Musik

Orgel
Die Orgeln in St. Rupert 

Die Kirche St. Rupert beherbergt zwei originale Orgeln aus der Zeit der Spätromantik: zum einen seit 1907 die Maerz-Orgel aus dem ehemaligen königlichen Odeon in München, und seit 2001 auch noch eine kleine Chororgel, ebenfalls aus der Werkstatt von Franz Borgias Maerz.

Die Odeon-Orgel – vom zarten Piano zum brausenden Forte
Die Hauptorgel von St. Rupert ist ein besonderes Dokument spätromantischer Orgelbaukunst. Gebaut wurde sie ursprünglich 1887 von Franz Borgias Maerz für das königliche Odeon in München. Sie verfügte damals über 25 Register, die sich auf zwei Manuale und Pedal verteilten. 18 Jahre lang erklang die Maerz-Orgel in dem wichtigsten Konzertsaal der Landeshauptstadt, bevor sie einem größer dimensionierten Werk der Firma Walcker weichen musste.
Doch bereits 1907, zwei Jahre nach seinem Abbau, erlebte das Instrument – inzwischen um drei Zungenregister erweitert – seine musikalische Wiedergeburt, als es auf der Chorempore der neu errichteten Kirche St. Rupert Aufstellung fand. Umbaumaßnahmen 1933 erweiterten den vorhandenen Registerbestand von 25 auf 39 Stimmen.
Die Maerz-Orgel in St. Rupert zeichnet sich durch ihre weiche Tonfärbung aus, die sich am Klangideal des romantischen Symphonieorchesters orientiert. Ihr akustisches Volumen lässt sich auf beeindruckende Weise übergangslos vom zarten Piano bis zum brausenden Forte steigern. Dadurch zeigt sie sich prädestiniert für die authentische Darstellung expressiver romantischer Orgelmusik.
Ende des letzten Jahrhunderts befand sich das Instrument – dessen historische und musikalische Bedeutung schon fast in Vergessenheit geraten waren - in so schlechtem Zustand, dass es nicht einmal mehr zur Ausgestaltung der Messfeiern benutzt werden konnte. Erst durch das Engagement von Andreas Götz, Kirchenmusiker in St. Rupert von 1996 bis 2023, wurde der Wert der Maerz-Orgel als romantisches Klangdenkmal wieder erkannt. Durch eine aufwendige Restaurierung ist es jetzt möglich, die ehemalige Odeons-Orgel in Gottesdienst und Konzertbetrieb zu erleben.


  • Pressestimmen
Der lebendige, atmende Klang dieser Orgel ersetzt ein Orchester,... Ein ziemlicher Glücksfall für die „historisch korrekte" Aufführung spätromantischer Orgelmusik, und nicht nur für die Münchner „Klangwelt".
Süddeutsche Zeitung, 19. August 2002


„Die Ohren möchten einem übergehen, wenn dieses Instrument mit seiner so unglaublich differenzierten Disposition vermittelt zwischen dem puren Klanggenuss und einem detaillierten Nachzeichen der musikalischen Faktur."
Süddeutsche Zeitung, 14. Oktober 2003

„Eine der spannendsten Münchner Orgeln"
Süddeutsche Zeitung, 17.Juli 2006


  • Der Orgelbaumeister – Franz Borgias Maerz

Franz Borgias Maerz (1848–1910) war Inhaber einer der führenden Orgelbaufirmen seiner Zeit. In seiner Werkstatt im Münchner Westend entstanden über 400 Instrumente, davon allein etwa 50 für Münchner Gotteshäuser. In Anerkennung der herausragenden Qualität seiner Werke wurde ihm 1905 der Titel „Königlich Bayerischer Hoforgelbauer" verliehen. Wegen der hohen Kriegsverluste und des mehr barock orientierten Orgelideals der Nachkriegszeit zählen die beiden erhaltenen Maerz-Orgeln in St. Rupert heute zu den Raritäten innerhalb der süddeutschen Orgellandschaft.


  • Die Chor-Orgel
Die kleine Orgel mit 6 Registern wurde 1907 für die Kirche St. Leonhard in Greimharting (Chiemsee) gebaut. Nach dem Erwerb durch die Pfarrgemeinde St. Rupert im Jahr 1999 und der in Eigenarbeit erfolgten Restaurierung konnte die Orgel 2001 frei fahrbar im Kirchenschiff aufgestellt werden.
In Verbindung mit der großen Hauptorgel ist so auch die Aufführung von Werken für zwei Orgeln möglich.