Pfarrverband Reichenkirchen-Maria Thalheim

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Die Geschichte der Wallfahrt Maria Thalheim




Maria Thalheim ist die älteste Marienwallfahrt im Erdinger Land.
Kirchlich wird "Thallhamb" erstmals 1315 als
Filiale von Riding erwähnt.

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Eine Wallfahrt besteht nach einigen Quellen vermutlich schon seit der Mitte des 14. Jahrhunderts.
Anno 1419 war Thalheim jedenfalls schon ein bekannter und von weitem besuchter Wallfahrtsort.

Der Legende nach verehrten die Gläubigen in früheren Zeiten ein Marienbild unter einem Hollerstrauch. Dann erbauten sie auf einem Hügel in der Nähe von Thalheim eine Kapelle zu Ehren Mariens. Das Marienbild wurde in feierlicher Prozession in die neue Kapelle gebracht doch über Nacht war es wieder an seine ursprünglichen Stelle in der Hollerstaude zurückgekehrt.
Nachdem sich diese wundersame Erscheinung mehrmals wiederholt hatte, deutete man dieses als Zeichen, dass die Gottesmutter an ihrem ursprünglichen Platz bleiben wollte und erbaute die Wallfahrtskirche beim Hollerbusch.
Dieser Holunder an der Nordseite der Kirche ist bis heute auch botanisch eine Besonderheit.
Er trägt keine sichtbaren Blüten und nur grüne Früchte.

Gegen Ende des 15.Jahrhunderts wurde wegen des großen Zustroms der Wallfahrer eine Vergrößerung der Kirche notwendig, Anfang des 16. Jahrhunderts baute man südlich der Wallfahrtskirche im Friedhof eine dem hl. Michael geweihte eigene "Speiskapelle" um der großen Zahl der Kommunionempfänger an den Wallfahrtsfesten gewachsen zu sein.

Die Reformation und der 30 jährige Krieg scheinen an Maria Thalheim schonend vorübergegangen zu sein jedenfalls war die Pfarrei mit einem Vermögen von 19342.- Gulden die weitaus reichste von über 100 Kirchen und Orden, die ihre Rechnung 1629 beim Pfleggericht Erding vorlegen mussten.

Etwa 1660 errichtete man zur Erfrischung und Reinigung der Wallfahrer einen Brunnen, der sogenannte "Röhrlbrunnen". Sein Wasser gilt als heilkräftig und viele Wallfahrer berichteten von Gebetserhörungen und wundersamen Heilungen.

In sogenannten Mirakelberichten wurden von 1749 bis 1762 immerhin 1414 Gebetserhörungen dem Benefiziaten gemeldet und aufgeschrieben.

In die Blütezeit der Wallfahrt fiel die Übertragung des Gnadenbildes vom Seitenaltar zum Hochaltar am 15. August 1753.

Es wurde berichtet, dass im Verlauf der achttägigen Feierlichkeiten viele hohe kirchliche Würdenträger und fast
40 000 Wallfahrer nach Thalheim gekommen sind.

Während der Aufklärung wurde 1785 auch in Bayern das Wallfahrten an fast allen Werktagen verboten und an Sonn und Feiertagen auf die nächstgelegene Pfarr- oder Filialkirche beschränkt, dadurch kam die Wallfahrt fast vollständig zum Erliegen.

Erst während der Regierungszeit von König Ludwig I. begann sich die Wallfahrt wieder zu erholen
Heute ist Maria Thalheim ein beliebter Wallfahrtsort für zahlreiche Bus- und Einzelreisende sowie die traditionellen jährlichen Bittgänge vieler Pfarreien aus Nah und Fern.





Klausner in Maria Thalheim


Von der Kirche aus gesehen etwa 400 Meter in Richtung Bierbach erhebt sich eine Anhöhe, genannt der Klausenberg. Die erste Kirche bzw. Kapelle in Thalheim stand höchstwahrscheinlich auf dieser Anhöhe.
Der erste Klausner wird erst im Jahre 1701 erwähnt, er hieß Jakob Zeilmaier, und gehörte zum 3. Orden des Hl Franziskus. Er hatte seine Klause südlich neben der Kirche in einem Brunnenhaus, dem sogenannten Röhrlbrunnen, der als Wallfahrtsbrunnen bekannt wurde. Später wurde an dieser Stelle das Kramerhaus erbaut.

Nach der Überlieferung hielt er dort im „Obergemach“ für die Thalheimer Kinder Schulunterricht, wegen des spanischen Erbfolgekrieges war der offizielle Schulunterricht auf dem Lande eingestellt worden.
Im Jahre 1726 trat er diese Klause nebst Zubehör an den Frater Kaspar Rainer, Eremit bei St. Emeran (Unterföhring) ab. Dieser erhielt von der geistlichen Regierung in Freising ausnahmsweise die Erlaubnis, sich ab 15. Mai als zweiter Klausner in Thalheim niederzulassen.
Jakob Zeilmaier bezog nun etwas außerhalb des Dorfes auf dem „Klausenberg“ eine neue Klause mit einem großen Garten. Dieser Garten gehörte noch bis ins 20.Jahrhundert zur Thalheimer Schule.

Obwohl die Klausner arm und bescheiden lebten, kam Jakob Zeilmaier auf dramatische Weise ums Leben. Er wurde in der Nacht vom 6. zum 7. Januar 1735 in seiner Klause von Räubern überfallen, ausgeplündert, grausam gepeinigt und zuletzt getötet.
Eine Votivtafel an der südlichen Kirchenwand erinnert uns an diese schreckliche Untat.
Nur die drei Buchstaben F I Z und die Jahreszahl 1735 auf der in die Innenseite der südlichen Wand der Michaelskapelle eingelassenen bescheidenen Steintafel weisen auf die Stelle hin, wo der Klausner beerdigt wurde.
Jakob Zeilmeiers Nachfolger blieben als Klausner in Thalheim, bis durch eine „Landesherrliche Verordnung“ vom 12.Mai 1804 die Eremiten in Bayern abgeschafft wurden.
Die Straße, die vom Mesnerhaus über den Klausenberg zur Kreisstraße führt benannte der Gemeinderat zum Andenken an den ersten Klausner „Jakob-Zeilmeier-Weg“.
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