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Katholische Pfarrgemeinde St. Nikolaus in Übersee am Chiemsee

Die Wunder sehen

Mancher moderne Zeitgenosse bekennt, dass es ihm schwerfällt, die Schöpfung als herrlich zu empfinden. Die Heilige Schrift dagegen findet die Schöpfung wunderbar. Alle Dichter besingen sie. Auch der Hl. Franziskus mit seinem Sonnengesang: „Ich preise dich im Stillen um Deiner Werke Pracht, in Sonderheit der goldnen Sonne willen, die Du gemacht.

Denn schön ist meine königliche Schwester, gibt Morgenrot und Mittaghelligkeit, den Abendhimmel als der Künstler Bester malt sie mit glühenden Farben allezeit. Des Lenzens Blüten und des Sommers Ähren, des Herbstes Trauben dank ich ihr, kein anderes Geschöpf zu Deinen Ehren spricht lauter mir“. 

Wie verschieden die Menschen doch sind. Die einen geraten in Entzücken über das rauschende Meer, die schneebedeckten Berge, die dunklen Wälder. Sie sind fasziniert vom Kosmos und seiner Entwicklung. Andere können nicht so spontan empfinden, obwohl es in der Schöpfung genug zu sehen, zu hören, zu riechen gibt. Genug, worüber das Herz dankbar jubeln könnte. Woher kommt das, dass nicht jeder mehr staunen kann?

Wir sprechen heute viel von Umweltzerstörung und leiden daran. Es gibt aber auch eine Verarmung der Innenwelt einer übertechnisierten Zivilisation. Wir sind vielfach in unserer Fähigkeit zu erleben beeinträchtigt. Wohl deshalb, weil wir auf einer anderen Ebene zu viel erleben. Wohlstand und Technik erlauben eine ständige mühelose Multiplikation des Erlebens. Wir erleben zu schnell. Es fehlt die Zeit, die Eindrücke in sich aufzunehmen und auf den Grund der Seele sinken zu lassen. Wir erleben zu mühelos. Die schönsten Dinge kosten uns nur einen Knopfdruck. Da gibt es kein Anstrengen, Keuchen, Schleppen und Überwinden.

Auf diesem Hintergrund wird klar, was die Begegnung mit der Natur bedeutet. Es ist das Erleben aus erster Hand. Der Wanderer kann noch die Landschaft aufnehmen.

Die Bilder rollen langsam ab. Das Erleben ist echt, ungefiltert, intensiv, unverfügbar, geschenkt. Deshalb kommen Menschen in der Stille der Natur zu sich. Wer sich als beschenkt erlebt, will danken. Dazu hilft mir nicht das Nichts und die Leere, sondern nur das unendliche Du, das göttliche Gegenüber als Adressat meines Danks.

Dieses Glücks des Einklangs mit sich, der Schöpfung und dem Schöpfer wünscht Ihnen

Ihr Pfarrer Georg Lindl