Pfarrverband Rohrdorf

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Geschichte der Pfarrei Lauterbach

St. Johann Baptist Rohrdorf/ Lauterbach
Altar Lauterbach

Chronik der Lauterbacher Kirche

In fernen Tagen...

Am rechten Ufer des Inns schlängelt sich die Römerstraße. Das Inntal hatte schon in den ersten Jahrhunderten Kontakt mit dem Christentum. Kaufleute und Soldaten bringen die Lehre des Christentums. Dies hatte einen besonderen Zauber als Geheimlehre. Besonders durch die Berichte der Verfolgungen über Märtyrer und Martern.

465 eroberte Odoaker Italien. Die Bajuwaren drängten die Römer zurück. Gefechte sind bezeugt bei Ötting, Aurisium (Aising), Beuren.

Die Glaubensboten kommen. Ein Chronist beschrieb dies so: Ein strategischer Punkt war Immelberg. Einmal - es war um 500 n.Chr. - leuchtete zu Immelberg das Notsignal. Eine Völkerschaar aus dem Osten drängte herein und die Unterküfte der Römer bekamen neue Bewohner... Wo vorher dem Jupiter geopfert wurde, beherrschte nun Wotan das Götterreich... Aber der Götzendienst hatte nur noch kurzen Bestand. Siegreich drang die Lehre des Nazareners vor. Die Axt wurde an die Eiche gelegt und unter mächtigen Hieben der ewigen Wahrheit wankte ihr Wipfel in den Lüften. In Lutrinpach beugten die Heiden ihre Nacken und ließen das taufende Wasser über ihr Haupt fließen.

Glaubensboten aus dem Kloster auf der Herreninsel lassen sich bei Frasdorf ("Zellboden", "Zellerhorn") und am Simssee nieder. Von hier aus wird Lauterbach als Taufkirche gegründet. Der Kirchenpatron Johannes der Täufer ist Patron der Taufkirchen und ein Symbol der vorhandenen Wildnis.

Der Hl. Rupert (650-720) wurde um 700 erster Bischof von Salzburg. Er was aus rheinfränkischem Adel, Missionar und Klostergründer in der Tradition der iro-schottischen Mönche. Verbreitete und verstärke das Christentum von Salzburg aus auch im Chiemgau.

Die Pfarrei Lauterbach

Im Verzeichnis des Bischofs Arno von Salzburg "Notitia Arnonis" stand 788 am Ufer der Achen zu Lauterbach bereits eine Pfarrkirche. "Ad Lutrinpah eccl. tantu" (Dorf am lauteren Bach, Kirche - nur solche = ohne weiteren Besitz). Bis 1620 hatte Lauterbach die Taufhochheit von Windshausen bis Rosenheim und vom Inn bis Riedering.

Durch die Taufhoheit war die Pfarrei eine der vermögensten Pfarreien in weiter Umgebung, bis zur Säkularisation, bei der man das restliche Vermögen von 10443 Gulden eingezogen hat. Der Staat und die umliegenden Gemeinden waren die größten Schuldner Lauterbachs. So wurde der Wiederaufbau der Nikolauskirche in Rosenheim nach dem Brand fast von Lauterbach bezahlt. Ebenso nach dem Brand der Rohrdorfer Pfarrkirche wurde der Hochaltar und die Seitenaltäre aus Hall gekauft.
Kredite gingen an die Königin Karoline von der Pfalz in Höhe von 2000 Gulden für die Besiedelung des Kolbermoores und Großkarolinenfeld sowie des Donaumooses.

Für die Ortsansässigen wurden Kredite bei Hofübergabe vergeben sowie für Heiratswillige. Bei allen Kreditnehmern wurde hervorgehoben, dass die Schuldner von Lauterbach kein Joch zu tragen hatten. Konnte man den Zinssatz von 5% nicht bezahlen, wurde er gestundet.

Erwähnenswert ist auch die Tat eines Hilfspriesters, der ab 1630 durchgehend einen Schulunterricht gründete. Er fuhr persönlich nach München um die Bücher einzukaufen. Der erste Lehrer war ein 15 jähriger Jüngling aus Schaurain, der dieses Amt bis zu seinem Tode ausübte.

