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Pfarrverband Mariahilf - St.Franziskus

Gedichte zum Tage Frau Dr. Unger aus Franziskus, Dichterin und Trägerin des Nikolaus-Lenau-Preises für Posie 2019

MARIA VON MAGDALA
 
Heimlich ging sie,
ging zum Grab im Garten,
nachts vor jenem
nicht mehr ersehnten
Morgenrot,
das Salbgefäß
versteckt im Faltenwurf,
mit Tränen
ging sie schweren Schritts
dorthin,
wo ER begraben lag und
ihre erste, ihre letzte
Hoffnung erstickt
in Seinem Tod.
 
Fort war der Stein,
die Grabeshöhle leer.                        
Da teilt ein Licht, erst karg,
dann wachsend, 
die Dunkelheit.
Ein Mann tritt vor sie hin,
blickt ernst
die Fremde an und fragt:
Was weint ihr, Frau?-
Und sie: Wo ist mein Herr?
Wohin habt ihr ihn fortgetragen?
 
ER blickt ihr  fernnah
in die Augen,                                    
Sein  Hauch treibt ihr
die Schatten vom Gesicht,
wärmt ihre Haut,
trocknet die Tränen,
Sein Blut
durchpulst ihr Herz.
MARIA!
Da fällt es ihr wie Schuppen von
den Augen, die weiten sich
und glühen.
RABBUNI!
DU bist es, kein Anderer
als DU!                                             
 
Und sehnend streckt sie
beide Hände Ihm entgegen,
will  Seine Hand ergreifen.
Doch ER berührt nicht
ihre Hand. Es bleibt ein
Spalt, ach eine Handbreit nur,
unüberbrückbar
eine Spanne
zwischen Ihm und ihr.
Rühr mich nicht an, Maria!
halt mich
nicht fest!
Durfte sie früher nicht
ihm Haupt und Füße salben,
ihr Haar ihm
um die Schulter legen,
umarmte ER sie nicht,
wenn sie sich trafen,
Meister und Jüngerin,
Freundin und Freund?
 
Jetzt aber klingt, was einst
vertraut, prophetisch ernst:
Ich steig erst auf zu  Meinem Vater
und zu eurem. Halt mich nicht fest!
Geh hin und sag dies deinen Brüdern!
Da weicht der Schmerz, 
leicht bläst ER ihr die Glut
ins aschene Herz.
Sie eilt mit roten Wangen,
atmet frei, voll Freude 
ruft  von weitem schon
die Botschaft, sie, die Ersterwählte.
Die Jünger hören, staunen,
folgen dieser Frau
und eilen, das Unerhörte
selbst zu sehen.
 
 
Helga Unger

EMMAUS
 
 
Weit, weit weg
von der Schädelstatt,
wo die Leiber hingen   
der ans Kreuz Gehängten,
flüchten zwei ins Ungeheure.
Schweigestein verschließt
ihr Herz,
Nebelschleier
halten ihre Augen
 
Da erscheint ein Fremder.
Funken schlägt
Seine Stimme
aus dem Abgrund ihrer Trauer.
Er durchreißt den Schleier
ihres Unverstandes,
mit dem Lichtpfeil
deutet sternklar
Er die Worte
der Propheten,
brennt ihnen die Schrift
ins Herz.
 
Und die beiden          
drängen ihn zu bleiben.
Der zum Mahl Geladene
bricht ihnen das Brot
und sie erkennen.
Die Geflohenen kehren
geistverwandelt um
zu ihren Freunden,
teilen nach der Klage
in dem Tanz der Freude
jetzt ihr einzigartiges Geheimnis.
 
Helga Unger