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Pfarrverband Mariahilf - St.Franziskus

Gedanken unserer Seelsorger zum 4. Fastensonntag

Aktuelle Sonntagspredigt vom 4. Fastensonntag 22.03.2020 Laetare ( 1.Sam16,1b-7,10-13b, Eph.5,8-14, Joh.9,1-41)

“ Einst wart ihr Finsternis, jetzt aber seid ihr Licht im Herrn. Lebt als Kinder des Lichts.“ ( Eph.5,8)

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben, liebe Leserinnen und Leser, am Samstag den 21.März feiern wir die Frühjahrssonnenwende, Tag und Nachtgleiche, da wo das Licht gefeiert wird, dass endlich die Dunkelheit des Winters verabschiedet. Die Natur beginnt mit einem neuen Zyklus des Lebens.

Morgens um 3.30 Uhr , die Frühaufsteher haben es schon mitbekommen, beginnen  die Vögel  draußen mit ihrem fröhlichen Gezwitscher den neuen Tag, machen sich auf Paarsuche, um gemeinsam jetzt ein Nest für den neuen Nachwuchs zu bauen. Krokusse sprießen überall, die Forsythien zeigen ihr leuchtendes Gelb und Hornveilchen, Stiefmütterchen und Narzissen schmücken unsere Balkone und Gärten. Die Sonne hat schon wärmende Kraft und alle atmen auf, denn der Winter ist vorbei. Die Tage werden länger jetzt schon bis 18.45 / 19.00 Uhr, wundervoll!

Normalerweise zieht es uns jetzt in die Eisdiele auf das erste Freilufteis, zum gemütlichen Mittagessen im Biergarten, raus in die Natur und Sonne tanken. Die Geschäfte sind üppig gefüllt wie jedes Jahr mit der neuen Frühjahrs-und Sommerkollektion. Wir können es gar nicht erwarten wieder leichtere Kleidung zu tragen. Überall finden wir die bunte Osterdekoration, die auf das nahende Osterfest hinweisen möchte.

Neues Leben erwacht, das ist deutlich zu spüren.
Doch unsere Tage sind getrübt. Angst breitet sich überall aus, und das weltweit.

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber an Normalität ist trotz des schönen Wetters nicht zu denken. Leere Innenstädte, geschlossene Geschäfte, kein Glockengeläut zum Gottesdienst, ungewöhnliche Ruhe, leere  Regale in den Supermärkten.

Absolut unwirklich und doch total real.

Der Blick nach Italien und Österreich macht uns traurig und ohnmächtig angesichts des Leids so vieler Menschen. Da vergehen mir die Frühlingsgefühle aber so dermaßen.

Papst Franziskus allein in menschenleeren Straßen in Rom, betend ein Hoffnungszeichen das wir mehr denn je brauchen.

Traurige Wirklichkeiten von Tod und Sterben ganz nah. Viele bleiben zu Hause, was wohl auch der richtigen Verantwortung entspringt, der Ansteckungsgefahr vorbeugen, körperliche Nähe meiden, die Verbreitung des Virus eindämmen.

Manche sind immer noch blind, verharmlosen, was andernorts längst traurigste Realität ist.

In diese skurrile Zeit hinein, hören wir am heutigen Sonntag das Wort des Paulus an die Gemeinde von Ephesus. „ Einst wart ihr Finsternis. Jetzt seid ihr Licht im Herrn. Lebt als Kinder des Lichts.“ ( Eph.5,8)

Mir macht dieses Pauluswort Mut, zeigt es mir doch deutlich vor Augen, dass ich ehr bin als meine Angst, dass ich mehr bin als meine Unsicherheit und Existenzangst, dass ich mehr bin als meine Sorgen um das, wie es weitergeht.

Ich bin ein Kind des Lichts.
Was aber bedeutet das für uns im Hier und Jetzt am 22.03.2020 zur Corona Krise?

Der Evangelist Johannes kann uns darauf mit seinem Evangelium des heutigen 4. Fastensonntages  einer Antwort näher bringen.

Ein blind geborener Mensch wird durch Jesus wieder sehend. Ein Blinder wird das Licht sehen, das Licht Gottes in den Augen von Jesus, der von sich selbst sagt, er sei der Menschensohn, der die Liebe und Gegenwart Gottes anfassbar macht.

Jesus verreibt Erde und Speichel zu einem Brei und streicht sie dem Blinden auf die Augen. Dieser soll sich im Teich Shiloach waschen gehen.

Shiloach heißt übersetzt „ der Gesandte“ und kommt daher dass das Wasser, das in einem Becken am unteren Ende der alten Davidstadt zusammenfloss.

Ein Hinweis auf den zukünftigen König David, der von Samuel als der Gesandt gesalbt wird. Johannes schlägt hier den Bogen zu Jesus, den von Gott Gesandten und offenbart eine echte Glaubensgeschichte. Der blind Geborene wird sehend, er erkennt in Jesus das Licht Gottes, den Menschensohn, der die Augen und vor allem das Herz der Menschen wieder neu öffnet für den Gott der Liebe und des Lebens.

