PFARRVERBAND OBERES INNTAL

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Pfr. Huber und P.Paul

Geistliche Impulse

von Pfarrer Hans Huber und P. Paul


Impuls für den 21. April, Tag des Hl. Bruder Konrad

Schrifttext: Joh 20,11-18
Von ihm schreibt Diakon Jablowsky aus Brannenburg-Flintsbach auf der letzten Seite der aktuellen Kirchenzeitung: ... er hat auf den Herrn gewartet. An seine Klosterpforte sind aber die Armen gekommen und die durstigen und hungrigen Pilger. Er war für die Menschen da ... dem Herrn ist er begegnet in den vielen Menschen wie auch im Sakrament. Und dazu passt nochmals die Ostergeschichte, in der der auferstandene Jesus Maria Magdalena begegnet. Als er sie beim Namen nennt und sie ihn an den Füßen packt, sagt er: Halte mich nicht fest!
Und das sagt Jesus auch zu uns.
Gott nicht festhalten, nicht festlegen, ihn immer wieder freilassen aus Vorstellungen und Einengungen.
Jesus ist der frei gesetzte und ganz andere. Je größer, weiter und je tiefer wir Jesus sein lassen, desto näher kommen wir ihm und seinem Gott.
Lassen wir unsere Vorstellungen immer wieder los!
Wer hätte sich vor dem 13. März vorstellen können, dass Kinder nicht mehr zur Schule oder zum Kindergarten und so viele nicht mehr zur Arbeit gehen. Dass wir Ostern ohne gemeinsamen Gottesdienst feiern usw. Es ist gegangen – unvorstellbar. Und so ähnlich wird es gehen, dass wir in eine andere Normalität hineinfinden als sie vor der Krise war. Vielleicht mit Mundschutz und mit Abstand zueinander. Und mit mehr Bedürftigen als noch im Winter: bei uns und weltweit.
Wieder mal unvorstellbar ... In den Armen begegnet Br. Konrad und mir und dir der Auferstandene ...

Impuls für die 2. Osterwoche: 19. – 25. April

Bibeltext: Joh 20,19-31
 „… als die Jünger aus Furcht bei verschlossenen Türen beisammen waren, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch.“

Die wenigsten von uns werden sich in diesen Wochen aus Angst vor Ansteckung einsperren und sich doch immer wieder wie gefangen vorkommen.
Jetzt ist Hoffnung auf ein wenig Öffnung und etwas mehr „Ausgang“. Dennoch sollten wir weiter den Abstand wahren und uns mehr mit den Augen als mit den Händen grüßen. Unser bayerisches „Grüß Gott“ ist eine gute Übersetzung des biblischen Grußes Jesu „Der Friede sei mit euch“.

  • Verbinden wir doch unser „Grüß Gott“ mit einem „Augen-Blick“, schauen wir dem Gegenüber eine oder zwei Sekunden lang in die Augen und grüßen wir damit den göttlichen Kern im Andern. Und übersetzen wir das „Grüß Gott“ immer wieder mal ins Biblische und sagen wir uns stattdessen zu: „Der Friede sei mit dir / mit euch.“
 
  • In unseren Kirchen symbolisiert die Osterkerze den Auferstandenen, der in die Mitte der Seinen tritt. Schauen wir beim nächsten Gang in die Kirche nach der Osterkerze und hören wir sie sagen: „Der Friede sei (jetzt) mit dir“.

Pfr. Grimm Gedenktafel
Gedenktafel in der Oberaudorfer Kirche; Foto: Hans Huber

Impuls für den 28. April,
75. Todestag Pfr. Josef Grimm

Am 28. April 1945, als von München her schon das Ende des 2. Weltkrieges ausgerufen wurde, kam es in Götting bei Bad Aibling noch zu einem schweren Verbrechen. Durch Rundfunknachrichten wachgerüttelt und um weiteres Blutvergießen zu vermeiden hatten Schullehrer und Organist Georg Hangl und Ortspfarrer Josef Grimm von Götting am dortigen Kirchturm eine weiß-blaue Fahne gehisst. Der Untersturmführer Josef Bachot und ein weiterer SS-Mann erschossen Lehrer Hangl und einige Stunden später auch Pfr. Josef Grimm. Anschließend reisten sie ab. Am 2. Mai konnte Götting kampflos den einrückenden Amerikanern übergeben werden. Josef Bachot wurde 1961 verhaftet und in Traunstein vor Gericht gestellt. Die Staatsanwaltschaft beantragte zweimal lebenslänglich. Nach mehreren Revisionsverfahren verhängte der Bundesgerichtshof 1966 nur eine Bewährungsstrafe. Die Erzdiözese München und Freising erhob Pfr. Grimm zum Märtyrer des Glaubens.

Impuls für die 3. Osterwoche: 26. April – 2. Mai

Bibeltext: Joh 21,1-14
„Als sie an Land gingen, sahen sie am Boden ein Kohlenfeuer und darauf Fisch und Brot liegen.“

Das „Wunder“ dieser biblischen Geschichte besteht vor allem darin, dass die Fischer auf Jesu Wort noch einmal die Netze auswerfen und dem Auferstandenen zutrauen, dass er „was mit ihnen anfangen“ kann. So sehen sie am Ende auch, dass alles da ist, was sie zum Leben brauchen: ein Kohlenfeuer, Fisch, Brot und Freunde, die es untereinander teilen.
Alles verkündet: Gott will, dass du bist.
 
