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St. Michael

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In dieser Rubrik stellen wir in loser Reihenfolge aktuelle Themen aus christlicher Sicht zur Verfügung, die wir für lesenswert halten.

Die Sehnsucht nach Christus wecken
Ein Kommentar von Oliver Maksan (Die Tagespost)

Im Oktober kommen Bischöfe aus Lateinamerika im Vatikan zusammen. Die Amazonas-Synode wird während drei Wochen mit dem Heiligen Vater die Pastorale Lage in der größten Regenwaldregion der Welt beraten.

Probleme gibt es dort mehr als genug. Der Regenwald schrumpft mit verheerenden ökologischen Folgen. Indigene Völker verlieren ihren Lebensraum. Hinzu kommen schwere soziale Probleme wie Armut und Kindesmissbrauch. Zudem ist nur eine Minderheit der in- digenen Völker katholisch. Die evangelikalen Sekten schreiten kräftig voran - also Stoff genug für eine Bischofsversammlung.

Schon im Vorfeld aber wird kräftig versucht, diese Veranstaltung für eigene Zwecke zu instrumentalisieren. Angeblich sehnen sich die Völker des Amazonas nach nichts mehr als nach der Aufhebung des Zölibats und der Weihe verheirateter Männer. Auch die Frauenweihe wird diskutiert und gefordert. Es ist offensichtlich, dass so manche westliche Kirchenkreise versuchen, über den Umweg des Amazonas ihre Wünsche endlich auch in Europa und der westlichen Welt erfüllt zu sehen.
Damit aber würde eine Chance vertan. Tatsächlich brauchen die Völker des Amazonas wie aller anderen Regionen der Welt vor allem eines: eine überzeugende Verkündigung des lebendigen, in seiner Kirche anwesenden und durch die Sakramente wirkenden Christus. Wo es die Sehnsucht nach Jesus nicht gibt oder keinen Ausdruck findet, muss die Kirche sie wecken. Darüber vor allem sollten die Bischöfe nachdenken.

Es gibt die Vorstellung der Ureinwohner als edler Wilder und dervon der westlichen Kultur unberührten Welt als eines Ortes der Offenbarung. Das aber ist mit dem christlichen Glauben nicht vereinbar. So wahr es ist, dass die Umstände der Evangelisierung Lateinamerikas oft blutig und alles andere als evangetiumsgemäß waren, so wahr ist es auch, dass Christus die Erfüllung der tiefsten Sehnsucht der Menschen ist. Ja: Evangelisie- ren heißt nicht europäisieren. Die eingeborene Kultur hat ihre Würde. Sie kann und muss aber vom Evangelium her gereinigt und vertieft werden.

Papst Benedikt XVI. drückte es bei der Predigt zu seiner Amtseinführung 2005 so aus: Christus nimmt nichts und gibt alles. Das gilt für das einzelne Menschenleben und das von Kulturen. Was wahr, gut und schön ist in der eingeborenen Kultur muss erhalten und vertieft werden. Geisterglaube und -furcht aber knechten den Menschen. Christus als Freund und Bruder des Menschen nimmt diese Angst, die auch die Völker Europas vor der Ankunft des Christentums gepeinigt hat.

Beten wir dafür, dass die in Rom versammelten Bischöfe die wahren Bedürfnisse der Menschen Amazoniens sehen und Wege finden, Christus neu in den Herzen ankommen zu lassen.