Stadtkirche Bad Aibling

Maria Himmelfahrt (08061/93280) und St. Georg Bad Aibling (08061/497590), St. Jakobus Willing, Heilig Kreuz Berbling
WGF

Wortgottesdienst - Sonntagspflicht erfüllt?

In der jetzt zurückliegenden Ferienzeit mussten wir in unserer Seelsorgeeinheit auch am Wochenende (Vorabend oder Sonntag) in einigen Pfarr- und Filialkirchen priesterlose Wortgottesfeiern (geleitet von einem pastoralen Mitarbeiter in unserem Team) ansetzen. Da war es verständlich, dass bei einigen Gläubigen wieder die Frage auftauchte: Habe ich mit dem Besuch einer solchen Feier meine "Sonntagspflicht" erfüllt?

Im Normalfall besteht die Sonntagspflicht darin, an einer heiligen Messe teilzunehmen. Dazu muss aber einiges gesagt und geklärt werden. Der Normalfall ist, wenn es eine solche Messe gibt, die gut zumutbar zu erreichen ist. Außerdem kommt es auch noch darauf an, in welcher gesundheitlichen Verfassung sich der Gläubige befindet. Gerade ältere Menschen haben oft Schwierigkeiten damit, dass sie aus rein körperlichen Gründen nicht mehr am Gottesdienst teilnehmen können. Diese Sorge ist absolut unberechtigt, denn die Sonntagspflicht ist kein sklavisch einzuhaltendes Gesetz, und es gibt andere Möglichkeiten und Angebote, die durchaus ein Ersatz sein können und auch gerne in Anspruch genommen werden: Viele Menschen nehmen sehr aufmerksam und andächtig an Gottesdiensten am Fernsehen oder am Radio teil. Das ist dann eine gute Alternative, wenn der Besuch der Kirche nicht möglich oder sehr beschwerlich ist.

Was die Wortgottesfeiern angeht, die von Diakonen, Pastoralreferenten oder Gemeindemitgliedern gehalten werden können, so sind auch diese dort eine gelungene Alternative, wenn einfach kein Priester mehr zur Verfügung steht. Natürlich wäre es wünschenswert und schön, wenn flächendeckend die Eucharistie gefeiert werden könnte. Aber das ist schon seit Jahren in vielen Gegenden nicht mehr der Fall. Deshalb ist es mehr als lobenswert, dass sich Gemeinden am Sonntag dennoch "vor Ort" treffen, um miteinander zu beten, zu singen und Gott zu loben.

Eine Frage bei solchen Gottesdiensten ist immer wieder die Kommunion. Generell gilt, dass das Austeilen der Kommunion in einer Wortgottesfeier am Sonntag vom Ortsbischof autorisiert werden muss. Dafür gibt es auch gute Gründe, denn es soll nicht der Anschein entstehen, dass die heilige Messe so schleichend ersetzt wird. Die Erfahrung zeigt aber, dass die Bischöfe dort, wo klare und pastoral verständliche Gründe vorgebracht werden, die Austeilung der heiligen Kommunion erlaubt werden. Es kommt ja auch immer darauf an, wie die Verantwortlichen einer Gemeinde mit diesem Glaubensgeheimnis umgehen.

Die gestellte Frage nach der Sonntagspflicht ist sehr verständlich, da sie ja früher unter Androhung von Sündenstrafe eingefordert wurde. Gerade die Wortgottesfeier bedient einen ganz wichtigen Aspekt des Sonntags: Die Gemeinde versammelt sich; sie hält den Glauben wach, hört unsere heiligen Texte und betet in vielfältiger Weise. Sie tut damit das Ursprünglichste, was unsere Kirche ins Leben gerufen hat: versammeln der Gläubigen am Sonntag, dem Auferstehungstag unseres Herrn.

Ich finde es schade, dass es in dieser Frage immer noch so viele Ängste und Bedenken gibt - auch aus "kirchlichem Mund"!

Ihr Bernd Schmitz, Ständiger Diakon