Herbergsuche in der heutigen Zeit
Oberteisendorf: Am 3. Adventssonntag Nachmittag fand in der Pfarrkirche St. Georg in Oberteisendorf ein adventliches Abendlob mit Musik, Gesang, besinnlichen Texten und Gebeten statt.
Zu Beginn erklangen aus dem verdunkelten Eingangsbereich der Kirche Alphörner, gespielt von Wolfgang Wimmer, Tobias Willberger und Martin Ramgraber. Der tiefe, satte Ton der Hörner brachte eine ganz eigenartige Stimmung in die nur mit Kerzen erhellte Kirche. Das Wort Herberge enthalte das Wort „bergen“, sagte Diakon Sylvester Resch bei der Eröffnung. „Jeder Mensch sehnt sich nach Geborgenheit und Frieden, nach einer Herberge, so wie Maria und Josef vor 2.000 Jahren“, sagte Resch weiter. Gerade auch daran wollte diese Feierstunde erinnern. Mit dabei war der Kinder- und Teeniechor unter der Leitung von Cäcilia Sommer, der die Lieder „Im Advent ist ein Licht erwacht“ und „Auf, werde hell, dein Licht ist da“ voller Inbrunst sang.
Das Duo Maria-Anna und Stefan Kern bereicherte die Feierstunde mit alpenländischen Weisen, meisterhaft gespielt auf Gitarre (Maria-Anna) und Ziach (Stefan). Mit adventlichen Liedern wie „Der Winter kimmt“, „A Zeit, in der mer lusen tut“ oder „A Licht ist aufkomme“ war der Schee-Gsang zu hören. Die harmonischen Stimmen der Sängerinnen Verena Dusch, Anna Kern und Angela Huber begleitet auf der Harfe von Evi Wimschmid, gaben den Liedern eine Wärme und Echtheit, die man nicht häufig hört.
Mit dem adventlichen Singspiel „Herbergsuche heute“ des österreichischen Komponisten Lorenz Maierhofer zeichnete der Chor in zeitgemäßer Weise die Herbergsuche von Bethlehem nach. „Kann es nicht sein, dass es heut auch geschah, grad da?“ heißt es im Text. Die Antwort des „Hausherrn“, bei dem die Herbergsuchenden von heute anklopfen, um Einlass und Zuwendung bitten und sich für ihre Notlage noch entschuldigen, ist kalt und abweisend: „Nein, nein, nicht bei mir!“ Dem Oberteisendorfer Chor, dem Sprecher Richard Geisreiter und dem Solisten Konrad Gruber ist es unter der Leitung von Cäcilia Sommer gelungen, das konzertante Stück perfekt aufzuführen, so dass es die Herzen der Zuhörer tief berührte. Die Trommelbegleitung auf der Djembe durch Johanna Aicher war eine wertvolle Ergänzung.
Vor dem Auftritt des Chors hat Diakon Resch die Zuhörer mit einer „hochaktuellen Herbergsuche“, die in München spielt, eingestimmt. Dort wird die Suche eines jungen Paares, dass kurz vor Weihnachten sein erstes Kind erwartet zum Alptraum. Letztendlich gebärt die junge Frau ihr Kind auf dem Viktualienmarkt. Selbst dort darf sie nicht in die Hütte einer Standfrau, die um ihre Lebensmittel fürchtet. Nur notdürftig abgeschirmt gegen die vielen Gaffer, gebärt sie ihr Kind im Schnee, noch bevor endlich der Notarzt kommt. Wo ist der Unterschied zur Herbergsuche von vor 2000 Jahren?
Vor dem Segen sang der Kirchenchor die offizielle Heilig-Jahr Hymne „Licht des Lebens, Flamme unsrer Hoffnung“, die in diesem Jahr in vielen Kirchen auf der Welt gesungen wird. Zum Schluss brachten die Alphornbläser noch ein Stück auf einem neuen Instrument, einem Rundhorn, dass dem Alphorn sehr ähnlich klingt. Das sei eine Weltpremiere, erklärte Wolfgang Wimmer, einer der drei Bläser. Das neue Instrument wurde von Josef Wolfgruber aus Traunstein aus Fichtenholz gebaut und jetzt in Oberteisendorf erstmals gespielt.
Die Kollekte des Abends wurde für soziale Zwecke gespendet und kam unter anderem der Aktion „Junge Leute helfen“ zugute. - kon