der vor- und nachösterliche Jesus leistet Beziehungsarbeit mit den Menschen. Das freundschaftliche Verhältnis zu seinen Jüngerinnen und Jüngern, zu den Frauen und Männern, die ihm begegnen, scheint ihm von enormer Wichtigkeit.

Die Texte aus dem Hl. Evangelium, die wir vor Christi Himmelfahrt hören, sind die sogenannten "Abschiedsreden" Jesu. Und auch in diesen Texten geht es um Beziehungsarbeit. Wer in unterschiedlichen Beziehungen lebt, weiß, dass es nicht genügt, nur oberflächlich bis sporadisch Kontakt zu haben. In Beziehung leben mit anderen Menschen ist oft harte Arbeit. Das wissen wir aus der Ehe, aus Partnerschaften, Freundschaften, Geschwistern, Arbeitskollegen usw. Vielleicht ist es genau deshalb der Grund, dass oft behauptet wird: es gibt nur zwei bis drei Personen, mit denen man eine intensive, wahre und sehr lange Freundschaft pflegen kann.

Auch die Freundschaft und die Beziehung zu Jesus ist eine intensive und aufwendige Aufgabe, die uns im Glauben zukommt. Diejenigen aber, die Jesus als freundschaftlichen Begleiter erfahren und erleben dürfen, sind sicherlich mit einem treuen Lebensbegleiter unterwegs. Es ist eine lohnenswerte Arbeit, wenn wir gläubig immer wieder diese Freundschaft suchen.

Wie erlebe ich Jesus als Freund? Wie intensiv lebe ich diese Art von Beziehung? Welche Beziehungen und Freundschaften sind mir seit Jahren wichtig? Wie zeige ich das?

Gebet - Gotteslob 16.1
Guter Gott, ich bin glücklich. Es gibt einen Menschen, der mich liebt. Er kommt mir entgegen. Er sieht mich an. Er nimmt mich in die Arme. Er hört mir zu. Er antwortet mir. Er spricht zu mir.

Guter Gott, ich bin glücklich. Es gibt einen Menschen, den ich liebe. Langsam entsteht sein Bild vor mir mit Licht und Schatten. Ich habe viele Namen für ihn. Ich vertraue ihm, ich fühle mich bei ihm geborgen, ich überlasse mich ihm.

Guter Gott, ich danke, dass wir miteinander glücklich sind. Ich bitte dich, lass uns in unserer Liebe nicht allein! Wir können nur unbeschwert glücklich sein, wenn die Verantwortung für uns bei dir liegt. Bewahre du uns. 

Amen.




10. Mai: Gedankenimpuls zum 5. Sonntag der Osterzeit

Johannes 14, 2 - 6
"Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe um einen Platz für euch vorzubereiten? Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin. Und wohin ich gehe - den Weg dorthin kennt ihr. Thomas sagte zu ihm: Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie sollen wir dann  den Weg kennen? Jesus sagte zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich."

"Gestaltungsspielräume"

Welchen Gestaltungsspielraum habe ich in meinem Leben? Von Jugendlichen, die selbstbewusst, freundlich, offen, interessiert, aufgeschlossen und lebendig erscheinen, sagt oder denkt man oft, die gehen ihren Weg. Wir Menschen gehen verschiedene Lebens- und Glaubenswege. All zu oft sind die eingeschlagenen Wege auch abgebrochen und verändert worden. Man könnte auch sagen, dass man seinem Leben eine neue und andere Bedeutung gegeben hat. Ich persönlich stelle fest, dass Haltungen, Positionen, Meinungen sich mit zunehmendem Alter verändern. Dinge, Bereiche und Lebensfelder, die mir noch vor 10 Jahren enorm wichtig waren, sind jetzt fast in der Bedeutungslosigkeit versunken. Menschen verändern sich in und mit ihren Lebensabschnitten. Was auch immer - zumindest bei mir -  gleich geblieben ist, ist das Bedürfnis nach Zugehörigkeit bzw. nach Heimat. Damit verbinde ich auch das Thema Geborgenheit, Sicherheit, Vertrautheit und "Angenommen-Sein".
Angenommen sein ist für mich schlechthin die verbindende Gedankenbrücke zum Thema "Heimat". Das Evangelium heute benützt, wie so oft, eine schöne Bildsprache. Jede und jeder von uns verbindet mit Wohnung und Heimat etwas anderes. Dennoch suchen wir alle darin einen "Urkern", der sich trotz aller Widrigkeiten, Unbeständigkeiten und Abbrüchen im Leben erhält. Zielt nicht gerade das heutige Evangelium darauf ab und gibt damit einen Ratschlag für alle Generationen, Zeiten und Ereignisse?

