Katholischer Pfarrverband Ampfing

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2026 - Warum heißt das Theresianum eigentlich so?

Bild zeigt das Theresianum um 1971 und Frl. Theres, die dem Gebäude den Namen gab.
Das Theresianum um 1971 | Frl. Theres 1974 an ihrem 80. Geburtstag
Das Ökonomiegebäude wurde zusammen mit dem Pfarrhof 1640 erbaut. Es diente der damaligen Klosterökonomie (Ampfing war von 1220 bis zur Säkularisation 1803 dem Kloster Au incorporiert) als Rossstall, sowie als Heu- und Holzlege. Nach der Säkularisation stand das Gebäude leer.
Bei einem geplanten Umbau des Pfarrhofes 1827 sollte das Gewölbe im Ökonomiegebäude herausgerissen und ein Stadel eingebaut werden. Der Umbau wurde aber aus Kostengründen nicht genehmigt und nicht vollzogen.
Beim Neubau des Pfarrhofes im Jahre 1889 beantragte Pfr. Schedl den Abbruch dieses „ruinösen Gebäudes“. Dieser sollte aber erst dann erfolgen, wenn ein neuer Stall und Stadel für die pfarrliche Ökonomie gebaut worden sei, wozu es aber aus finanziellen Gründen nie mehr kam. 1906 wurde lediglich das Dach erneuert.
1944/45 wurde das Gebäude von der Oberbauleitung der Organisation Todt (OT) genutzt. Diese baute die Stallung zu einem Casino um und den Heuboden zu einer luxuriösen Wohnung für den Bauleiter mit drei Zimmern, Küche, Bad und Klosett. 1945 wurde das Casino von den Amerikanern als Speisesaal, dann 1946 – 1948 vom Jüdischen Komitee als Synagoge benutzt. Zusammen mit dem im Süden vorgelagerten Luftschutzbunker wurde das Gebäude dadurch zu einem geschichtsträchtigen Ort, einem Ort der Täter und Opfer zugleich.
In den Jahren danach renovierte die männliche Pfarrjugend den Raum im Erdgeschoß. Dabei wurden Gewölbeteile mit einer Mauer verbunden und die Bretter der ehemaligen Theaterbühne als Fußbodenbretter verwendet. Im Februar 1957 konnte die Pfarrjugend dann ihre Heimabende vom Duschlwirt bzw. Schule in „ihren“ Jugendraum verlegen. Nach Fertigstellung des neuen Pfarrheimes im Jahre 1977 zog die Jugend dorthin um und im Erdgeschoß des Ökonomiegebäudes wurde nach einer weiteren Renovierung ein Tauschladen eingerichtet.
1954, beim Amtsantritt von Pfarrer Engartner, zog Pffarrer Dr. Lipp mit seiner Haushälterin Theres Hanslmeier in die Wohnung im 1. Stock Fräulein Theres „residierte“ insgesamt 25 Jahre in dieser Wohnung – daher auch der neuere Name für dieses Gebäude „Theresianum“. Nach dem Tode von Fräulein Theres wurde die Wohnung in den Jahren 1982/83 renoviert und im Laufe der nächsten Jahre an verschiedene Ampfinger Familien und Seelsorger vermietet.
Um das Gebäude dem Neubau des Pfarrheimes anzugleichen, wurden Anfang/Mitte der 70ger Jahre (im Zuge der Baumaßnahmen des neuen Pfarrheimes) die Fundamente und das Dach des Ökonomiegebäudes saniert bzw. erneuert, sowie der Außenputz abgeschlagen und erneuert. 1974 wurde das Gebäude in die Bayerische Denkmalliste eingetragen.
In den Jahren 2008 – 2010 fand eine weitere statisch-konstruktive Instandsetzung unter denkmalpflegerischer Aufsicht statt und das Gebäude dadurch als Kunst- und Geschichtsdenkmal gesichert und erhalten. Der untere historische Raum mit einer böhmischen Kappendecke, Marmorsäulen und Ziegelpflaster sowie wiederentdeckten Wand- und Deckenmalereien wird seitdem als Veranstaltungs- bzw. Sitzungsraum genutzt, die Wohnung im 1. Stock wird an Seelsorger vermietet.
 
Rosmarie Waldinger, Pfarrarchivarin