Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung unseres Angebots erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen.
OK
Mehr Infos

Pfarrverband Steinhöring

Münchener Str. 36, 85643 Steinhöring, Telefon: 08094-9050330, E-Mail: PV-Steinhoering@ebmuc.de

St. Georg, Oberndorf Kuratie

kirche Oberndorf von Osten

Aus der Geschichte unserer St. Georgs – Kirche in Oberndorf

„Ein kunsthistorisches Kleinod an der alten Salzstrasse” so nannte  der Heimatforscher  Markus Krammer  unsere St. Georgs - Kirche in Oberndorf.  Er grub viel Wissenswertes um die Geschichte dieser Kirche aus.
Bereits in der Jungsteinzeit war unsere Landschaft besiedelt, was archäologische Funde beweisen. Um das Jahr 1000 ist von Oberndorf bekannt, dass es eine Kirche mit eigener Pfarrei gab. Ihr wurden die Kirchen von Haging, Lauterbach und Frauenneuharting zugewiesen. Aber schon 34 Jahre später schenkte der Ebersberger  Graf Adalpero den Ort Oberndorf samt Kirche an das Kloster in Ebersberg.
Der Kirchenbau war schon von Anfang an in Stein ausgeführt. Von der Würmeiszeit her, vor etwa 20 000 Jahren, gab es genügend  „Feldbummerl“, sowie Tuff- und Nagelfluhsteine, die  für den Bau verwendet wurden. Fehlende Brandspuren belegen, dass die Kirche niemals von Feuer heimgesucht wurde.
Anfang des 14. Jahrhunderts wurde durch den  Ebersberger Benediktinerabt  Siegersdorfer (1299 – 1343)  der Turm und das Langhaus im romanischen Stil umgebaut und erweitert.
Der 30 jährige Krieg   (1618 – 1648) ging relativ schadlos an der Kirche vorüber.
In der Barockzeit erfuhr der Innenraum durch reichhaltige Stuckverzierung eine deutliche Verschönerung. Die Deckengemälde zeigen im Chorraum die Enthauptung der hl. Katharina und im Mittelteil des Gewölbes schwebt der hl. Georg, der Namensgeber des Gotteshauses, auf einer Wolke.Im Jahre 1735 veranlassten die Ebersberger Jesuiten bei umfangreichen Baumaßnahmen diese Barockisierung.
Krammer schreibt weiter: „Die Kirche wurde dabei in hervorragender Weise durch heute nicht mehr namentlich bekannte Künstler barockisiert. Im Langhaus zog man ein Tonnengewölbe ein. Der gesamte Innenraum wurde mit einer interessanten und künstlerisch in weitem Umkreis herausragenden Stuckdekoration versehen. Mit zierlichem Bänderwerk, Akanthusranken, Palmetten, sowie Trauben- und  Rosenzweigen hat der Stukkateur die Kirche ausgeschmückt  Aber auch schwere Fruchtgehänge, wie an Perlenschnüren aufgereiht, zieren den Kirchenraum von Oberndorf.“
Das Jahr 1800 zog herauf. Patres und Wanderlehrer kümmerten sich schon geraume Zeit um die schulische Bildung der Dorfkinder. Graf Montgelas  verkündete die allgemeine Schulpflicht  in Bayern. Man errichtete einen Anbau an der Südseite der Kirche, der zwei Schulräume von „24 Schuh Länge und 20 Schuh Breite“ erbrachte. Die Unterrichtsverhältnisse für zuletzt 106 Kinder waren in den kleinen Schulräumen sicherlich fragwürdig. 
1893 erbaute man schließlich neben der Kirche ein eigenes Schulhaus, das teilweise durch die Erhebung  eines Bierpfennigs finanziert wurde.
Die  Säkularisation war in den Jahren um 1803 übers Land gegangen. Auch die Oberndorfer Kirche musste ihren  „Kirchenschatz“ abliefern. Er bestand aus einigen Ketten und Ringen , silbernen Votivgaben, einer roten Korallenkette und kleinen Kelchen. Der Klosterkirche in Ebersberg erging es etwas schlechter; sie wurde weitaus schmerzhafter geplündert. 
Der 1. Weltkrieg neigte sich schon seinem verhängnisvollen Ende zu, als 1917 befohlen wurde, die Kirchenglocken abzunehmen, um sie zu Kanonenrohren umzuschmelzen. Welcher Widersinn,  -  die klangvollen Stimmen der Gotteshäuser wurden zu Mordinstrumenten. Die Filialkirchen Haselbach und Traxl mussten je eine, Oberndorf zwei Glocken abliefern.
Am Ende der Weltkriege waren es 194 Väter und Söhne aus unserer Gemeinde, die nicht mehr von den Schlachtfeldern zurückkehrten. In der großen Nische  neben dem Kircheneingang  wird ihrer gedacht.
Bei Renovierungsarbeiten im Jahr 1921 konnte das Hauptfresko über dem Mittelschiff, das den Kirchenpatron zeigt,  wieder frei gelegt werden.  1955 gelang es noch weitere Fresken zu rekonstruieren.
Die letzte Renovierung wurde im Jahr 1993  abgeschlossen, die dann das Gotteshaus im heutigen Glanz erstrahlen ließ. Viele geschickte Handwerker  zeigten ihr Können. Der farbliche Eindruck der Deckengemälde und der Wandbemalung ist der Kirchenmalerin Elisabeth Keilhacker zu verdanken.  Große Verdienste haben sich unser Kirchenpfleger, Herr Johann Hilger, und unser Mesner, Herr Anton Hartmann dabei erworben.
Sie alle haben wesentlich zu unserem  Kleinod an der alten Salzstrasse  beigetragen.