Wie gestalte ich mein Glaubensleben und welche Gestaltungsspielräume gebe ich mir? Wo habe ich Heimat? Wo fühle ich mich angenommen?

Gebet
Herr Jesus Christus, du sagst von dir: ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Lass mich nicht auf den Selbstbetrug dieser Welt vertrauen, sondern schenke mir Glaubenskraft und Mut. Im Alltag ist dies oft schwierig. Es ist auch nicht leicht, den richtigen Weg zu finden. Es fällt mir auch schwer, dass ich deinen Weg in der Geschichte der Menschen sehe und manchmal erkenne. Deshalb bete ich heute besonders: "Glaubt an Gott und glaubt an mich. Vertraut mir! Dann werden wir sicher nach Hause finden".
Amen.



03. Mai: Gedankenimpuls zum 4. Sonntag der Osterzeit


Johannes 10,10
"Der Dieb kommt nur, um zu stehlen und zu vernichten; ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben."

In der gegenwärtigen Zeit wird es - auch ohne Corona - immer schwieriger, zwischen richtigen und falschen Informationen zu unterscheiden. Ganz davon abgesehen, dass jeder von uns die Fülle von Meldungen täglich oder sogar stündlich verarbeiten muss. Und dann spricht Jesus heute im Evangelium von der Fülle des Lebens. Dieser Gedanke löst sicherlich unterschiedliche Assoziationen bei jedem von uns aus.
Was ist das, das Leben in Fülle zu haben? Im Kontext der Botschaft Jesu ist es wohl die vollkommene Geborgenheit, Sicherheit und unmittelbare Nähe zu dem dreifaltigen Gott. Was aber verstehe ich darunter? Die Fülle des Lebens hat für mich nichts mit Ausschweifung, Auskostung oder Maximales herauspressen aus diesem zu tun, sondern mit  "Verdichtung".
Es gibt im Leben so unglaublich kurze oder auf eine begrenzte Zeit ausgerichtete Augenblicke, die prägen, formen und nachhaltig ein Leben schön machen. Das kann die wohltuende Nähe von einem Menschen sein, mit dem man unglaublich schöne Momente erlebt hat. Das kann aber auch ein bewegender Augenblick sein, in dem sich gerade ohne Worte unwahrscheinlich viel ereignet hat.
Das Leben in Fülle? Wie ungeahnt groß muss der Augenblick sein, an dem ich erkenne, was Gottes unmittelbare Nähe bedeutet. Wenn ich mich dann, in der Nähe Gottes selber ansehen und gleichzeitig in die Tiefe meines Lebens hineinschauend erblicken darf, was Gott in mir selber erdacht hat.

Welchen Blick habe ich auf mein Geschenk Leben? Was bedeutet für mich die Fülle des Lebens? Wie bin ich mit Gott im Gespräch? Was erwarte ich von ihm?

Gebet
Herr Jesus Christus, keiner kennt mich so gut wie du. Du kennst meine Sünden und Schwächen, aber auch das Gute, was in mir vorhanden ist, durch deine zuwendende Gnade. Schenke mir täglich die Kraft, dass ich an mir arbeite, um ein besserer Mensch zu werden. Schenke mir den Geist der Unterscheidung, dass ich richtig urteile. Gib mir ein Herz, welches hellhörig ist für das, was gegenwärtig von mir gebraucht und verlangt wird.
Amen.


26. April: Gedankenimpuls zum 3. Sonntag der Osterzeit

Johannes 21, 12.14
"Jesus sagte zu ihnen: Kommt her und eßt! Keiner von den Jüngern wagte ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten, dass es der Herr war. Jesus trat heran, nahm das Brot und gab es ihnen, ebenso den Fisch. Dies war schon das dritte Mal, dass Jesus sich den Jüngern offenbarte, seit er von den Toten auferstanden war."

Im Laufe eines Lebens begleiten uns Trauer, Verlust und Verzweiflung oder Kummer. Wir Menschen haben unterschiedliche Persönlichkeitsstrukturen, um mit diesen "Begleiterscheinungen des Lebens" umzugehen. Die meisten von uns haben schon einmal oder mehrmals um einen anderen getrauert. Wenn es sich um den Tod eines jungen Menschen handelt, gesellt sich zur Trauer auch noch die Verzweiflung hinzu. Das sind Umstände, die von uns nur schwer bis garnicht auszuhalten sind.

In den Ostererzählungen begegnen uns immer wieder ähnliche Situationen und auch Menschen, die Halt suchen. Die Jünger Jesu versuchen sich gegenseitig zu stützen und aufzurichten, indem sie einfach über das Geschehene sprechen und berichten, was sie erlebt haben.