Auch uns werden in diesen Tagen die Augen geöffnet, dahin, wahrzunehmen, wie es um unsere Gesellschaft hier in Deutschland verbunden mit Europa und der Ganzen Welt bestellt ist. Es wird sich in den kommenden 2 Wochen zeigen, wer hier bei uns wirklich Verantwortung übernimmt, für seine eigene und die Gesundheit der anderen. Es wird sich zeigen, wie solidarisch wir miteinander umgehen und wo Menschen nach wie vor in ihrer ICH AG verharren.

Uns werden jetzt die Augen geöffnet dafür, wie zerbrechlich unsere Gesundheit, das soziale Leben und die Wirtschaft sind. Uns wird ganz klar gezeigt, dass wir eben nicht alles in der Hand haben und kontrollieren können. Uns wird gezeigt, wie blind wir uns in vermeintlicher Sicherheit wähnen weil wir uns am falschen festhalten, das ist so wie ein Haus auf Sand statt auf festen Boden bauen.

„ Einst wart ihr Finsternis, jetzt seid ihr Licht im Herrn. Lebt als Kinder des Lichts.“ Das Pauluswort will uns trösten, sich jetzt nicht von der Flut an Informationen und Fake News verrückt machen zu lassen, sich nicht durch Menschen, die die Situation ausnutzen ausbluten zu lassen, sondern glasklar in der Gegenwart präsent zu sein.  Mich sehr wohl informieren, was ich jetzt zum Wohle aller tun kann, mein Bestes geben trotz widriger Umstände, kreativ werden und mit der Situation mit kühlem Kopf umgehen.
Mich auch trotzdem dem Himmel öffnen, dem Licht Gottes, das auch heute Wunder in unserer Welt und Zeit geschehen lässt, wo Menschen wirklich für andere da sind und nicht vorbeischauen an der Not und Angst, dem Leid der anderen. Jetzt heißt es wirklich als Kinder des Lichts zu leben und zu agieren und geben wir nicht unserem Egoismus und der persönlichen Gier nach. Nehmen wir unsere Ängste war, aber seien wir nicht unsere Ängste. Richten wir bewusst auch jetzt den Blick nach innen, an den Ort, wo Gott in uns wohnt, ein Ort der ganz still und heil und hell ist. Ein Ort, an dem ich geliebt bin schon immer. Lassen sie uns den Satz schmecken: „ Jetzt seid ihr Licht im Herrn“.

Lassen wir dieses Licht strahlen durch unser aktives Tun und Sein. Die Welt braucht es grad mehr denn je.
 
Ihre Alexandra Scheifers ( Seelsorgerin im PV Mariahilf, St. Franziskus)


4. Fastensonntag, Lesejahr A, 2020

Evangelium: Joh. 9, 1-3.6-9.13-17.34-38
In jener Zeit sah Jesus unterwegs einen Mann, der seit seiner Geburt blind war. Da fragten ihn seine Jünger: Rabbi, wer hat gesündigt? Er selbst? Ober haben seine Eltern gesündigt, sodass er blind geboren wurde? Jesus antwortete: Weder er noch seine Eltern haben gesündigt, sondern das Wirken Gottes soll an ihm offenbar werden.
Als er dies gesagt hatte, spuckte er auf die Erde; dann machte er mit dem Speichel einen Teig, strich ihn dem Blinden auf die Augen und sagte zu ihm: Geh und wasch dich in dem Teich Schiloach! Schiloach heißt übersetzt: Der Gesandte. Der Mann ging fort und wusch sich. Und als er zurückkam, konnte er sehen.
Die Nachbarn und andere, die ihn früher als Bettler gesehen hatten, sagten: Ist das nicht der Mann, der dasaß und bettelte? Einige sagten: Er ist es. Andere meinten: Nein, er sieht ihm nur ähnlich. Er selbst aber sagte: Ich bin es.
Da brachten sie den Mann, der blind gewesen war, zu den Pharisäern. Es war aber Sabbat an dem Tag, als Jesus den Teig gemacht und ihm die Augen geöffnet hatte.
Auch die Pharisäer fragten ihn, wie er sehend geworden sei. Der Mann antwortete ihnen: Er legte mir einen Teig auf die Augen; dann wusch ich mich und jetzt sehe ich.
Einige der Pharisäer sagten: Dieser Mensch ist nicht von Gott, weil er den Sabbat nicht hält. Andere aber sagten: Wie kann ein sündiger Mensch solche Zeichen tun? So entstand eine Spaltung unter ihnen. Da fragten sie den Blinden noch einmal: Was sagst du selbst über ihn? Er hat doch deine Augen geöffnet. Der Mann antwortete: Er ist ein Prophet.
Sie entgegneten ihm: Du bist ganz und gar in Sünden geboren und du willst uns belehren? Und sie stießen ihn hinaus. Jesus hörte, dass sie ihn hinausgestoßen hatten, und als er ihn traf, sagte er zu ihm: Glaubst du an den Menschensohn? D antwortete jener und sagte: Wer ist das, Herr? (Sag es mir,) damit ich an ihn glaube. Jesus sagte zu ihm: Du hast ihn bereits gesehen; er, der mit dir redet, ist es. Er aber sagte: Ich glaube, Herr! Und er warf sich vor ihm nieder.
(Einheitsübersetzung der Hl. Schrift, aus Schott Messbuch für die Sonn- und Festtage des Lesejahres A, Verlag Herder, Freiburg im Breisgau, 2019)
Liebe Leser*innen,
 