Die Kirche

Die erste Kirche war eine Holzkirche, die vom jetzigen Standort aus zum Bach hingebaut war. Im 11. Jahrhundert baute man den jetzigen Turm dazu mit "Sakrarium" (Tabernakel). Das derzeitige Kirchenschiff wurde in der 2. Hälfte des 15. Jh. spätgotisch erbaut.

  • 1650 wurde ein neuer Hochaltar vom Münchner Bildhauer Constantin Badter mit 2 Seitenaltären errichtet.
  • 1660 kam ein spätgotischer Seitenaltar nach Greinbach.
  • 1638 wurde die Turmuhr angebracht.
  • 1670 bekam der Kirchturm statt einem Satteldach eine frühbarocke Kuppel (Zwiebel).
  • 1750-1762 barockisiert vom Rohrdorfer Kistler, Fresken von Maler Höttinger. Umgestaltung des Hochaltars, Seitenaltäre schräggestellt, neues Gestühl und Kanzel.
  • 1818-1824 Turm renoviert; Langhaus um ein Joch verlängert.
  • 1830 Kirchenschiff verlängert.
  • 1848 Sakristei an der Ostseite angebaut.
  • 1851 Ziegelpflaster durch Kehlheimer Platten ersetzt.
  • 1895 Fresken zerstört, neue Fresken von Kunstmaler Glötzle aus München.
  • "Auf dem Musikchor wird von 1730 an bis heute das "Regal" geschlagen". 1830 erbaute Orgelbauer Josef Wagner aus Glonn die Orgel, die 1883 renoviert wurde.
  • 1904 wurde das Langhaus neu ausgemalt.
  • 1937 Pflege und Reinigung der Bilder und Figuren der Altäre.
  • 1971 Erneuerung des Turmdaches, Eindeckung mit Kupfer.
  • 1984 Kirchdach mit Schieferschindeln neu gedeckt.
  • 1985-1986 Innenrestaurierung (Seitenaltäre, Sakristei, Kreuzwegbilder, Krippe, Alarmanlage) Kosten 145,000.-DM. Urkunde über die Arbeiten in der Kugel auf dem Turm.

Die Kirchenglocken

1. Glocke: Wetterglocke (1679).
Girlanden mit Engeln, Madonna mit dem Kinde und Szepter / Christus crucifixus.
Inschrift: "Johann Melchior Ernst goss mich in München MDCLXXVIII. Aus dem Feuer Floß ich."
"Sanktos Collando Tonitrua Repello Funerca Claudo" (Die Heiligen ehre ich, Unwetter vertreibe ich, Leichen beklage ich).

2. Glocke: Marienglocke (1707).
Ziselisierter Kranz.
Inschrift: "Omnes Sancti Dei intercredite pro nobis" (Alle Heiligen Gottes treten für mich ein).
"J.M. Langenegger in München Anno 1707 goss mich."
Renaissance-Kranz mit Engelsköpfen.
Christus crucifixus / Christus einen Kelch segnend / Madonna mit Szepter / Johannes der Täufer
Unterer Rand: blank.

3. Glocke: Sterbeglocke
(1743).
Inschrift: "Fusa Ab A.L. Ernst Monachy 1743"
Renaissance-Kranz mit Insignien (Schlüssel und Stab)
Inschrift: "I.N.R.J. Miserere Nobis".
Christus am Kreuz mit den beiden Schächern, Maria, Johannes, Jakobus der Ältere mit Kranz und Pilgerstab; Johannes in der Wüste; St. Nikolaus (Bischof von Myra), Stab, Buch mit Kugeln.

1766 Glockenstuhl aus Eichenholz.
1914 Glocken vom Einschmelzen befreit.
1942 beide große Glocken abmontiert; vorher Geläute auf Tonband aufgenommen.
1946 Kooperator Johann Becker fährt zur Sammelstelle nach Hamburg und erreicht den Heimtransport der Glocken per Bahn nach Rosenheim, mit blumengeschmückten "Holzvergaser" nach Lauterbach.