Jesus fordert die Jünger auf: "Kommt her und eßt!" Jesus wird ihnen im Wort und beim Mahl gegenwärtig.

Auch ich kenne Phasen in meinem Leben, wo Menschen mir ganz nahe sind, obwohl sie schon lange gestorben sind. Sie sind mir gefühlt sogar manchmal näher als lebende Menschen, die gegenwärtig um mich herum sind. Muss Gegenwart immer physischer Natur sein?

Welche Menschen sind mir ganz nah? Wo waren in meinem Leben Phasen des Aufbruchs? Welchen Weg habe ich gerade eingeschlagen? Wo erkenne ich Gott in meinem Leben? Wo sind seine Spuren in meinem Leben?

Gebet - Gotteslob 6.1
Noch bevor wir dich suchen, bist du bei uns. Bevor wir deinen Namen kennen, bist du schon unser Gott. Öffne unser Herz für das Geheimnis, in das wir aufgenommen sind: dass du uns zuerst geliebt hast und dass wir glücklich sein dürfen mit dir. Nicht weil wir gut sind, dürfen wir uns dir nähern, sondern weil du Gott bist.
Amen.


19. April: Gedankenimpuls zum 2. Sonntag der Osterzeit - Weißer Sonntag - Sonntag der göttlichen Barmherzigkeit

Johannes 20, 27 - 28
"Da kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte: Friede sei mit euch! Dann sagte er zu Thomas: Streck deinen Finger aus - hier sind meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig! Thomas antwortete ihm: Mein Herr und mein Gott!"

In den vergangenen Tagen haben mich einige Photos und Kurzberichte erreicht, wie in den Familien Ostern gefeiert wurde. Das hat mich sehr berührt. Und an diesem Wochenende wäre unser erster Bittgang im Pfarrverband von Königsdorf und Oberbuchen nach Huppenberg.  Wahrscheinlich dürfen nach dem 3. Mai wieder Gottesdienste in kleineren Gruppen unter bestimmten hygienischen Auflagen gefeiert werden.

Das Evangelium vom "ungläubigen Thomas" berührt mich Jahr für Jahr. Jesus fordert Thomas auf, seine Finger und Hände auszustrecken, um sie in seine Hände und in seine Wunde zu legen. Welch kostbarer und inniger Ausdruck von Beziehung. Jemanden die Hand zu reichen ist zwischenmenschlich nicht immer einfach. Das Thema Corona sei hier, was das Händereichen angeht, ausgenommen. Noch viel schwieriger ist es, dass ich jemanden meine Wunden und meine Verletzungen zeige. Jemand, der ohnehin schon ein verletzter Mensch ist, wird oft durch das Zeigen der Verwundungen wieder verletzt. Damit zeige ich Schwachstellen an mir, die mich "angreifbar" machen. Wie oft haben wir gehört, dass Opfer von Missbrauch und Gewalt immer wieder zu Opfern wurden. Entweder weil jemand aus dem Bauch heraus gesagt hat: "das glaube ich nicht" oder " da wirst du schon auch selber (Mit-)Schuld haben" oder "warum hast du dich nicht gewehrt" usw.

Wunden und Verletzungen zeigen heißt auch, dass ich mich "ausziehe" und "nackt" bin. Wer nackt ist, ist zunächst schutzlos, weil ihn nichts schützt vor den Augen der Menschen. Ähnlich ist es, wenn ich Wunden und Verletzungen zeige. Somit setze ich mich der "Betrachtung" meines Gegenübers aus. Es wird sowohl "abgewogen" und "beurteilt" als auch ein "Urteil gefällt".

Was hat mein Leben mehr geprägt, die Liebe oder die Verletzungen? Wem zeige ich meine Wunden? Wer berührt mich liebevoll? Wer läßt mich mit meinen Lebenserfahrungen gelten und stehen? Wer nimmt mich so an wie ich bin?

Gebet:
Herr Jesus Christus, heute am Sonntag der göttlichen Barmherzigkeit bitte ich dich für alle Menschen, die mit Wunden und Verletzungen durchs Leben gehen müssen. Bis heute gibt es Ausbeutung, Unterdrückung, Krieg, Heimatlosigkeit und Ungerechtigkeit, dies ist für uns oft schwer auszuhalten. Liebevoll hast du Thomas eingeladen, dass er deine ausgestreckte Hand nimmt. Reiche auch mir und uns immer wieder deine liebevolle Hand, damit auch ich - damit wir glauben und lieben können. Gegenwärtig haben auch viele Menschen in unserem Land Angst und Zweifel vor der Zukunft. Sie fragen sich: wie wird es weiter gehen? Lass uns vertrauen und hoffen, damit Neues erblüht und es aufersteht zu neuem Leben.
Amen.


