Pfarrverband Isarvorstadt

Der Pfarrverband Isarvorstadt besteht aus den beiden Pfarreien St. Anton und St. Andreas in München

Geschichte St. Anton

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Der folgende Text ist ein Auszug aus der Festschrift "75 Jahre Kapuziner-Pfarrei St. Anton - München" von Florian Ertl und Dr. Carolin Weichselgartner, erstellt im Auftrag von Kirchenstiftung St. Anton und Provinzialat der Deutschen Kapuzinerprovinz. Er schildert, wie es weiterging, als der ANdrang auf die Schmerzhafte Kapelle zu groß wurde.



Die Festschrift kann im Pfarrbüro oder in der Antoniuskirche für 5,00 Euro erworben werden.

Bau der Antonius-Kirche

In der Zeit um 1892 konnte die Schmerzhafte Kapelle den Andrang der Besucher nicht mehr fassen. Ein Zeitungsartikel beschreibt die Situation folgendermaßen: "Vor 40 Jahren besaß München wenig über 100000 Einwohner. Anfangs der Neunziger Jahre aber hatte sich diese Zahl mehr als verdreifacht. Ja, vor 20 Jahren stand die Schmerzhafte Kapelle noch ziemlich vereinsamt am Südende der Stadt draußen. Heute sind diese lokalen Verhältnisse ganz andere, und Kapelle und Kloster sind vollständig umbaut und hundert und hundert von eben erst entstandenen Neubauten sind die Nachbarschaft des Klösterchens geworden. Die Schmerzhafte Kapelle liegt jetzt in Mitte einer katholischen Bevölkerung von 35-400000 Seelen und zwar, da in den beiden Stadttheilen X und XI keine weitere Kirche oder Kapelle besteht, als einziges Gotteshaus für dieselben. Für diese riesige Seelenzahl sollten jetzt schon 2 große Kirchen bestehen." (Eberl: St. Anton S. 148/9)
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Entwurf Ecke Thalkirchner- / Kapuzinerstraße (Foto: Pfarrarchiv St. Anton).
Erzbischof Antonius von Thoma brachte gegenüber Guardian Linus Mörner den allgemeinen Wunsch nach Abhilfe zum Ausdruck. Pater Linus war von Anfang an für einen Kirchen-Neubau an der Westseite des Klosters, was schließlich realisiert wurde. Auch gab es die Idee, an der Ecke Thalkirchner- und Kapuzinerstraße in der nordwestlichen Ecke des Gartens eine neue Kirche zu bauen. Einer der Entwürfe ist links abgebildet.
Dieses Projekt wurde aber bald wieder fallen gelassen, weil die Kirche zu weit weg vom Kloster gestanden hätte. Daneben gab es noch den Gedanken einer Überbauung der Schmerzhaften Kapelle und nach Vollendung der neuen die alte niederzulegen. Da die Kapelle während der Baumaßnahmen für gottesdienstliche Zwecke unbrauchbar war, entschied sich die Provinzleitung doch für einen voll- und selbständigen Neubau parallel zur alten Kirche, sodass zwischen beiden Gotteshäusern das Kloster zu stehen kam. Aufgrund des dringenden Bedürfnisses nach einem geräumigen Gotteshaus begrüßte das Ordinariat das Projekt.

Die Schmerzhafte Kapellen-Stiftung erhielt das Eigentumsrecht am Baugrund und am Kirchengebäude. Da die Kapuziner den Kirchenbau vollständig durch Spenden finanzierten und auch die Baulast an der neuen Kirche übernahmen, erhielt sie die Exemtion der Ordenskirchen.

Das neue Gotteshaus sollte als Patron den heiligen Antonius von Padua und als Mitpatron den heiligen Laurentius von Brindisi - der Ordensgeneral, der die Kapuziner in München einführt hatte - erhalten. Der erforderliche Gemeindegrund wurde unentgeltlich dem Kloster bzw. der Kirchenverwaltung St. Peter überlassen. Auch Prinzregent Luitpold erteilte seine Genehmigung. Innerhalb zweier Monate hatten alle Behörden dem Bauprojekt zugestimmt.
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Georg Leib (Foto: Pfarrarchiv St. Anton)
Georg Leib, Besitzer einer Zimmerei, Landrat von Oberbayern und Gemeindebevollmächtigter der Stadt München, wurde die Bauleitung übertragen, Bauführer wurde Hans Schurr. Damit Leib das Kloster rechtskräftig vertreten konnte, wurde er zum Apostolischen Syndikus ernannt. Er verlangte keinen Lohn und schenkte darüber hinaus noch den mächtigen Kirchen-Dachstuhl. Für seine Verdienste bekam er vom Prinzregenten den Michaels-Orden IV. Klasse und den päpstlichen St. Gregorius-Orden verliehen. Vom Provinzial erhielt er das „Ehrenbürgerrecht im Kapuzinerorden“. Georg Leib ist auf dem Alten Südfriedhof begraben.
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Grab von Georg leib, Grabfeld 31 im südöstliches Eck des Alten Südfriedhofs (Foto: Hubert Ströhle)
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Grundsteinlegung (Foto: Pfarrarchiv St. Anton)
Am Vorabend der Grundsteinlegung wurde am Bauplatz das Kapuziner-Kreuz errichtet und vom Provinzial Pater Franz Xaver Kapplmayr feierlich gesegnet. In der Nacht wurde es elektrisch beleuchtet.

