„Verwandelt werden wir im Augenblick der Stille“

Kardinal Marx predigt bei Gottesdienst im Rahmen der Münchner Opernfestspiele
München, 23. Juni 2024. Kardinal Reinhard Marx hat den Wert absoluter Stille „für die eigene Verwandlung im Angesicht Gottes“ betont. Nicht durch „endloses Reden und Zuhören“ werde der Mensch „das größte Geheimnis, die Existenz Gottes, spüren, sondern wenn wir im Augenblick der Stille bei uns selbst sind.“ Die Musik, die Literatur und die Kunst könnten dieses Geheimnis nicht in sich fassen, seien jedoch „wichtige Wegbereiter für das Momentum des Schweigens, das uns innerlich öffnet und Raum für die Begegnung mit Gott schafft“, sagte der Erzbischof von München und Freising bei einem Gottesdienst im Rahmen der Münchner Opernfestspiele am Sonntag, 23. Juni, in der Jesuitenkirche St. Michael.
 
In seiner Predigt wies Kardinal Marx auf die Bedeutung von Sturm und Stille im Evangelium nach Markus hin, in welchem „Jesu der See gebietet und völlige Stille eintrat“. Dies zeige die Notwendigkeit des Vertrauens in Gott, „den Schöpfer des Himmels, in welchen wir eben durch diese Ruhe schauen“. Musikalisch sei dies auch in der deutschen Erstaufführung der Komposition „Kiewer Rus“ zu verstehen, so der Kardinal: „Ein wunderbares Musikstück, welches das Auf und Ab der Geschichte des menschlichen Lebens, aber auch der Beständigkeit, des sich Behauptens in all den Turbulenzen des Lebens, den Höhen und Tiefen, zeigt.“ Auch hier gelte, dass der Zielpunkt die Stille bleibe, und der Weg dorthin durch die Kunst und Musik bereitet werde, so der Kardinal.
 
Unter der musikalischen Leitung von Azim Karimov kamen die Missa sancta Nr. 1 Es-Dur, die sogenannte Freischütz-Messe, von Carl Maria von Weber und der Entr’acte Nr. 3 B-Dur aus „Rosamunde“ von Franz Schubert zur Aufführung. Die Komposition „Kiewer Rus“ für Klavierduo von Ruslan Kaschirzev feierte deutsche Erstaufführung.
 
Musikalisch gestaltet wurde der Gottesdienst durch das Bayerische Staatsorchester und den Bayerischen Staatsopernchor (Einstudierung Christoph Heil) sowie die Solisten Erika Baikoff (Sopran), Avery Amereau (Mezzosopran), Benjamin Bruns (Tenor) und Michael Nagy (Bass). Die Orgel spielte Peter Kofler, als Kantor wirkte Kevin Conners. (rs)