13. April: Gedankenimpuls zum Ostermontag

Lukas 24, 32 -35
"Und sie sagten zueinander: brannte uns nicht das Herz in der Brust, als er mit uns redete und uns den Sinn der Schrift erschloss? Noch in der derselben Stunde brachen sie auf und kehrten nach Jerusalem zurück, und sie fanden die Elf und die anderen Jünger versammelt. Diese sagten: Der Herr ist wirklich auferstanden und ist dem Simon erschienen. Da erzählten auch sie, was sie unterwegs erlebt und wie sie ihn erkannt hatten, als er das Brot brach."

Ostermontag - "Verwandelt sein"


Mir fehlen die Worte. Ich bin sprachlos. Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Das kann ich nicht glauben.

Solche und ähnliche Formulierungen benützen wir, wenn wir von einer Aussage eines anderen Menschen getroffen sind. Auch Situationen, Begegnungen und Verhaltensweisen fördern solch eine Rückmeldung. Mir fehlen die Worte. Auch mir fehlen manchmal die Worte, wenn ich angehalten bin, z. B. in einer Predigt, die richtigen Worte zu finden.

Der heutige Text aus dem Evangelium schildert im Prinzip ein ähnliches Verhalten der Weggefährten Jesu. Völlig durcheinander gewirbelt, suchen sie das Erlebte zu verarbeiten. Sie reden und tauschen sich miteinander darüber aus, was in diesen Tagen geschehen ist. Im "Unterwegs sein" gesellt sich plötzlich der Auferstandene hinzu und sie erkennen ihn zunächst nicht. Erst als er mit ihnen das Brot brach, gehen ihnen die Augen auf.

Auch wir sind unterwegs. Das "Unterwegs sein" ist ein zutiefst spirituelles Geschehen. Wie viele Erkenntnisse, Klärungen und Entscheidungen hat jede und jeder von uns schon im Gehen getroffen. Und auch im gegenseitigen Austausch mit einem anderen Menschen habe ich wegweisende Entscheidungen für meinen persönlichen Lebens- und Glaubensweg getroffen.

Die Botschaft von Ostern macht "sprachlos", weil damit die menschliche Vernunft völlig überlastet wird. Das Gespräch über den Glauben ist für uns genau so wichtig, wie für die Jünger damals. Sie sagten: "Brannte uns nicht das Herz in der Brust, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schrift erschloss?"

Brennt auch mein Herz noch für die Botschaft der Auferstehung Jesu? Habe ich genügend Menschen mit denen ich reden kann? Mit wem bin ich unterwegs? Habe ich gute Gesprächspartner, die mir zuhören und mich verstehen?

Gebet
Herr Jesus Christus, wahrhaft von den Toten auferstanden, gehst du den Weg deiner Jünger mit. Ich bitte dich, dass du auch mein Weggefährte bist. Es gibt so viele Dinge, die ich nicht verstehe und fragend bin ich unterwegs. Welchen Weg hast du für mich bereitet? Ich weiß, dass du dich nicht aufdrängst. Du gehst still und leise meinen Weg mit. Ich bitte dich auch heute für alle Menschen, die nicht mehr glauben können, begleite sie in deiner unendlichen Liebe. Wir Menschen sind manchmal sehr unsicher und suchen Halt, schenke uns diesen.
Amen.

12. April: Gedankenimpuls zum Hochfest Auferstehung des Herrn - Ostern

Exodus 14, 21 - 22
"Mose streckte seine Hand über das Meer aus, und der Herr trieb die ganze Nacht das Meer durch einen starken Ostwind fort. Er ließ das Meer austrocknen, und das Wasser spaltete sich. Die Israeliten zogen auf trockenem Boden ins Meer hinein, während rechts und links das Wasser wie eine Mauer stand."

Ostern - "Verwandelt sein"


Wie groß ist doch mittlerweile bei uns allen die Sehnsucht, dass wir innerhalb der Familien wieder zusammen kommen dürfen. In diesen Tagen wird mir ganz stark bewusst, wie wichtig und schön es ist, mit Freunden zu essen oder sich zu umarmen. Ich bin mir sicher, dass wir alle miteinander, wenn es möglich ist, eine unglaubliche österliche Lebensfreude verspüren werden.

"Verwandelt sein" bringt ganz gut zum Ausdruck, was gemeint ist, wenn die Krise überwunden ist. Momentan schneidet uns diese sicherlich noch in einer gewissen Weise vom Leben ab. An Ostern feiern wir liturgisch das  ganze und volle Leben.

