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Pfarrverband Schäftlarn

St. Peter und Paul, Baierbrunn; St. Georg, Hohenschäftlarn; St. Benedikt, Ebenhausen; Hl. Kreuz, Icking

Das Fresko in St. Benedikt Ebenhausen von Franz Nagel

Fresko
Foto: P. Norbert Piller OSB, Abtei Schäftlarn

Das himmlische Jerusalem

Das Freskobild stellt die himmlische Stadt Jerusalem dar, die der Apostel Paulus in den Kapiteln 21 und 22 der Geheimen Offenbarung durch ein Fülle visionärer Bilder vor unseren Augen erstehen läßt.
Sie alle in einem Wandbild zu zeigen, würde unser Fassungsvermögen überfordern.
So ist eine Auswahl derer getroffen, die dem Sinn und Zweck dieses Raumes, nämlich der Gebets- und Mahlgemeinschaft, der Feier der heiligen Liturgie entsprechen.
Der Prophet beginnt mit der Schilderung der Stadtmauer.
„Und sie hatte eine große und hohe Mauer, und hatte zwölf Tore und Namen darauf geschrieben, nämlich der zwölf Geschlechter der Kinder Israels. Vom Morgen drei Tore, von Mitternacht drei Tore, vom Mittag drei Tore, vom Abend drei Tore.“
„Und die Stadt liegt viereckig und ihre Länge ist so groß als die Breite.“
Dem Text folgend, der die Stadt als einen Ort „von lauterem Golde gleich dem reinen Glase“ bezeichnet, ist sie in Goldockerfarben gemalt und schließt die ganze Skala des Gelben vom lichten Neapelgelb bis zur ungebrannten Siena ein.
Die Mauerblöcke, von den weißleuchtenden Tore mit den aramäischen Schriftzeichen durchbrochen, umschließen einen helleren quadratischen Bezirk, in dem der Thron Gottes und das Lamm mit den sieben goldenen Hörnern, durch starke Farbigkeit hervorgehoben, ihre dominierende Haltung einnehmen.
„Und ich sah keinen Tempel darin; denn der Herr, der allmächtige Gott, ist ihr Tempel und das Lamm. Und die Stadt bedarf keiner Sonne noch des Mondes, daß sie ihr scheinen; denn die Herrlichkeit Gottes erleuchtet sie und ihre Leuchte ist das Lamm.“
Die „Herrlichkeit Gottes“ ist, wie Vers 3 des 22. Kapitels zeigt, über das Symbolbild des Thronsessels sichtbar gemacht, der im Fresko durch eingelegte Silbermosaik-Platten feierlich erhöht wird.
Zu Füßen des Thrones fließt ein blutig-roter Strom hervor, der Strom des Lebens. Zwar spricht der Prophet von einem „lauteren Strom des lebendigen Wassers, klar wie ein Kristall“, doch die Auslegung, daß das lebendige Wasser als das erlösende Blut Christi, des „Lammes Gottes“, verstanden werde kann, wird durch das 12. Kapitel des Hebräerbriefes bekräftigt: „Ihr seid gekommen zu dem Berg Zion und zu der Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen Jerusalem … und zu dem Mittler des neuen Testaments, Jesus, und zu dem Blut der Besprengung, das da besser redet denn Abels.“
Zu beiden Seiten des Stromes wachsen nach oben, über das helle Zentrum des Freskos sich ausdehnend, vegetative Formen, den „Baum des Lebens, der zwölfmal Früchte trägt“ versinnbildlichend.
Der Sinn dieses Altarbildes ist es nicht, eine reale Stadt zu zeigen.
Es versucht vielmehr, die seherischen Worte des Apostels Johannes bedenkend, von der überirdischen Wirklichkeit jener heiligen Stadt eine Ahnung zu vermitteln, in der einst die Gerechten am Strom des lebendigen Wassers ihren Durst löschen und an den Früchten vom Baume des Lebens ihren Hunger stillen werden, so wie wir jetzt beim heiligen Mahle in den sakramentalen Gestalten von Wein und Brot das ewige Leben empfangen.
Franz Nagel