Die Grundsteinlegung fand am 11. Juni 1893 statt: Die Umgebung war festlich geschmückt. Am Festzug beteiligten sich die Kreuz- und Leuchterträger, die Kinder der Tumblinger- und Wittelsbacherschule, des Waisenhauses, die Musiker, die katholischen Gesellenvereine, die Arbeitervereine, die Männervereine, die Volksvereine, die Kirchenbauvereine usw., eine Gruppe Mädchen in Erstkommunion-Kleidern, das Modell der Kirche, die Bauunternehmer, die Sänger, der Klerus und am Schluss der Kapuziner-Konvent.

Nach einer längeren Ansprache legte der Erzbischof in den Grundstein eine Kapsel ein. Sie enthielt das Porträt des Prinzregenten und des Erzbischofs, den Grundriss und die Pläne der Kirche auf Pergament, die Urkunde über die Grundsteinlegung samt einem kurzen Abriss der Geschichte des Kapuzinerklosters in München, eine Luitpold-Gedenkmünze, eine Münze vom Bischofsjubiläum Papst Leos’ XIII. und eine St. Antonius-Medaille. Der Verschluss des Grundsteines stammte aus den Katakomben der heiligen Priscilla in Rom.

Unter Kanonensalven und Gebeten legte der Erzbischof den Grundstein in die vorgesehene Höhlung hinein. Nach der Zeremonie des Hammerschlags besprengte der Erzbischof das Fundament mit Weihwasser. Nach dem bischöflichen Segen las der Oberhirte eine feierliche Pontifikalmesse. Dem folgte ein Festmahl im Refektorium des Klosters. Am Tag darauf wurde ein Seelengottesdienst für die verstorbenen Wohltäter der neuen Kirche gelesen.
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Die Kirche im Bau (Foto: Pfarrarchiv St. Anton)
Bei der Hebefeier am 3. Januar 1894 erhielten die Arbeiter ein reiches Mittagsmahl, jeder Mann zwei Liter Bier und Trinkgeld. Am 27. November weihte Erzbischof Antonius von Thoma die 110-Kilo schwere Antoniusglocke, gegossen von Strasser in München.

Der Erzbischof wollte in München eine große Volksmission abhalten. Die Franziskaner und Kapuziner sollten diese in 12 Kirchen bewerkstelligen. Um auch die neue Antoniuskirche mit einbeziehen zu können, wurde sie erheblich schneller fertiggestellt als ursprünglich geplant. So konnte sie bereits am 10. März 1895 geweiht werden. Wiederum war die ganze Gegend geschmückt, Böllerschüsse verkündeten morgens den Beginn des Festtages.
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Konvent der Kapuziner 1895 mit dem Bauplan der Antoniuskirche (Foto: Pfarrarchiv St. Anton)
Eine große Menschenmenge hatte sich versammelt. Die katholischen Vereine mit ihren Fahnen empfingen den Erzbischof. Der Zug zur Kirche gestaltete sich ähnlich wie bei der Grundsteinlegung, nur dass diesmal dem Erzbischof auf Samtkissen die Reliquien folgten. Die Konsekration der Altäre dauerte bis zum frühen Nachmittag. Unmittelbar danach feierte der Erzbischof das erste heilige Messopfer. Beim anschließenden Festmahl im Refektorium hielten der Provinzial Pater Viktrizius Weiß, die Bürgermeister Borscht und Brunner und Stadtpfarrer Huhn eine Rede. Die Baukosten für die Kirche beliefen sich auf rund 556000 Mark.
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Blick auf die Kirche von der Kapuzinerstraße aus (2010)
Die Antoniuskirche ist eine dreischiffige basilikale Anlage. Sie ist aus Backstein mit Muschelkalk gefertigt. An der neuromanischen Fassade grüßen der heilige Antonius in der Mitte und darüber links und rechts der heilige Franz von Assisi und der heilige Fidelis von Sigmaringen. Die Ordensvorschrift erlaubte keinen Turm, sondern nur einen bescheidenen turm als Dachreiter mit Wetterhahn und kleiner Glocke.