Die alttestamentliche Lesung, aus der ich zitiere, ist eine derer, die jedes Jahr in der Osternacht vorgetragen wird. Das Meer spaltet sich. Was ist symbolsprachlich damit gemeint? Die Verschlossenheit des Meeres steht für den Tod, das Grab und die Vergänglichkeit. Durch das Öffnen des Meeres und das Durchziehen des Volkes Israel (Volk Gottes) geschieht Erlösung, Leben und Auferstehung zu neuem Leben. Die Israeliten sind gerettet und sicher am anderen Ufer angekommen. Diese "Geschichte" ist der Weg zum Osterevangelium. Christus ist wahrhaft vom Tod erstanden. Halleluja.
Seelsorge
Das kleine Bild bei diesem Text ist eine Fotografie, die in meiner Wohnung hängt. Bei einer Klassenfahrt - vor ca. 30 Jahren - nach Rom hat ein Mitschüler dieses Bild im Kolosseum fotografiert und mir danach geschenkt. Ich persönlich verbinde dieses Bild mit Ostern, einem Lichtblick im irdischen Leben und dann nach meinem Tod. Gerade im Kolosseum, wo soviel Schreckliches passiert ist, gibt es einen "Ausblick" vom Tod ins Leben. Am Ende des Lebens findet unsere letzte und endgültige Verwandlung statt, nämlich hineingenommen zu werden in die unglaubliche und alles in sich deutende Liebesbeziehung Gottes zu uns Menschen. Das ist für mich die befreiende Botschaft von Ostern.
Bin ich durch diese Krise von Corona nachdenklicher geworden?
Kann ich darauf vertrauen, dass sich die Osterbotschaft auch an meinem Leben vollzieht? Habe ich den Mut, diese kostbare und einmalige Botschaft weiter zu sagen.

Gebet:
Herr Jesus Christus, das Hochfest deiner Auferstehung schenkt mir Zuwendung. Es tröstet mich, wenn ich daran denke, dass deine Botschaft vom Leben eine gute Nachricht für mich und mein Leben ist. Du willst mich ansprechen und erreichen - damit ich lebe. Du bist der ewige Gott, der war, der ist und der bleiben wird. Du bist der Anfang und das Ende. Herr, der du wahrhaft auferstanden bist, ich bitte dich für alle Verstorbenen und für alle Menschen, die mir so unendlich lieb sind. Beschütze unsere Kinder, Jugendlichen und Familien. Denke an uns schwache Menschen, die so notwendig deiner Hilfe bedürfen.
Amen.

11. April: Gedankenimpuls zum Karsamstag

Der Karsamstag ist der Tag der Grabesruhe. Dieser Tag geht in der Vorbereitung auf die Osternachtfeier meistens etwas unter.

Karsamstag - "Verletzt sein"

Viele Menschen suchen die Gräber ihrer Angehörigen auf. Auch das Grab Jesu soll an diesem Tag zum Gebet aufgesucht werden, was heuer in unseren Kirchen leider nicht möglich ist.
Am Tag vorher ist Jesus gekreuzigt worden und ist gestorben.

Der Tod ist ein Thema, das jeden Menschen beschäftigt. Wie wird mein eigener und persönlicher Tod sein? Wie und wo möchte ich bestattet werden? In welcher Form soll ein Gottesdienst gefeiert werden? Fragen, die notwendig sind, um auch hier seinen letzten Willen zu bekunden.

Was ist eigentlich passiert nach dem Jesus gestorben ist? Wo ist er hingegangen?

Jesus stieg hinab in das Reich des Todes, um alle Menschen, die vor ihm waren, heraufzuholen oder herauszuholen, um sie dann bei seiner Auferstehung mit dem ewigen Leben zu erlösen. Wie oft sprechen wir leichtfertig und selbstverständlich von einem allmächtigen und barmherzigen Gott. Bei diesem Gedanken meine ich, kann ich mir diese Allmacht und Barmherzigkeit Gottes am Besten vorstellen. Wie groß, allmächtig und barmherzig muss dieser Gott sein, der keinen einzigen Menschen vergisst?

Auch ich und mein Leben sind von diesem Gott gewollt und geschaffen. Ich lebe nicht aus mir selbst heraus, sondern durch den, der mich erdacht, angenommen und gewollt hat. Und dennoch bringt der eigene Tod die größte Verletzung ins individuelle und persönliche Leben.

Gebet:
Herr Jesus Christus, in der Sorge um das eigene Leben bitte ich dich, dass du an mich denkst. Dem Schächer am Kreuz hast du versprochen: "noch heute wirst du mit mir im Paradies sein". Lass auch mich ein Jünger dieser Botschaft sein. Ich will mich einüben, zu glauben und zu lieben. In der Unbeständigkeit des Lebens befallen mich oft Angst und Zweifel. Schenke auch mir eines Tages das ewige Leben.
Amen.

