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Pfarrverband Mariahilf - St.Franziskus

Jesus versteht die Menschen, er kann sie alle brauchen Diakon Ernst Heil

Aus dem Lukas-Evangelium: (Lk. 22, 32-34.54-62)
In jener Zeit sprach Jesus zu Petrus: Simon, Simon, der Satan hat verlangt, dass er euch wie Weizen sieben darf. Ich aber habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht erlischt. Und wenn du wieder umgekehrt bist, dann stärke deine Brüder. Darauf sagte Petrus zu ihm: Herr, ich bin bereit, mit dir sogar ins Gefängnis und in den Tod zu gehen. Jesus aber sagte: Ich sage dir, Petrus, ehe heute der Hahn kräht, wirst du dreimal leugnen, mich zu kennen.
Darauf nahmen sie Jesus fest, führten ihn ab und brachten ihn in das Haus des Hohepriesters. Petrus folgte von Weitem. Mitten im Hof hatte man ein Feuer angezündet und Petrus setzte sich zu den Leuten, die dort beieinandersaßen. Eine Magd sah ihn am Feuer sitzen, schaute ihn genau an und sagte: Der war auch mit ihm zusammen. Petrus aber leugnete es und sagte: Frau, ich kenne ihn nicht. Kurz danach sah ihn ein anderer und bemerkte: Du gehörst auch zu ihnen. Petrus aber sagte: Nein, Mensch, ich nicht! Etwa eine Stunde später behauptete wieder einer: Wahrhaftig, der war auch mit ihm zusammen; er ist doch auch ein Galiläer. Petrus aber erwiderte: Mensch, ich weiß nicht, wovon du sprichst. Im gleichen Augenblick, noch während er redete, krähte ein Hahn. Da wandte sich der Herr um und blickte Petrus an. Und Petrus erinnerte sich an das Wort, das der Herr zu ihm gesagt hatte: Ehe heute der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen. Und er ging hinaus und weinte bitterlich.
(Text: Die Bibel, Einheitsübersetzung, Verlag KBW, Stuttgart 2017)
 
Gedanken zum Evangelien-Text:
Damit Gott mich brauchen kann, muss ich ganz vollkommen sein; das meinen viele Menschen. Doch das stimmt so nicht. Das beste Beispiel dafür ist der Apostel Petrus.
Es ist sicher kein Zufall, dass die Bibel neben den Stärken dieses Mannes auch von seinen Schwächen berichtet. Das können Sie im vorangestellten Text aus dem Lukasevangelium lesen. Petrus verspricht dem Jesus, dem Herrn, Treue bis in den Tod. Doch schon kurz darauf ist er voller Angst und verleugnet ihn.
Dieser Petrus ist also alles andere als ein vollkommener Mensch. Vielmehr ist er aufbrausend, großsprecherisch um dann doch ganz schnell wieder kleinlaut und ängstlich zu sein. Trotzdem kann ihn Jesus brauchen. Er nimmt ihn in seinen Dienst. Sicher ist Jesus eine andere Eigenschaft des Petrus aufgefallen und die ist Jesus viel wichtiger: Petrus liebt seinen Herrn. Er vertraut ihm. Er setzt seine ganze Hoffnung auf ihn. Darum kann Petrus auch seine Schwächen und Fehler zugeben und bereuen. Das aber ist zugleich die Chance des Petrus. Denn Jesus braucht nicht seine Stärke, sondern sein Herz. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Die Fähigkeiten eines jeden Menschen sind manchmal unzureichend. Fehler und Schwächen stehen dann immer wieder Weg. Aber darauf kommt es letztlich nicht an. Entscheidend ist das Herz des Menschen. Auf das Herz möchte Jesus nicht verzichten.
Darum dürfen Sie, liebe Leser*innen, ganz und gar auf Jesus vertrauen. Sie dürfen mit den Fehlern und Schwächen, mit den Ängsten und dem Ärger zu ihm kommen. Jesus ist immer bereit, Sie anzuhören und anzunehmen.
Jesus kann also nicht nur damals den Petrus mit seinen Fehlern und Schwächen brauchen. Auch heute ist ihm jeder Mensch wertvoll, der sich auf ihn einlässt, der sich auf ihn verlässt, der sich von ihm annehmen und umwandeln lässt. Darauf dürfen Sie felsenfest vertrauen.
Und darum stehen auch die Kirchen in diesen Tagen offen, selbst wenn keine Gottesdienste stattfinden können. Kommen Sie doch mal vorbei und wenden Sie sich an IHN.
 
Die folgenden Zeilen führen diese Gedanken weiter:
Nur einen Augenblick trafen sich die Augen:
von Petrus – dem Verleugner
und Jesus, dem Verleugneten.
 
Es dürften Blicke gewesen sein,
aus denen Bände gesprochen haben.
Petrus: „Ob du mich verstehst, Herr? –
Das wollte ich doch gar nicht!“
Und Jesus?
 
Ich kann mir nicht vorstellen,
dass sein Blick nur Enttäuschung ausdrückte
oder gar einen Vorwurf.
 
Ich glaube vielmehr, dass Jesu Blick sagte:
„Ich weiß! Ich kann dich verstehen.
Lass deinen Kopf nicht hängen!
Lerne aus dem Geschehenen.
Und vergiss nicht:
Deine Schwestern und Brüder warten auf dich,
du musst sie stärken.
Ich verspreche dir:
Ich bin dein Fürsprecher
beim Vater im Himmel.“
 
(nach Heribert Arens: „Gott du bist so menschlich“ S. 115; Verlag J. Pfeiffer, München 1982)