ST. MICHAEL

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In dieser Rubrik stellen wir in loser Reihenfolge aktuelle Themen aus christlicher Sicht zur Verfügung, die wir für lesenswert halten.

Verband Familienarbeit e.V.
Verband zur Förderung der eigenständigen finanziellen und sozialen Absicherung häuslicher Eltern- und Pflegearbeit

Brauchen wir Familienglück — oder kann das weg?

Ist Ihnen schon aufgefallen, wie verdreht ein Feminismus ist, der die Gleichberechtigung der Frauen allein durch Gleichstellung mit den Männern im Erwerbsleben erreichen will? Stichworte: „Gleiche Löhne für gleiche Arbeit" und „Mehr Frauen in die Vorstandsetagen". Die Bedeutung der Mütter für die Familie und für die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft kommen bei dieser Art Gleichberechtigung überhaupt nicht vor. Mütter und Väter sollen beide möglichst in Vollzeit erwerbstätig sein und ihre Kinder in die Fremdbetreuung abgeben, spätestens wenn das einjährige Elterngeld ausläuft. Dass auch Eltern. wenn sie abends müde nachhause kommen, weder Lust, noch Kraft, noch genügend Zeit haben, um ihre Kinder mit der nötigen Zuwendung und Sorgfalt zu erziehen, spielt keine Rolle. Es genügt, wenn man ihnen die Schuld zuschieben kann, wenn die Kinder auffällig und gewalttätig werden, zunehmend unter Depressionen leiden, zu Schulversagern werden.
Frage: Was taugen Frauenrechte, die zwar ein „Recht auf  Abtreibung" propagieren, aber die Mütter im Regen stehen lassen?
Haben Sie schon bemerkt, dass unsere so genannte Familienpolitik ins gleiche Horn bläst wie dieser irregeleitete Feminismus? Im Familienreport 2020 (S. 111) wird gefeiert, dass sich zwischen 2006 und 2018 der Anteil der Mütter mit jüngstem Kind im Alter von 2 Jahren, die vollzeitnah erwerbstätig sind, von 6% auf 16% mehr als verdoppelt hat. Aus Erziehungszeiten und Teilzeitarbeit resultiert Altersarmut! Aha! Die Familienpolitik ist also nicht dazu da, die Rahmenbedingungen für die Eltern so zu gestalten, dass sie keine Nachteile durch eine verantwortungsvoll wahrgenommene Erziehung ihrer Kinder in Kauf zu nehmen haben? Sie ist nicht dazu da, sich endlich für eine finanzielle Anerkennung der elterlichen Erziehungsarbeit einzusetzen? Stattdessen werden Eltern dazu gedrängt, ihre Kinder sich selbst oder Dritten zu überlassen... Beide Elternteile sollen der Wirtschaft als Arbeitskräfte zur Verfügung stehen.
Frage: Was taugt eine Familienpolitik, die massiv den Ausverkauf der Familie betreibt?
 Wie konnte es dazu kommen, dass wir uns das gefallen lassen? Dass wir gar nicht bemerken, was da gedreht wird? Dass selbst die Mütter meinen, eine Frau könne nur emanzipiert und modern sein, wenn sie ihre Muttergefühle verdrängt und sich den Vorgaben anpasst? Obwohl sie selbst den Tränen nahe sind, meinen sie: „Der muss da durch", wenn ihr kleiner Paul jeden Morgen beim Abgeben in der Krippe sich die Seele aus dem Leib schreit, Und die Erzieherin versichert, dass er sich gleich beruhigen wird, sobald die Mutter weg ist. Ja, Paul beruhigt sich. Er gibt sich auf. Er resigniert. Sein Lebensmut und sein Urvertrauen sind bleibend geschädigt. Nicht wenige Krippenerzieherinnen sagen im privaten Gespräch, dass sie einem eigenes Kind niemals solches Leid zumuten würden.
Frage: Was soll unter dem Begriff „Kindeswohl" verstanden werden?
Die Kinder werden nicht gefragt.
Sie nehmen die Welt zunächst wie sie sie vorfinden, denn sie kennen ja nichts Anderes und vertrauen unbedingt darauf, dass die Eltern ihre besten Sachwalter seien. Erzieherische Defizite definieren sie nicht und wehren sich nicht dagegen. Bis eines Tages die Folgen nicht länger schöngeredet werden können: Ein Nachhilfelehrer oder Schulbegleiter wird gebraucht. Der Schulpsychologe soll gegen Mobbing helfen und überhaupt retten, was zu retten ist. Im äußersten Fall steht eines Tages die Polizei vor der Tür. Rechtsanwälte verdienen gutes Geld.
Frage: Wie heuchlerisch ist die Forderung, Kinderrechte gesondert ins Grundgesetz aufzunehmen und gleichzeitig das Urrecht eines Kindes auf die ausreichende Zuwendung seiner Eltern in den Wind zu schreiben?