10. April: Gedankenimpuls zum Karfreitag

Psalm 31,22  "Gepriesen sei der Herr, der wunderbar an mir gehandelt und mir seine Güte erwiesen hat zur Zeit der Bedrängnis."

Karfreitag - "Verletzt sein"

Der Karfreitag ist einer der schwersten Tage im Kirchenjahr. Die Liturgie, die an diesem Tag gefeiert wird, ist kein "Kinderspiel", sondern der absolute Ernst des Lebens. Viele Gläubige sagen Jahr für Jahr, das ist schwer zu ertragen. Und in der Tat ist es schwer auszuhalten. Es wird eine Grausamkeit sichtbar, die für normal denkende Menschen unvorstellbar ist. Alte Kreuzesdarstellungen - wie z.B. in der kleinen Filialkirche St. Margaretha in Huppenberg - zeigen dies auf eine drastische Weise.

"Verletzt sein" ist mein Thema zum heutigen Karfreitag. Glauben wir an einen verletzbaren Gott? Wie viele Menschen tragen ihre persönlichen Verletzungen ein ganzes Leben mit sich umher und die Wunden wollen und wollen nicht heilen. Es gehört in den großen Bereich einer positiven Lebenseinstellung mit diesen Verletzungen sein eigenes und ganzes Leben zu gestalten. Auch unsere Welt und Schöpfung trägt große Wunden, die sehr oft von Menschen selber verbrochen wurden. In diesen Tagen bewegen mich immer wieder die unerträglichen Bilder von Flüchtlingslagern, wo Menschen in katastrophalen Zuständen leben müssen. Die Kinder, deren Seele geschunden wird durch Krieg und Vertreibung. Kinder, denen die Kindheit und Jugendzeit genommen wird. Wieviel Leid gibt es in der Welt? Es sind unzählige leidvolle Geschichten, die uns tagtäglich begegnen.

Als Jesus seinen letzten Weg - Kreuzweg - geht, stehen unzählige Menschen am Wegesrand und schauen zu oder ergötzen sich sogar daran. Auch wir sind oft die, die am Rand stehen und zuschauen. Ganz oft denken wir dann: "Gott sei Dank, uns geht es gut".

Beginnt nicht bei diesem letzten Gedanken die ureigene Sünde? Wie oft bin ich "Zaungast"? Wie oft habe ich schon bewusst Menschen verletzt und ausgeliefert? Habe ich das Liebesgebot Jesu (Gründonnerstag) wirklich verstanden?

Gebet:
Herr Jesus Christus, heute gehen wir deinen Leidensweg mit unseren eigenen Verletzungen mit. Der Blick in eine unvollkommene Welt macht uns oft hilflos und sprachlos. Viele Menschen und vor allem Kinder halten unvorstellbares Leid aus, wie Krieg, Flucht, Hunger und Suche nach Heimat. Menschen werden nicht angenommen sondern abgelehnt. Ich spüre in mir die gähnende Leere, die diese Bedrohung auslöst. Auch jetzt ist unser Leben bedroht. So bitten wir dich, schaue vom erlösenden Kreuz auf uns Menschen. Denn in deinem Kreuz ist Heil, in deinem Kreuz ist Leben und in deinem Kreuz ist Hoffnung.
Amen.



09. April: Gedankenimpuls zum Gründonnerstag

Die drei Heiligen Tage Gründonnerstag, Karfreitag und die Osternacht sind eine liturgische Einheit, sprich ein Gottesdienst, der auf drei Tage verteilt gefeiert wird. Ich möchte diese drei Tage unter das Thema "Ausgeliefert sein" - "Verletzt sein" - "Verwandelt sein" stellen.

Gründonnerstag - "Ausgeliefert sein"

Der Gründonnerstag hat seinen Namen vom althochdeutschen Wort "greinen" bekommen, was soviel wie weinen bedeutet.

Wir Menschen machen immer wieder die bittere Erfahrung, dass wir manchmal ausgeliefert sind. Das kann es gegenüber von Menschen, Situationen, Krankheiten, verstrickte Umstände, Kriegen usw. geben.
Dieses Gefühl, ausgeliefert zu sein, macht schlicht und ergreifend Angst und löst in uns eine Hilflosigkeit aus bis zur Verzweiflung. In vielen dieser Situationen sind manchmal unzählige Tränen von Menschen in die Welt geflossen, still, aber in einem großen Maß.

Jesus wird am Gründonnerstag, so berichtet uns das Evangelium, verraten und ausgeliefert. In der Nacht beim stillen Gebet, während die Jünger schlafen, beginnt hinter seinem Rücken der Verrat.

