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PFARRVERBAND OBERES INNTAL

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In dieser Rubrik stellen wir in loser Reihenfolge aktuelle Themen aus christlicher Sicht zur Verfügung, die wir für lesenswert halten.

Das Joch Jesu – sanft? Und seine Last (Gebote) – leicht?

VON P. DOMINIK HÖFER SJM

Nehmt Mein Joch auf euch und lernt von Mir, denn Ich bin sanftmütig und von Herzen demütig, und ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen.
Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht. (Mt 11,29)

Joch
Was sagt Jesus da?
Was ist ein Joch? Ein Joch ist ein höl­zerner Kragen, der auf ein Lasttier wie beispielsweise einen Esel gelegt wird, um eine Mühle zu drehen, einen Pflug zu ziehen oder eine andere Arbeit zu verrichten.
Ein Doppeljoch wird verwendet, um ein Gespann aus zwei Eseln oder an­deren Tieren anzuspannen, um ihre Kraft und Zugkraft zu kombinieren. Das jüdische Gesetz verbietet es je­doch, zwei verschiedene Tiere anein­ander zu spannen (Dtn 22,10).
Um wirklich zu verstehen, was es bedeu­tet, Jesu Joch auf sich zu nehmen, müs­sen wir uns die vielen Arten ansehen, auf die diese Metapher seit den frühen Lagen Israels angewendet wurde.
 
Das Joch hat oft die Knechtschaft veranschaulicht

Das Joch von Jakob und Esau: Isaak sagt seinem Sohn Esau, dass er seinem jüngeren Bruder Jakob dienen wird, aber eines Tages wird er sich von die­sem Joch befreien (Gen 27,40).

Das Joch war auch ein Symbol für die Autorität eines Herrschers
Das Joch der Tyrannei eines Königs: Als König Salomos Sohn Rehabeam den Thron bestieg, bat ihn das Volk, ihm die Last zu erleichtern, die sein Vater den Bürgern des Königreichs auferlegt hatte. Rehabeam zeigte keine Gnade und erklärte:
Während mein Vater ein schweres Joch auf euch gelegt hat, will ich euer Joch noch mehr erschweren. Mein Va­ter hat euch mit Peitschen gezüchtigt, aber ich werde euch mit Skorpionen züchtigen (1 Kön 12,11).

Das Joch der Tyrannei eines Pharaos
Gott verglich die Versklavung des jü­dischen Volkes unter dem Pharao mit einem Joch, indem er zu Israel sagte: Vor langer Zeit habe ich dein Joch ge­brochen und deine Fesseln zerrissen; aber du hast gesagt: „Ich will nicht dienen.“ (Jer 2,20).
 
Das Joch des allmächtigen Gottes
Das Joch ist auch ein Symbol für Got­tes heilige Herrschaft. Als Gott Israel aus Ägypten rettete, band er sein Volk an sich selbst.
Wie tat er das? Indem er ihnen den mosaischen Bund gab, der genau dar­legte, wie man heilig lebt - um ein kleines Abbild der Heiligkeit Gottes selbst zu werden.
Steht an der Weggabelung und schaut! Fragt nach den alten Wegen, fragt, wo der gute Weg ist und wandelt auf ihm und ihr werdet Ruhe für eure Seelen finden. Aber du hast gesagt: Wir wer­den nicht darin wandeln (Jer 6,16).
Israel stand am Scheideweg. Pro­pheten und Priester gleichermaßen warfen das Joch von Gottes Gesetz, Schutz und Gnade ab. Von den Kleinsten bis zu den Größten haben alle den Weg der Gier und des Be­trugs eingeschlagen (Jer 6,13).
Die Konsequenz für diese Rebellion ist heute genauso anwendbar wie da­mals:
Wenn wir nicht an Gott gebunden sind, dann sind wir an einen Feind gebunden.
Jeremia erklärt auch, dass ein Neuer Bund geschlossen werden wird, in dem Gottes Joch (Seine Anweisun­gen) auf die Herzen der Menschen gelegt wird, und die Menschen werden das neue Gesetz kennen, es wün­schen und es erfüllen (Jer 3,33-34).