Gertrud Martin
 
Gut zu wissen!
Fakten, die unsere Familienpolitik familienfeindlich machen

1) Das Rentenunrecht: Die Kindererziehung wird ausgeblendet
1957 gab es eine große Rentenreform. Der Sozialwissenschaft1er Wilfrid Schreiber erarbeitete dafür ein Konzept, das nicht auf angesparten Einzahlungen, sondern auf dem Umlageprinzip nach dem Vorbild der Familie basierte. Sprich: Alle Erwerbstätigen sollten finanziell für die Kindergeneration sorgen, um dadurch das Recht auf eine später von dieser finanzierten Altersrente zu erwerben.
Leider wurde dieses Konzept verfälscht umgesetzt, indem ein Rentenanspruch nicht an die Leistung tür Kinder sondern nur an die Rentenbeiträge zur Finanzierung der laufenden Renten gebunden wurde. So kommt es, dass Eltern weniger Rentenansprüche zugestanden werden als ihren kinderlosen und deshalb durchgängig erwerbstätigen Nachbarn. Trotzdem glauben die Menschen immer weiter, dass sie mit ihrem Rentenbeitrag ihre eigene Rente ansparen würden. Das ist ein Irrtum, denn dieser Beitrag wird ja zeitgleich für die Auszahlung der laufenden Renten verwendet. Damit tragen die Kinder eine Schuld gegenüber der Elterngeneration ab und sind mit ihr quitt. Ihre eigenen Renten können sie aber nur erwirtschaften, indem sie entweder eigene Kinder erziehen oder einen gleichwertigen finanziellen Beitrag zur Erziehung der Kindergeneration leisten.
Dazu Eva von Münch. Verfassungsjuristin im Handbuch des Verfassungsrechts 1994 S. 321 : „Die Alterslast wurde kollektiviert, die Kinderlast blieb Privatsache. Mit dieser Konstruktion bestraft das geltende Rentenrecht die Familie und innerhalb der Familie ganz besonders die nicht oder nicht voll berufstätige Mutter."
Zwei Generationen später liegen die Folgen offen zutage:
Wegen dieser Enteignung der Eltern müssen sie heute möglichst beide in Vollzeit erwerbstätig sein. Kinder werden dagegen als Privatvergnügen behandelt. Ihre Betreuung ist irgendwie nebenbei zu organisieren, z.B. durch Fremdbetreuung. Weitere Folgen sind die sinkende Geburtenrate und damit das Schwinden der Existenzgrundlage das ganze System.

2) Wahlunfreiheit wegen einseitiger staatlicher
Finanzierung der Fremdbetreuung
Die Mär: „Vereinbarkeit von Familie und Beruf' behauptet, Erwerbsarbeit und Kindererziehung seien gleichberechtigt nebeneinander zu meistern. Der Staat finanziert die Fremdbetreuung milliardenschwer, vor allem auch fùr die Allerkleinsten in den Krippen, ohne Ausgleich für die Eltern, die ihr Kind selbst erziehen, in der Überzeugung, dieses sei zu dessen Bestem.
Sie müssen auf eine vergleichbare staatliche Finanzierung verzichten. Viele können sich das aber gar nicht leisten und sehen sich gezwungen, voll erwerbstätig zu sein und ihr Kind abzugeben: Ihre Wahlfreiheit wird verhindert. Diese Gängelung der Eltern widerspricht den Vorgaben unseres Grundgesetzes, das in Art 6, Abs. 2: festschreibt: „Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht." Das heißt im Klartext: Der Staat ist nicht befugt, die freie Entscheidung der Eltern darüber, wie und durch wen ihre Kinder erzogen werden sollen durch Maßnahmen zu beeinflussen, wie z.B die ausgleichslose Finanzierung der Fremdbetreuung. Vielmehr ist eine echte Wahlfreiheit zu fordern, indem das verfügbare Geld den Eltern gegeben wird, die dann selbst entscheiden, ob sie es als Lohn für die von ihnen selbst geleistete Erziehungsarbeit behalten oder es einsetzen, um eine Betreuung durch Dritte zu bezahlen.
Auch das Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 10.11.1998 lässt an Klarheit nichts zu wünschen übrig: „Nach Art 6. Abs 1 GG steht die Familie unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung. Das Wächteramt des Staates (Art 6, Abs 2, Satz 2 GG) berechtigt den Staat nicht, die Eltern zu einer bestimmten Art und Weise der Erziehung ihrer Kinder zu drängen. ( ...) Die primäre Entscheidungsverantwortlichkeit der Eltern beruht auf der Erwägung, dass die Interessen des Kindes in aller Regel am besten von den Eltern wahrgenommen werden." Und: „Die Kinderbetreuung ist in der jeweils von den Eltern gewählten Form in ihren tatsächlichen Voraussetzungen zu ermöglichen und zu fördern." (BVerfG 99, 216, Randnr.64)

Dr. Johannes Resch