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Pfarrverband Mariahilf - St.Franziskus

Gedanken zum Ostermontag Diakon Ernst Heil

Evangelium: Lk. 24, 13-35 – Die Jünger auf dem Weg nach Emmaus
 
Liebe Leser*innen,
die Geschichte von den Emmausjüngern spricht an. Sie erzählt etwas vom Menschsein. Auch unsere Hoffnungen gehen oft nicht in Erfüllung. Auch wir sind dann enttäuscht, traurig, vielleicht verzweifelt oder sogar verärgert. Das erleben wir ja gerade in diesen schwierigen Wochen.
Die beiden Emmausjünger haben in einer ähnlich trostlosen Lage Trost und Hilfe erfahren. So wie sie damals, hätten wir es sicher auch gern. Doch bei uns ist vieles anders. Denn so wie einst geht es nicht mehr. Emmaus ist unwiederbringlich vorbei. Der Traum ist aus. Deshalb fühlen wir uns vielleicht alleingelassen. Gibt es wirklich keine Hoffnung mehr? Sind wir verlassen, auch von Gott?
Wenn wir so denken, sind wir eigentlich schon mitten drin in der Erzählung von den Emmausjüngern. Wir sind keine Zuschauer mehr sondern Betroffene. Wir sind die Emmausjünger*innen. Darin liegt unsere Chance. Unsere Situation kann den Blick frei machen für den, der sich uns unbemerkt anschließt.
Wer ist es, der da einfach hinzukommt und mitgeht? Er macht keine großen Erklärungen. Er weiß nichts besser, obwohl er es durchaus besser wüsste. Er hört zu, hört die Trostlosigkeit, die Unsicherheit, den Verdruss, den Ärger. Sein erstes Wort ist eine Frage: „Worüber redet ihr?" (siehe Lk. 24, 17) Er will es genauer wissen. er möchte erfahren, welche Hoffnung zugrunde gegangen ist, was der Grund der Trostlosigkeit ist. Er weiß, nur dem*der ist wirklich zu helfen, der*die seine*ihre Not ausspricht, der*die sagt, wo ihn*ihr der Schuh drückt.
Wo das geschieht, dort kann Jesus eingreifen; dort können seine klärenden Worte der Hoffnung auf fruchtbaren Boden fallen. Dann erfahren wir: Da ist jemand, der uns nicht allein lässt mit unserer verwundeten Hoffnung. Er vermittelt zwar keine Patentrezepte, aber er hält sich auch nicht heraus. Er sagt, wo es lang gehen kann.
Seine Gegenwart, sein Bei-uns-Bleiben dürfen wir erbitten. Wir dürfen ihn drängen, zu bleiben. So dürfen auch wir beten: „Bleibe bei uns Herr!" (siehe Lk. 24, 29) Wenn sein Bleiben erbeten wird, wenn seine Gegenwart erwünscht ist, gibt ER sich zu erkennen. In seinem Wort und in seinen Gesten wird ER erfahrbar. Und doch bleibt seine Nähe und Gegenwart unverfügbar. ER lässt sich nicht festhalten.
Die Erfahrung lehrt, ein Mensch, der festhält kann nicht mehr so einfach aufbrechen; kann nicht erzählen, wie es war, als ER mitging, Fragen stellte, Trostworte sprach und sich zu erkennen gab. Das aber gehört dazu. Denn das ist der Osterglauben: Zu erzählen, dass da einer ist, der mit uns geht, der unsere Nöte und Ängste, unsere Zweifel und Unsicherheit erfragt, sie durch seine Worte ertragbar macht; dass da einer ist, dessen Bleiben wir erbitten dürfen, der sich dann zu erkennen gibt. „Ich möcht‘, dass einer mit mir geht, der’s Leben kennt, der mich versteht, der mich zu allen Zeiten kann geleiten. Ich möcht‘, dass einer mit mir geht. Sie nennen ihn den Herren Christ, der durch den Tod gegangen ist; er will durch Leid und Freuden mich geleiten. Ich möcht‘, dass er auch mit mir geht.“ (Hanns Köhler 1964; Evangelisches Gesangbuch – Ausgabe für die Evangelisch-Lutherischen Kirchen in Bayern und Thüringen)
Das ist Emmaus. Das ist eine Geschichte auch unserer Hoffnung. Wir Menschen sind nicht allein gelassen mit der Last des Lebens. Jesus geht mit, trägt mit und hilft. Denn ER ist der Lebende, der den Tod überwunden hat. Dies zu erfahren auf dem eigenen Lebensweg – das ist die Hoffnung, derentwegen Ostermontag die Erzählung von Emmaus gelesen wird. Sie sind eingeladen, diesen Abschnitt in der Bibel zu lesen.
 
Gebet: Herr, bleib‘ bei uns
Bleibe bei uns, Herr,
in der Unsicherheit dieser Tage,                    
in den vielen Fragen, die uns quälen,
in den Ängsten, die uns umtreiben,
im Alleinsein und in der ‚fernen‘ Nähe.
Bleibe bei uns und bei deiner ganzen Kirche.
Bleibe bei uns,
am Abend des Tages,
am Abend des Lebens,
am Abend der Welt.
Bleibe bei uns
mit deiner Gnade und Güte,
mit deinem tröstenden Wort und deinem Segen.
Bleibe bei uns,
wenn über uns kommt
die Nacht des Zweifels und der Frage:
„Bist du noch da, Gott?“
Bleibe bei uns
und bei allen Menschen in dieser Zeit
und in Ewigkeit.
 
nach GL 11, 5 (Georg Christian Diefenbach 1822-1901)
 
(Gedanken von Diakon E. Heil)