  • Kann ich mein Leben auch in dieser „komischen Zeit“ von Gott her sehen? Dass die Vögel singen und die blühenden Blumen rufen: „Gott will, dass Du bist!“?

  • Fragen wir uns am Abend eines jeden Tages: Welches Wort, welche Geste, welches Gesicht hat mir heute ausgerichtet: „DU, Gott, willst, dass ich bin“?

  • Freue ich mich schon darauf, dass es bei der Messfeier nach dem „Herr, ich bin nicht würdig“ zu Beginn der Kommunion heißt: „Der Auferstandene sagte zu den Seinen: Kommt her und esst.“

Impuls für die 4. Osterwoche 3. Mai – 9. Mai

Bibeltext: Joh 10,1-10
„Ich bin die Tür. Wer durch mich ein- und ausgeht, der wird Freiheit haben, der wird Weite haben, der wird ein erfülltes Leben haben.“  (Joh 10,9)

Betrachten wir einmal die Menschen, die Jesus in ihrem Leben gesucht haben. Da waren die Jünger Jesu, die am Osterabend hinter verschlossenen Türen saßen aus Angst vor den Juden und auch mit Schuldgefühl, weil sie Jesus in seiner Not allein gelassen hatten. Was machte Jesus? Er öffnete ihnen die Türen und sagte: „Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.“ Ich möchte mit euch etwas beginnen. Ihr sollt mein Werk fortsetzen. Damit öffnete er ihnen die Türen weit.
Dieser Jesus ist auch bei uns, mit uns und in uns. Er schenkt uns die Fülle des Lebens. Jesus möchte uns ohne Wenn und Aber ein freudiges Leben schenken. Er möchte, dass unser Leben gelingt, weil er uns so sehr liebt. Seine Liebe zu uns ist grenzenlos.
  
  • Die Frage an uns lautet: Finden wir Jesus als unsere einzige Tür, die uns zur Freiheit und zu einem erfüllten Leben führen kann, trotz der Krisen und ratlosen Situationen?
Voll Vertrauen setzen wir unsere Hoffnung auf den auferstandenen Herrn, der die einzige Tür zu einem erfüllten Leben ist.

Impuls für den 7. Mai

Geschichte:  Wer die anderen neben sich klein macht, ist niemals groß.

Es waren einmal zwei Brüder, es könnten auch Schwestern gewesen sein. Beide träumten davon, berühmt zu werden. Eines Nachts hatten beide denselben Traum. Eine Fee erschien ihnen und führte einen jeden in eine hohe Halle, in der sich zwei Portale befanden.
Sie sprach zu einem jeden: „Schau dir genau die beiden Portale an, und entscheide dich, durch welche Tür du diese Halle verlassen willst." Das eine Portal hatte in der Mitte eine Tür, hoch und prächtig, mit goldenen Beschlägen.
Fürstlich musste man sich fühlen, wenn man hindurchschritt.
Dieser Tür zur Seite waren zwei kleine Türen gegeben, durch die man nur gebückt gehen konnte. Das andere Portal hatte in der Mitte eine kleine Tür und zur Seite die zwei großen, prächtigen Türen.
Die beiden Brüder waren in ihrem Traum unsicher und fragten die Fee, was das zu bedeuten habe.
„Ganz einfach“, antwortete sie, „durch das eine Portal kannst Du nur aufrecht schreiten und alle anderen – neben dir – müssen gebückt durch die beiden kleinen Türen gehen. Durch das andere Portal kannst Du nur gebückt gehen, die Menschen neben Dir aber schreiten aufrecht hindurch.“ Bis hierher hatten die beiden Brüder denselben Traum.
Nur der eine entschied sich dafür, aufrecht und prächtig schreitend durch das mittlere Portal zu gehen, denn er dachte: „Mögen doch die anderen den Kopf einziehen und sich klein machen.“
Der andere entschied sich für die kleine Pforte, denn er sagte sich: „Das will ich keinem neben mir zumuten, dass er wegen mir den Kopf einziehen muss. Denn wer die anderen neben sich klein macht, ist niemals groß!“ Beide wurden berühmt in dieser Welt.
Als der eine zu Grabe getragen wurde, sagten die Menschen: „Gut, dass es den nicht mehr gibt!“ Als der andere zu Grabe getragen wurde, weinten die Menschen und sprachen: „Schade, um diesen aufrechten Menschen!“
Wenn Jesus sagt: Ich bin die Tür!
Dann heißt dies: ER ist der Maßstab für ein gutes Miteinander! Durch ihn wurde für uns Menschen eine Tür aufgetan, dass wir einander entdecken als Menschen auf Gott hin unterwegs!
Aber – durch diese Tür kann man nur gehen, wenn man auch bereit ist, sich klein zu machen. Sich nicht als der Wichtigste Mensch zu sehen, sondern in dem Bewusstsein lebt.
Wir sind Schwestern und Brüder, miteinander unterwegs durch diese Zeit! Darum geht es, gerade in dieser Zeit, da wir sehr vorsichtig die Türen öffnen, auf Abstand leben, unter dem Mundschutz ein Lächeln versuchen, dass wir Türen öffnen und offen halten, füreinander, damit diese Zeit der Krise, für uns alle eine Chance ist, menschlicher, achtsamer miteinander umzugehen!
Gebet
Jesus, Du bist berühmt in dieser Welt, viele Menschen kennen Dich, weil du einer warst und bist, der die Menschen aufrichtet, der ihnen hilft und sie von Herzen liebt. Du sagst uns, dass wir einander nicht unterdrücken sollen. Du sagst uns, dass Gott jeden Menschen liebt. Und deshalb keiner weniger wert ist als der andere. Lass uns das von dir lernen, damit die anderen nicht den Kopf vor uns einziehen, sondern froh sind, wenn sie uns begegnen. Hilf uns, dass uns dies gelingt.
Amen.