Die Figuren und Darstellungen im Inneren unserer Kirche

Unmittelbar hinter der schweren Eingangstüre wartet der  „Schmerzensmann“  in halblebensgroßer Erscheinung auf den Besucher, eine Holzfigur, bemalt im Nazarenerstil (Anfang des 18. Jahrhunderts). Ihm gegenüber steht eine kleine Statue des  hl. Antonius  (etwa um 1960)
Unter dem Chor gelangt man in das Langschiff. Die prächtigen Deckengemälde wurden bereits erwähnt.
 Links und rechts sind die 14 Stationen des  Kreuzweges dargestellt.
Blickt man rückwärts, so fallen die acht Bilder an der Emporenbrüstung auf, die das Martyrium des Kirchenpatrons
St. Georg  zeigen. Die Bildunterschriften, von links nach rechts: 
Die acht Stationen des Martyriums des hl. Georg

+  Streitet mit dem Drachen und überwindet ihn
+  Wird gefangen und in den Kerker gestoßen und mit einem großen Stein gepeinigt
+  Wird auf ein Rad gebunden und mit spitzigen Eisen umgewalzt
+  Wird in einen brennenden Kalkofen geworfen, herausgezogen und geschlagen
+  Wird in glühenden eisernen Schuhen von den Soldaten dem Götzentempel zugejagt
+  Stürzt vor dem Kaiser Diokletian, im Tempel stehend, die Götzen zu Boden
+  Bekehrt Alexandra, die Kaiserin, zu dem wahren Glauben, den sie auch standhaft bekennt
+  Zu dem Tode verurteilt und mit einem Schwert öffentlich hingerichtet
Auf dem linken Seitenaltarbild hält der  hl. Josef  das Jesuskind schützend in den Armen.
Ihm gegenüber erstrahlt der  hl. Leonhard, der Tierheilige, in seiner schönen Blattgoldkleidung.
Eine besondere Rarität ist die Kombination von Beichtstuhl und Predigtkanzel, die in Bauernbarockkirchen dieser Zeit sehr selten vorkommt.
 Der rechte Seitenaltar ist der  Mutter unseres Herrn  gewidmet. Unsere kleine  Schwarze Madonna,  mit dem Goldkrönchen und dem Jesuskind auf dem Arm, dürfte eine Nachbildung der Altöttinger Schwarzen Madonna sein. Der Oberndorfer Mesner weiß zu berichten, dass im 17. Jahrhundert zu ihr kleine Wallfahrten stattfanden.
Gegenüber, fast wie versteckt, hängt aus dieser Zeit ein Votivschrank an der Wand.

Und nun zum Hauptblickfang, dem barocken Hochaltar.

Der Tabernakel am Hochaltar
Er ist gekrönt von einer seltenen Darstellung der Heiligen Dreifaltigkeit, in der die Weltkugel von Gott Vater, Jesus Christus und dem Heiligen Geist behütet wird. Das Altarbild wurde erst 1852 vom Ebersberger  Kunstmaler  Anton Rick geschaffen. Es stellt den hl. Georg als Drachentöter dar. Die Prinzessin, die laut Legende der hl. Georg vor dem Drachen rettete, ist ganz unauffällig am linken Bildrand zu erkennen. Die Heiligen  St. Sebastian (links) und  St. Rochus  (rechts) umrahmen das Altarbild.
Die prachtvoll verkleidete Vorderseite des Tabernakels zeigt das Jesuskind, das schon das Kreuz in seiner linken Hand hält. Es steht auf einer goldenen Kugel, die von einer Schlange umringt wird.
Die zwei Heiligen rechts und links vom Tabernakel sind die  hl. Barbara  und die hl. Katharina von Alexandrien.
Beide gehören zu den Vierzehn Nothelfern.
 
Seit Jahrhunderten leuchtet das  Ewige Licht,  das an einer roten Kordel von der Decke herabhängt, für die ewige Anwesenheit unseres HERRN.
Zum Abschluss lenken Sie ihren Blick über die Sakristeipforte auf das  Flammende Herz Jesu Christi,  dessen Segen Sie begleiten möge.

Klaus Reiser, Okt. 2008
Oberndorf Collage 1
Oberndorf collage 2