Pfarrverband Reichenkirchen-Maria Thalheim

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Orts-/Adelsgeschichte von Fraunberg

Himmel über Fraunberg öffnet sich!
Der Himmel öffnet sich über Fraunberg
von Dr. Georg Brenninger (aus dem Kirchenführer von 1991)

Ortsgeschichte:
Wann die Ortschaft Fraunberg gegründet wurde, entzieht sich unserer Kenntnis, da ihre erste Erwähnung mit der Namensnennung von "Arnoldus de Fraunperg" 1144 relativ spät ist, während die umliegenden Orte wesentlich früher (bis ins 9. Jahrhundert) urkundlich bezeugt sind. So können wir nur vermuten, dass die geographisch günstig am Übergang von der Schotterebene ins Erdinger Holzland gelegene Siedlung zumindest seit der bajuwarischen Zeit, also um 600 n. Chr., bestand - allerdings unter einem uns unbekannten Namen. Denn der heutige Ortsname bezieht sich unübersehbar auf das Adelsgeschlecht der Herren von Fraunberg, die aber hier nur bis in die Zeit um 1100 zurückreichen. Das Ortsbild wurde ja Jahrhunderte nicht von der Kirche sondern vom Wasserschloss bestimmt, wie es uns in der Barockzeit (um 1710) Michael Wenig in Kupfer gestochen vorzeigt.

Adelsgeschichte:
Von den bedeutendsten Vertretern des Alten-Fraunberger Adels (1630 Erhebung in den Reichsfreiherrenstand, insgesamt jahrhundertlang verwandtschaftlich zusammengehörig mit den Fraunhofener zu Alt/Neu-Fraunhofen und den Grafen zu Haag, zu den vier Erbrittern des Heiligen Römischen Reiches zählend) seien nur einige Namen herausgegriffen, die im kirchlichen Leben eine Rolle spielten: Agnes von Fraunberg, die 10. Äbtissin von Frauenchiemsee (+ 1246), Vitus von Fraunberg, 1563 zum Bischof von Regensburg gewählt, und Josef Maria Johann Nepomuk von und zu Fraunberg, geboren 14.10.1768 im Schloss Altenfraunberg, 1819 bis 1824 Bischof von Augsburg, gestorben am 17.1.1842 als Erzbischof von Bamberg (dort an der Westseite sein neugotisches Grabdenkmal). Auf des letzteren Initiative hin geht in der Zeit von Minister Montgelas die Einführung der allgemeinen Schulpflicht zurück.

Die Adelsfamilie „von Fraunberg“ bewohnt noch heute das aufwändig restaurierte Schloss. Die Glocke des nicht mehr existierenden Schlossturmes befindet sich im Turm der Pfarrkirche. Zwei Schlossweiher sind noch vorhanden.


Quellen:
Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, GL 985.
Staatsarchiv Landshut, Rep. ad 7b, V:6, Fast. 24, Nr. 167 Archiv des Erzbistums München-Freising 189300201,189400103-189400104.
Pfarrarchiv Reichenkirchen, Kirchenrechnungen Fraunberg 1782 ff.
Staatsarchiv München, LRA 147672 und Kataster 5170.
Literatur:
Dettinger, Martin von: Die älteren Matrikeln des Bistums Freising, Bd.s, München 1849, 540-541.
Mayer, Anton: Statistische Beschreibung des Erzbistums München-Freising, Bd.s, München 1874, 374-375.
Die Kunstdenkmale von Bayern 1,4: Bezirksamt Erding, München 1902 (= Nachdruck München-Wien 1982), 1244-1245.
Brenninger, Georg: Die Orgeln des Landkreises Erding in Geschichte und Gegenwart (= Erdinger Land 1), Erding 1977, 86.
Des.: Pfarrkirche Fraunberg (= Kunsttopographie des Erzbistums München-Freising), Typoskript.
Zur Adelsgeschichte:
Soden-Fraunhofen, Georg Graf von: Fraunberg-Fraunhofen, entstammen sie einer Familie? in: Zwischen Sempt und Isen 15 (1972) 3-10
Text: Dr. Georg Brenninger, Schröding
Fotos: Dr. Gerhard Rieger, Lohhof
Herausgeber: Kath. Kirchenverwaltung Fraunberg 1991
Druck: Franz Gerstner, Wartenberg