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Katholische Pfarrgemeinde St. Nikolaus in Übersee am Chiemsee

Optimismus oder Hoffnung

Optimismus ist eine hoch bewertete Grundhaltung. Wir schätzen Menschen mit einer optimistischen Lebenseinstellung. Sie äußert sich vielfach in dem häufig vernommen Satz: „Alles wird gut“.

Darin drückt sich die Einstellung aus: es geht schon irgendwie weiter, wir kommen da schon durch, es wird gut enden. Oft frage ich mich, ob es angesichts einer schwierigen Lage wirklich Grund für diesen Optimismus gibt, ob er nicht vielmehr ein Mittel der Selbstbeschwichtigung und der Autosuggestion darstellt.


Hoffnung dagegen ist etwas ganz anderes. „Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der von euch Rechenschaft fordert von der Hoffnung, die euch erfüllt“, heißt es im 1. Petrusbrief. Hoffnung ist mehr als der Optimismus, dass es irgendwie gut ausgehen wird. Hoffnung bedeutet, dass es gut ist, ganz egal wie die Umstände sind und wie es ausgehen wird.

Natürlich speist sich diese Hoffnung letztlich nicht aus irdischen Quellen, sondern aus dem Glauben an die Auferstehung, aus der felsenfesten Gewissheit, dass das Leben stärker ist als der Tod, dass der Sinn stärker ist als die Sinnlosigkeit.


Paradoxerweise erzeugt gerade die erlebte Coronakrise eine neue Hoffnung, die sich auf vielerlei Weise manifestiert. Die körperliche Distanz, die der Virus erzwingt, bedeutet in vielen Fällen gleichzeitig eine neue Nähe. Wir haben alte Freunde wieder häufiger kontaktiert, Bindungen verstärkt, die lose und locker geworden waren. Familien, Nachbarn, Freunde, sind näher gerückt und haben bisweilen sogar verborgene Konflikte gelöst.

Es gibt eine neue Verbindlichkeit und einen achtsameren Umgang miteinander. Die Brüchigkeit des Lebens und vieler unserer Einstellungen wird deutlich – und gleichzeitig eine neue Wertschätzung für die Kostbarkeit des Lebens spürbar. Wir richten unsere Aufmerksamkeiten weniger auf unsere Bespaßung, sondern wieder mehr auf die existentiellen Grundfragen: Was ist der Mensch? Was sind wir füreinander? Was ist wirklich wichtig im Leben? Gerade die Begegnung mit dem Tod, die uns die gegenwärtige Krise aufzwingt, stellt diese Grundfragen.

Mit reinem Zukunftsoptimismus gemäß dem Motto „es wird schon wieder alles gut“, ist es da nicht mehr getan. Wir staunen, wieviel Humor und Mitmenschlichkeit in den Tagen des Virus tatsächlich entstanden ist. Diese Einstellung ist getragen von einer Hoffnung, die sich auch durch widrige Umstände nicht erschüttern lässt, die sich aus tieferen Quellen speist. In jeder Krise liegt auch eine Chance.

Mein Wunsch ist, dass wir nicht nur irgendwie diese Krise überleben und bewältigen. Nutzen wir sie, indem wir uns neu auf das Wesentliche konzentrieren, auf das, was wirklich zählt. 


Mit herzlichen Grüßen
Pfarrer Georg Lindl