Das Joch der römischen Tyrannei
Nachdem das jüdische Volk aus Baby­lon zurückgekehrt war, lebte es ununter­brochen unter dem Joch eines fremden Herrschers.
Im 1. Jahrhundert v. Chr. zwang Rom Israel unter sein Joch und führte hohe Steuern und andere Vorschriften ein, die dem jüdischen Volk große Lasten auf­erlegten. Im Jahr 68 n. Chr. begann in Judäa ein Aufstand gegen Rom und im Jahr 70 n. Chr. belagerten die Römer Je­rusalem und zerstörten den Tempel.

Das Joch der Gesetzeslehrer
Zu der Zeit, als Jesus die Menschen lehr­te, Gott zu folgen, fügten die anderen re­ligiösen Lehrer seiner Zeit immer neue Regeln und Vorschriften hinzu.
Die Gesetzeslehrer lehrten Satzungen der Menschen, wie zum Beispiel, dass Jesus am Sabbat nicht heilen sollte oder dass er seine hungrigen Jünger keine Ge­treideähren pflücken lassen sollte, um sie an diesem heiligen Tag zu essen (Mt 12,1-8; Mk 3,1-6; 7,7).
Jesus antwortete auf menschengemach­te Vorschriften: Wehe euch, weil ihr den Menschen Lasten aufbürdet, die sie kaum tragen können, und ihr selbst doch keinen Finger rührt, um beim Tra­gen zu helfen (Lk 11,46).
Im Gegensatz zu diesen rabbinischen Regeln war es immer Gottes Wunsch­ ge­wesen, seinem Volk Frieden, Ruhe und Freiheit zu bringen, nicht unerträgliche Lasten.
Wie soll diese Freiheit Wirklichkeit wer­den?

Das Joch Gottes - das Joch Jesu
Als Jesus kam, war das jüdische Volk mit den Jochen bestens vertraut - dem Joch tyrannischer israelischer und grausamer ausländischer Könige — ganz zu schwei­gen von den zermürbenden Jochen rabbinischer Regeln und Vorschriften.
Endlich war die Zeit gekommen, dass jedes dieser eisernen Joche abgeworfen wurde und das leichte Joch eines heili­gen, gerechten Königs an ihre Stelle trat.

Warum ist Jesu Joch so leicht?
Sicherlich liegt es nicht daran, dass es einfach ist, Jesus zu folgen. Er hat auch niemandem einen Rosengarten verspro­chen (Mt 10,24).
Er hat sogar angekündigt, dass jeder, der versucht, sein Leben in dieser Welt zu erhalten, es verlieren und wer sein Leben in dieser Welt verliert, es bewahren wird
(Lk 17,33).
Indem wir das Joch Jesu ergreifen, der das fleischgewordene Wort Gottes ist, und auf seinem Weg wandeln, suchen wir unsere himmlische, ewige Heimat mit dem Erlöser Jesus als unserem Kö­nig und unserer ewigen Hoffnung.
Jesu Reich auf Erden begann sich mit seiner Ankunft vor 2000 Jahren auszu­breiten. Es wächst weiter und breitet sich mit Kraft aus.
Das Joch Jesu auf sich zu nehmen be­deutet, dass wir das Joch des Himmels auf uns nehmen und Jesu Worte und seine Handlungen immer mehr be­trachten und nachahmen, so gut wir es können. Wenn wir in Liebe seine Ge­bote halten, werden wir ihn auch im­mer besser erkennen und lieben lernen. So bleiben wir wahrhaft ungebunden von Ängsten und Süchten und werden immer freier, um Zeugnis für Gottes Größe, Schönheit und Güte zu geben.
Das führt zur wahren Ruhe und zum Frieden für unsere Seelen.
Wir richten unsere Augen nicht auf das, was man sieht, sondern auf das, was man nicht sieht.
Denn was man sieht, ist vergänglich, was aber unsichtbar ist, ist ewig (2 Kor 4,18).