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Pfarrverband Mariahilf - St.Franziskus

Gedanken zum Gründonnerstag Diakon Ernst Heil

Liebe Leser*innen,
 
„Was habe ich davon?“, sie haben diese Frage sicher schon öfter gehört oder vielleicht sich selbst gestellt: In der Familie, der Nachbarschaft, am Arbeitsplatz, immer wenn ich eine besondere Aufgabe übernehme, wenn ich etwas tue, das nicht leicht ist, das mich sogar belastet – dann muss es sich doch lohnen.
Jesus sagt im Johannesevangelium etwas anderes. „Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, was ich an euch gehandelt habe.“ (Joh. 13, 15) Dieses Wort begleitet einen Dienst, den Jesus seinen engsten Freunden in der Nacht vor seinem Tod erweist. Er wäscht ihnen die Füße; er wäscht ihnen den Staub der Straße, des Alltags, die Last ab. Jesus tut das ganz aus sich selbst heraus. Er, der Herr und Meister, der Sohn Gottes, beugt sich nieder. Keine Frage: Was habe ich davon? Mit einem großartigen Zeichen umschreibt Jesus damit seine Botschaft. In diesem Zeichen spiegelt sich die Sendung seines ganzen irdischen Lebens. In der folgenden Nacht soll sich bewahrheiten, wie ernst er es damit meint. Er geht den Weg durch Spott, Hohn und Schmerzen zum Kreuz, in den Tod.
Petrus erhebt Einspruch gegen diesen Dienst des Meisters. „Niemals sollst du mir die Füße waschen!“ (Joh. 13, 8a) „Dann“, so entgegnet Jesus, „hast du keine Gemeinschaft mit mir.“ (nach Joh. 13, 8b)  Das gibt Petrus dann doch zu denken, auch wenn er sicher noch nicht ganz versteht, was da geschieht. Für Jesus ist es wichtig, dass Petrus und die anderen Jünger es geschehen lassen. Jesus will ihnen einen Weg ebnen, der hineinführt in das Geheimnis seines Lebens – und seines Sterbens.
Die Worte des Herrn sind die Brücke zum zweiten Geheimnis dieses Gründonnerstags: die Einsetzung der Eucharistie. Jesus verschenkt seinen Leib und sein Blut; er gibt damit alles, sein ganzes Leben. Und es ist, als sagte er: Lass auch dies mit dir geschehen. Dann wirst du Anteil haben an meinem Leben, an meiner Sendung. Lass es aber auch geschehen, dass du dich für das Leben anderer verzehren lässt, dass du dein Leben einsetzt für andere. Lass es zu, dass dich die Not des Mitmenschen anrührt und zu tätiger Hilfe ermuntert. Lass es zu, dass dich die anderen brauchen und ein Stück deiner Lebenskraft verbrauchen. Lass dich anrühren von der Hilfsbedürftigkeit eines in der Nachbarschaft lebenden Mitmenschen, von den Gebrechen des Alters eines Familienangehörigen, von der Unerfahrenheit, Euphorie und vom Lebenswillen junger Menschen, von der Vertrauensseligkeit und Unbekümmertheit eines Kindes. Lass dich anrühren und zu helfender Tat führen, wo immer du gebraucht wirst, wo immer dich ein Mitmensch um Hilfe bittet.
„Wer dieses Brot genommen, soll selber sein wie Brot. So lässt er sich verzehren von aller Menschen Not“, so heißt es in einem Lied. Es fasst in wenigen Worten zusammen, was uns Jesus zu seinem Gedächtnis übergeben hat, was er durch sein Beispiel uns gezeigt hat. Auch wenn wir in diesem Jahr dieses Brot des Lebens und den Kelch des Heiles nicht gereicht bekommen können. Wir werden IHN wieder empfangen dürfen, damit wir von IHM Lebenskraft und Lebensgeist erhalten. Durch seinen Geist ist er uns dennoch nahe und hilft uns.
Das Geheimnis der Kartage will die Frage „Was habe ich davon?“ aus dem Denken und Sprechen verbannen und dazu anleiten, alle Zurückhaltung aufzugeben, weil er, Jesus, wirklich alles gegeben hat: Sein Leib, sein Blut, sein Leben – sich selbst. Er will mich durch sein Beispiel ermutigen und stärken, so zu handeln wie er. Sein Dienst, sein Dienen kann und soll auch zu meinem Lebensprogramm werden, damit die Mitmenschen sehen, dass ich sein*e Jünger*in bin.

Ernst Heil, Diakon