ich kann mir vorstellen, dass der Geheilte an diesem Abend noch lange kein Auge zumachen konnte. Zuviel hatte er mit ansehen müssen, seit er sehend geworden war. Nicht nur Gutes, mehr noch Schlechtes und Erschreckendes: Mit freundlichen Gesicht wurden die übelsten Sachen gesagt; hinter vorgehaltener Hand wurde gelogen und verleumdet; die Starken machten die Schwachen fertig; Menschen in Not und Elend waren vor Kummer längst verstummt. Er sah auch die verbissenen Gesichter der Pharisäer, als sie ihn und Jesus bezichtigten, Sünder zu sein. Immer wieder werden diese Bilder vor seine Augen getreten sein. Und vielleicht fragte er sich: War meine Heilung wirklich ein Segen für mich?
An seiner Heilung hatte sich eine ernsthafte Auseinandersetzung entzündet. Hierin spiegelt sich eine Blindheit der besonderen, der tieferen Art. Das Evangelium sieht in den Pharisäern all die Menschen, die zwar mit den Augen sehen können, aber deren Herzen mit Blindheit geschlagen sind. So wissen es die Pharisäer ganz genau: Der Blinde oder wenigsten seine Eltern haben gesündigt. Bis hinein in unsere Tage hat sich diese Ansicht bei manchen gehalten. Krankheit ist Strafe Gottes; Gott zahlt es denen heim, die es verdient haben. Mit Sündern aber gebe dich nicht ab. Schließlich ist ja bekannt, wo sie herkommen, wes Geistes Kinder sie sind. Spiel nicht mit den Schmuddelkindern! Ein Thema, das sich in unendlich vielen Variationen wiederholt, bis heute. Und dann wird immer wieder in die gleiche Stelle hineingebohrt; alte Wunden werden aufgerissen; immer neue Schwachstellen herausgefunden und immer andere Fehler ans Licht gezerrt. Das Wunder, dass hier ein Mensch sehend geworden war, also geheilt wurde, verblasst als Nebensache.
Es ist leider eine Binsenweisheit der allgemeinen Lebenserfahrung: Ein Mensch, der den anderen besonders kritisch gegenüber steht, ist für die eigenen Schwächen oft blind. Bei anderen werden genügend Fehler entdeckt, aber sich selbst halten dieser Mensch für ein Unschuldslamm. Den Splitter im Auge des Mitmenschen findet er*sie leicht, doch den Balken im eigenen Auge übersieht er*sie großzügig. Beim Mitmenschen ist es schnell vorbei mit der Großherzigkeit, doch selbst fordert er*sie alle Großzügigkeit der Welt ein.
Jesus geht mit der Blindheit der Menschen anders um. Die einen heilt er, weil sie ihr Vertrauen auf ihn setzen, weil sie bereit sind, sich ganz auf ihn einzulassen. Den anderen erteilt er durch sein Verhalten eine Lehre: Wie ich handle, so handelt Gott; nicht wie ihr denkt, dass er handeln müsste, sondern als der stets ganz andere handelt er. „Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken und eure Wege sind nicht meine Wege“ (Jes. 55, 8). Wer das erkennen kann der kann auch sehen, dass Jesus der Gesalbte Gottes ist – der Menschensohn, der Christus. Das bedeutet Glaube und dieser Glaube bewirkt, dass das Herz des Menschen sehend wird.
So steht am Ende des Evangeliums eine ganz neue Erkenntnis: Der Blinde ist geheilt worden; zugleich wurden die blinden Herzen der Sehenden entlarvt. Die Begriffe erhalten eine neue Bedeutung und es stellt sich die Frage: Sind die Sehenden nicht die eigentlich Blinden und die Blinden die wirklich Sehenden? Denn wirklich sehend ist:
  • wer bereit ist, seine Lebensweise in Frage zu stellen und sich auch von liebgewordenen Gewohnheiten zu verabschieden,
  • wer bereit ist, Vorurteile aufzugeben und die Fehler anderer nicht zum Anlass nimmt, daraus eine Affäre zu machen,
  • wer bereit ist, zu vergeben und zu helfen, dass es in Zukunft besser wird, satt zu verurteilen,
  • wer an Christus, das Licht der Welt glaubt, und IHM vertraut, der niemand im Dunkel umhergehen lässt.
„Lebt als Kinder des Lichtes! (Denn) das Licht bringt lauter Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit hervor“ (nach Eph. 5, 8b-9), und das ist wirklich ein Segen.