In Situationen des Lebens, wo Menschen dieses auf ähnliche Weise erfahren, sind wir ganz nah beim Herrn. Jesus ging den Weg der Menschen, weil er sich mit uns "solidarisch gehend" erweist. Am Ende seines Lebens sind noch die wenigsten treuen Weggefährten bei ihm.

Wo habe ich mich ausgeliefert und verraten gefühlt? Wie bin ich damit umgegangen? Wo war ein Ausweg - ein Lichtblick? Wer war in diesen Situationen treu an meiner Seite?

Gebet:
Herr Jesus Christus, du bist den Weg gegangen, den auch wir Menschen gehen. Wir bitten dich, dass du uns die Kraft gibst, nicht mutlos zu werden. Schenke uns auch immer wieder den Mut, das Gute und Schöne zu sehen und zu erleben. Manchmal fehlt uns der Glaube und das Vertrauen in die Welt und ja, sogar in dich. Wir sind schwach, weil wir Menschen sind, die deine Hilfe brauchen. Komme uns in diesen Tagen immer wieder entgegen.
Amen.




08. April: Impulsgedanken zur Missa Chrismatis - Mittwoch vor Gründonnerstag

Jedes Jahr werden vor Gründonnerstag die Heiligen Öle geweiht, in der sogenannten Missa Chrismatis. In der Hl. Messe erneuern auch die Priester die Bereitschaft zum priesterlichen Dienst.

Die Heiligen Öle sind:
- der Chrisam (lat. Sanctum Chrisma) - für Taufe, Firmung, Priester- und     Bischofsweihe, Altar-, Kirchen- und Glockenweihe
- das Katechumenenöl (lat. Oleum catechumenorum oder auch Oleum salutis) - für die Taufbewerber
- das Krankenöl (lat. Oleum infirmorum) - für die Kranken und Sterbenden

Es wäre doch ein schönes Zeichen, wenn sie per Livestream (www.erzbistum-muenchen.de/stream) den Gottesdienst am Mittwoch, den 8. April um 17:00 Uhr mit unserem Erzbischof Reinhard Cardinal Marx mitfeiern.

Sie können auch vor den Heiligen Drei Tagen ihr Tauf- und Firmversprechen erneuern.

Was bedeutet ihnen ihre Zugehörigkeit zur Kirche gerade in dieser schweren Zeit? Stehen sie hinter ihrem Tauf- und Firmglauben? Was hat sich seitdem in ihrem Glaubensleben verändert?

Gebet:
Herr, wir feiern heuer deine Auslieferung, deinen Tod und deine Auferstehung anders als sonst. Dennoch wissen wir, dass du uns ganz nahe bist und unsere Gebete erhörst. Stärke unsere Gemeinschaft mit dir. Lass uns nicht allein. Du bist der Kyrios und der Sieger über alle Bedrohung, über alle Gefahr und Unbeständigkeit des Lebens. Du bist das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet - du bist der König der Welt.
Amen.

04. April: Impulsgedanken zum Palmsonntag

Ps 42, 5 - 6: "Das Herz geht mir über, wenn ich daran denke: wie ich zum Hause Gottes zog in festlicher Schar, mit Jubel und Dank in feiernder Menge.
Meine Seele, warum bist du so betrübt und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, meinem Gott und  Retter, auf den ich schaue."

Allzu oft ging mir dieses Psalmwort gerade in den letzten Tagen durch den Kopf. Und jetzt im Gedanken an Palmsonntag und die festlichen Gottesdienste, an denen die Burschen mit den Zweigen aufgestellt vor der Kirche auf den Segen Gottes warten, um diese dann, verbunden mit dem Segen aus der Kirche, in die Wohnungen weiterzutragen.

Es fehlen mir die Gottesdienste, es fehlt mir die Kirche, es fehlt mir die sonntägliche Kommunität mit ihnen allen, und dennoch ist dies alles auf eine ganz andere Weise vorhanden. Wir sind auch in diesen Tagen gedanklich und vor allem - was wir vielleicht sonst so nicht erleben -  im Gebet verbunden. Der Beter frägt im Psalm seine eigene Seele: "warum bist du so unruhig und betrübt in mir". Und in der Tat hat diese Frage auch für mich in diesen Tagen eine sehr große Bedeutung bekommen. Mit dem Einzug Jesu in Jerusalem wissen wir, es werden wieder bessere, glücklichere und heilendere Tage kommen. Dieser einziehende Jesus, der auf einem Esel reitend daherkommt, ist ein heilender Gott, der für uns Menschen in die Welt einzieht und da ist, um zu heilen, was verwundet ist.

Gerade jetzt spüre ich, was ich für ein kleiner und verletzbarer Mensch bin. Wie zerbrechlich und bedroht mein Leben sein kann. Wie froh bin ich um diese Botschaft des Evangeliums, die ich gerne so übersetze: Gott bleibt bei mir!