Impuls zu den Bitttagen 18. – 20. Mai

Seit Jahrhunderten werden die Tage vor Christi Himmelfahrt als sog. Bitttage begangen: In Flurumgängen, Bittprozessionen und Bittämtern beten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer um Bewahrung vor Naturkatastrophen, Gewitter- und Hagelschäden. Etwas weiter verstanden sammeln die Beterinnen und Beter in dieser Zeit alle Bitten und Gebete ein, um sie Christus, der zum himmlischen Vater geht, mitzugeben. Dabei geht es um das Gedeihen der Saaten in den Gärten und auf den Feldern genauso wie um das Gelingen der Abschlussprüfungen, die in diesen Wochen an verschiedenen Schulen und Lehrstätten anstehen. Heuer geht es auch um die Bewahrung der Gesundheit, Förderung des sozialen Friedens und um die Verringerung der Armut auf der ganzen Welt.

Weil auf Bittgängen und Prozessionen der im Moment gebotene Anstand von 1,5 Metern voneinander nicht einzuhalten ist, wurden diese Andachtsformen heuer ausgesetzt. Gern darf jeder privat oder mit der Familie oder mit Personen im eigenen Haushalt einen Spaziergang unternehmen, die blühenden Blumen und Bäume betrachten und vom Bitten ins Danken kommen wie der Pfarrer und Lyriker Lothar Zenetti (1926-2019) es tut, wenn er dichtet:

Am Ende die Rechnung

Einmal wird uns gewiss die Rechnung präsentiert
für den Sonnenschein und das Rauschen der Blätter,
die sanften Maiglöckchen und die dunklen Tannen,
für den Schnee und den Wind, den Vogelflug und das Gras,
und die Schmetterlinge,
für die Luft, die wir geatmet haben
und den Blick auf die Sterne
und für all die Tage, die Abende und die Nächte.

Einmal wird es Zeit,
dass wir aufbrechen und bezahlen.
Bitte die Rechnung.
Doch wir haben sie ohne den Wirt gemacht:
Ich habe euch eingeladen, sagt der und lacht, soweit die Erde reicht:
Es war mir ein Vergnügen!

(aus: Sieben Farben hat das Licht, Lothar Zenetti)


Dass Gott lacht soweit die Erde reicht, ist mir eine ganz liebenswerte Vorstellung.
Lassen wir uns von Gottes Lachen anstecken!

Impuls zu Pfingsten

Eine frohe gesegnete Pfingstzeit!

Folgender Text beschreibt Wirkungen der Heilig-Geist-Kraft, die jemand am ehesten an anderen beobachten kann und denkt: „Wie macht sie bzw. er das bloß?“
Das schließt mit ein, dass jemand selber „über sich hinauswächst“ und im Wirkungsbereich des Heiligen Geistes lebt:

    • Müde sein – und doch andere aufmuntern
    • Sich verlassen fühlen – und doch andere zum Lächeln bringen
    • Selber voller Fragen stecken – und sich Ratsuchenden nicht verweigern
    • Gehetzt sein – und doch andere nicht mit Ausreden abwimmeln
    • Schmerzen haben – und doch anderen gegenüber Geduld aufbringen
    • Belastet sein – und doch anderen tragen helfen
    • Nach einem Ausweg tasten – und doch die Hand eines anderen nicht loslassen
    • Vieles entbehren – und doch anderen nichts missgönnen
    • Enttäuscht sein – und doch anderen einen Streifen Hoffnung vorleben
    • Sich ausgebrannt vorkommen – und doch anderen helfen, Sinn zu finden
    • Betend selber ohne Antwort bleiben – und doch anderen den Glauben erlebbar machen
    • Mit Ärger angefüllt sein – und doch den Gruß jedes anderen erwidern
    • Enttäuscht sein – und doch die Fehler der anderen nicht hinausposaunen
    • Keinen Dank bekommen – und doch unentwegt für andere dasein

Gefunden von Dieter Wittmann in einer Kirche in Chemnitz