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Pfarrverband Mariahilf - St.Franziskus

Gedanken zum Evangelium des 2. Sonntags der Osterzeit Diakon Heil

Liebe Leser*innen,

der Apostel Thomas spielt im Evangelium des 2. Sonntags der Osterzeit (Joh. 20, 19-31) eine wichtige Rolle. Doch das hat ihm keinen guten Ruf eingebracht. Er wird meist als der Ungläubige oder der Zweifler bezeichnet. Oft steht er als negatives Beispiel da, wie der Mensch mit dem Glauben nicht umgehen soll.
Doch Zweifel ist grundsätzlich nicht mit Unglaube gleichzusetzen. Der Apostel Thomas gehört zu den Menschen, die sich bis zu den Grundfesten des Lebens durchfragen. Er vertraut nicht blind den Worten seiner Freunde. Er macht sich seine Glaubensentscheidung nicht leicht. Er will selbst dem auferstandenen Jesus begegnen. Thomas möchte selbst erfahren, dass die Worte Jesu auch nach seinem Tod Gültigkeit besitzen.
Aber wie können wir heute mit Jesus in Berührung kommen, besonders in diesen Zeiten? Dafür bieten sich verschiedene Möglichkeiten an:  Das Lesen der Heiligen Schrift; ein Gespräch über den Glauben in der Familie; Gottesdienstangebote in den sozialen Medien; das Gebet. Auch wenn Jesu Botschaft von der Liebe und Güte Gottes im Alltag gelebt wird, kann er selbst erfahren werden. Das geschieht, wenn Menschen sich für andere einsetzen, wenn sie im Umgang miteinander verbindlich und wertschätzend sind, wenn sie redlich um die besten Lösungen für ein Problem ringen und dabei niemand an den Rand drängen. Sogar Menschen, die trotz Krankheit oder Leid Gelassenheit, Zuversicht und Hoffnung ausstrahlen, machen Jesus mitten im Alltag erfahrbar. Das Zeugnis eines christlichen Lebens ist oftmals wichtiger, als angelernte Glaubensinhalte. Thomas ist dafür ein Beispiel. Schade eigentlich, dass er oft nur der Zweifler genannt wird.
Ich möchte Ihnen in diesem Zusammenhang von einer Kirchenbesichtigung im Freiburger Münster erzählen: An den Pfeilern im Mittelschiff ist jeweils eine Apostelfigur angebracht. Das ist ein Symbol dafür, dass die Apostel die Säulen der Kirche genannt werden. Doch es gibt vierzehn Pfeiler in der großen Kirche. Den dreizehnten Pfeiler ziert eine Figur des Völkerapostels Paulus und am vierzehnten ist eine Christusfigur angebracht. Das ist soweit nicht ungewöhnlich. Auffällig aber ist die Anordnung der Apostel: Nicht etwa Petrus oder der Lieblingsjünger Johannes oder die ersterwählten Apostel sind dem Altar am Nächsten. Vielmehr schmückt der Zweifler genannte Apostel Thomas den Pfeiler ganz in der Nähe des Altares. Er steht genau gegenüber der Christusfigur. Er schaut direkt auf Jesus. Thomas sieht die Wunden des Gekreuzigten und darf seine Hand nach ihm ausstrecken. In diesem gotischen Dom steht Thomas wie auf einem Ehrenplatz.
Für mich ist das ist eine Predigt ohne Worte. Sie will sagen: Jeder Mensch darf Bedenken haben, unsicher sein, an der gegenwärtigen Situation leiden. Und er darf dabei auf Thomas schauen und auf seine Art mit Zweifeln umzugehen. Jeder Mensch darf auch die hoffnungsvollen Jesus-Worte hören: „Streck deine Hand aus“ (Joh. 20, 27). Das bedeutet: Komm her zu mir, auch wenn du noch zweifelst. Wenn du in deinen Zweifeln ehrlich nach mir suchst, bist du mir schon ganz nahe; dann kannst du mich finden, denn ich bin schon da. Ich will deinen Glauben stärken.
Auch wenn an diesem Sonntag wieder kein Gottesdienst stattfinden kann sind Sie herzlich eingeladen, in unsere Kirchen hinein zu schauen und sich von Gott im Glauben stärken zu lassen.