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Pfarrverband Mariahilf - St.Franziskus

Auferstehung hat einen Namen

Zum Autor des folgenden Beitrags: Hermann-Josef Venetz ist emeritierter Professor für neutestamentliche Exegese und Theologie der Universität Freiburg i. Ue. - Er war lange Jahre Zentralpräsident des Schweizerischen Katholischen Bibelwerks. Der Text – hier in leicht gekürzter Fassung – findet sich in seinem Büchlein ´Worte fürs Leben. Ein biblischer Notiz-Blog´, Luzern 2014, S. 74/75

Als das Volk Israel im babylonischen Exil war (587-538 v. Chr.), kam es sich vor als wäre es gestorben. Aus der Traum vom auserwählten Volk, der Tempel in Schutt und Asche, das Land von fremden Truppen besetzt, der Thron Davids verwaist, die Geschichte Gottes mit den Menschen zu Ende. Aus der Traum vom liebenden Gott?
Da gab es jemand, der unbeirrt neu zu träumen anfing: der Prophet Ezechiel. Vom wunderschönen Traum, den er hatte, will ich nur zurückbehalten, was Gott zu ihm sprach:
Ich öffne eure Gräber und hole euch, mein Volk, aus euren Gräbern herauf. Ich bringe euch zurück ins Land Israel. Wenn ich eure Gräber öffne und euch, mein Volk, aus euren Gräbern heraufhole, dann werdet ihr erkennen, dass ich Jahwe, der Ich-bin-da bin. Ich hauche euch meinen Geist ein, und ihr werdet lebendig. (Ezechiel 37,12-14)
Wie sollte man denn von Gott (…) anders reden als in Bildern und Gleichnissen und Träumen und Visionen? (…)
Das Johannesevangelium erzählt im 11. Kapitel von einer gelehrten Diskussion zwischen Jesus und Marta, der Schwester des verstorbenen Lazarus. Jesus sagt ihr: Dein Bruder wird auferstehen. Wie sollte er es denn anders sagen als mit diesem Bild vom Aufstehen, Auferstehen…? Aber für Marta sind das die gleichen Spekulationen, die sie bei ihren Lehrern diskutiert hatte: Ich weiß – man beachte: sie weiß es; man hat es ihr offenbar beigebracht – ich weiß, dass er auferstehen wird bei der Auferstehung am Jüngsten Tag. Aber ganz offensichtlich ist ihr dieses „Wissen“ kein Trost. Was sie weiß, ist langweilig: sie „weiß“ es ja.
Für mich gibt es in der Bibel kein befreienderes Wort als das, was Jesus der Marta antwortet: Ich bin die Auferstehung. Es bringt alle meine Spekulationen und Fragen und Besserwisserei bezüglich meiner Zukunft, meines Sterbens und eines Lebens nach dem Tod zu einem glücklichen Schweigen. Die Auferstehung, meine Zukunft, ist nicht eine Theorie, nicht ein selbstverständlicher Glaubenssatz.
Meine Zukunft, mein Sterben, mein Leben nach dem Tod hat einen Namen. Das genügt mir.