Heuer feiern sie Palmsonntag in den Familien mit einem Hausgottesdienst oder vor dem Fernseher. Kirche war von ihren Anfängen her "Hauskirche". Es liegt auch eine enorme Chance in dieser Zeit, dass man wieder anfängt, miteinander in der Familie Gottesdienst zu feiern. Wie steht es noch um den Glauben innerhalb der eigenen Familie? Gelingt es mir, dass ich noch alle Mitglieder meiner Familie zum Mitbeten gewinne?

In Gebet und Gedanken verbunden grüße ich Sie am Palmsonntag und wünsche Ihnen Gottes Segen!
Ich werde für Sie alle beten.

01. April: Impulsgedanke zum schmerzhaften Freitag

Am Passionssonntag (5. Fastensonntag) werden die Kreuze in unseren Kirchen verhängt. Das Leid des Herrn wird verdeckt. Dafür ist gegenwärtig ein anderes Leid der Welt für uns alle sichtbar und spürbar geworden. Die Welt kämpft gegen das Leid einer Pandemie, verursacht durch einen Virus.

Am schmerzhaften Freitag wird jährlich der Kreuzweg durch die Pfarrei Beuerberg von Seiten des Pfarrgemeinderates organisiert und gebetet.
Nachdem dieser heuer am 3. April ausfällt, wäre es doch für alle Besucher unserer Homepage eine schöne Gelegenheit, diesen zu Hause vor dem eigenen Kreuz in der Wohnung oder im Haus mit der Familie zu beten. Dazu finden sie im neuen Gotteslob eine ansprechende Kreuzwegandacht (GL 683).

Tragen wir unsere Sorgen vor Gott, weil er ein Gott des Mitgehens ist.

23. März: Daheim bleiben

Liebe Freunde unseres Pfarrverbandes und unserer Homepage,

wer in diesen Tagen vor dem Fernseher sitzt, liest bei jeder Sendung im Bayerischen Rundfunk (BR) rechts oben eingeblendet: "daheim bleiben".

Wie wir am Aschermittwoch die Fastenzeit begonnen haben, ahnte noch niemand von uns, was für eine schwere Zeit auf uns alle (weltweit) zukommen wird. All die Sachen, auf die ich in der Fastenzeit verzichten wollte, sind mehr oder weniger ausgesetzt. Es ist für uns alle jetzt ein ganz anderes und vielmehr zwangsauferlegtes Fasten geworden. Die freie Bewegung, ebenso die sozialen Kontakte und die Freundschaften sind eingeschränkt. Für unsere Beziehungen sind wir in der Regel auf das Telefon und Internet reduziert worden.

In einigen Telefongesprächen habe ich auch von den Sorgen und Ängsten der Menschen erfahren. Wir fasten notgezwungen auch am Vertrauen, an der Sicherheit und vielleicht auch an der Hoffnung. Ja, wir fasten jetzt sogar an der Eucharistie, indem wir die Gottesdienste zu Hause oder am Fernsehen mitbeten und mitfeiern. Es gibt aber auch die Form der geistlichen Kommunion, eben dann, wenn wir daran nicht aktiv teilnehmen können.

Ich persönlich bin dankbar, dass wir ein gutes Gesundheitssystem, eine stabile Regierung und gute Politiker haben, die mutig die richtigen Entscheidungen treffen.

Als am Sonntag um 9.55 Uhr bis kurz vor 10 Uhr die Glocken unserer schönen Gotteshäuser geläutet haben, spürte ich so ganz intensiv was mir fehlt. Viele sagen am Telefon, das hat es noch nie gegeben.
"Daheim bleiben" steht beim BR zu lesen. Wo ist mein "Daheim"? Sind es nur die vier Wände meiner Wohnung? Nein, auch unsere Kirchen, Begegnungsstätten, Familien, Vereine usw. sind für uns "Daheim". Wir bleiben daheim in unseren vier Wänden, weil es wichtig und richtig ist, dieser Anordnung Folge zu leisten, aber wir spüren auch, auf was wir so schmerzlich verzichten müssen.

Noch nie war mir der Römerbrief so vertraut, wie jetzt aktuell, wo es im Kapitel 8, 37 - 39 heißt: "Doch all das überwinden wir durch den, der uns geliebt hat. Denn ich bin gewiss: Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Gewalten der Höhe oder Tiefe noch irgendeine andere Kreatur können uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn."

Ich schließe Sie alle in mein persönliches Gebet mit ein und erbitte für Sie den Segen Gottes!
Behüte und begleite uns Gott durch diese schwierige Zeit.

Ihr Pfarrer Mario Friedl