Die Länge der Kirche beträgt mit Vorhalle 60 Meter, die Breite 24 Meter an der Außenkante. Sie besitzt 6 Seitenkapellen. Der erhöhte Apsidenchor ist 13 Meter breit und tief. Die Höhe beträgt 19,5 Meter. Das Dach ist mit Biberschwänzen (Freisinger Dachplatten) gedeckt worden. Der Dachreiterturm mißt an der Spitze 36,5 Meter. Kurz nach der Jahrhundertwende bekam die Antoniuskirche eine elektrische Beleuchtung.
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Kircheninnenraum in der Ausgestaltung der Entstehung (Pfarrarchiv St. Anton)
Entsprechend dem damaligen Zeitgeschmack war der Kircheninnenraum mit einer reichen Gemäldevielfalt ausgeschmückt. Der Hochaltar war ein Werk des Architekten Joseph Müller.

Das Hochaltarbild im Presbyterium stellte der Wiener Historienmaler Josef Kastner (1844-1923) in Wachs-Tempera her. Dargestellt war der heilige Antonius von Padua als Wundertäter und Fürbitter am Throne Gottes. Er kniete vor dem Thron der Himmelskönigin mit dem Jesuskind und trug die Bitten aller Unglücklichen und Hilfsbedürftigen vor. Darüber war Gott Vater abgebildet. Das Bild zeigte 88 Ganz-Figuren. Der Stifter des Bildes, Erzbischof Antonius von Thoma, war unten links abgebildet. Unter dem Kunstwerk befand sich eine Inschrift, in der sich der Stifter des Bildes mit den Worten verewigt hat: Dem heiligen Antonius hat sich Erzbischof Antonius von Thoma durch dieses Votivbild verbunden. 1897.

In den Seitenkapellen befanden sich der Rosenkranzaltar und Altäre zu Ehren des Herzens Jesu, der heiligen Anna, des heiligen Josef, des heiligen Franziskus, des heiligen Fidelis von Sigmaringen und der heiligen Veronika Giuliani. Für die Ausmalung der großen Wandflächen verwendete man Schablonenmalerei. Wohl nach dem Vorbild der Münchner Bonifatius-Basilika brachte man an den Hochschiffwänden breite Bildstreifen an, die vom Leben der beiden Kirchenpatrone Antonius von Padua und Laurentius von Brindisi in je sechs Szenen erzählten. Wiederum führte Josef Kastner die großformatigen Gemälde aus. Die Orgel erbaute Franz März in München.

Die Pfarrei wird gebildet

Gebildet aus Gebieten der Pfarreien St. Peter und St. Maximilian, wurde am 1. Januar 1936 St. Anton zur Pfarrei erhoben; der Kapuziner-Orden bekam die Gemeindeleitung übertragen.

Umbauten der Antonius-Kirche

1938 erfolgte die erste Kirchenrenovierung.

Kriegseinwirkungen

Das Luftgaukommando Süd der Wehrmacht beschlagnahmte 1942 einen Teil der Klostergebäude und den Drittordenssaal. Auch St. Anton wurde im Bombenkrieg nicht verschont: Am 3. Oktober 1943 zerstörten mehrere Brandbomben das Dach der Kirche. Durch die Hitze des Brandes zerbarsten sämtliche Fenster. Der Drittordenssaal brannte bis auf die Mauern nieder. Die Schmerzhafte Kapelle und das Kloster wurden von je einer Brandbombe getroffen.

1951 wurde die Schablonenmalerei übertüncht, die großen Wände ohne besondere Ornamente flächenhaft farbig bemalt.

Der Kirchenumbau 1966

Die einschneidenste Veränderung brachte aber der Kirchen-Umbau von 1966: In Folge des II. Vatikanischen Konzils und der damit verbundenen Liturgiereform wurden alle Gemälde und große Teile der Inneneinrichtung als nicht mehr zeitgemäß empfunden und vollständig entfernt. Man war der Meinung, die Wandmalereien wie auch die Altäre hätten durchwegs keinen hohen künstlerischen Wert. Weder das erzbischöfliche Bau- und Kunstreferat noch das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege hatten Einwände erhoben gegen die vollständige Neugestaltung des Innenraums und der Beseitigung der Altäre und Gemälde.

Mit der Planung wurde der Münchner Kirchenarchitekt Michael Steinbrecher beauftragt. Er wollte der Architektur den Vorrang geben vor der Malerei. Das Apsisgemälde musste neuen Fenstern mit farbigen Glasmalereien weichen. Die Kirche erhielt einen Volksaltar aus Veroneser Marmor und einen rosafarbenen Veroneser Marmorboden. Der 120 Zentner schwere Stein stammt aus Tirol. Nach der Renovierung bot sich dem Besucher ein völlig verändertes Bild: Der Raum war licht und weit geworden und bewusst franziskanisch-schlicht gehalten. Im Jahresbericht des Kapuzinerklosters St. Anton von 1966/76 steht dazu folgender Kommentar: Von dieser Leere zehren wir noch stark! Kreuz, Altar und Tabernakel aus Bronze  – Werke des  Rosenheimer Künstlers Josef Hamberger –  stehen nun beherrschend im großen Raum.
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Altarweihe durch Julius Kardinal Döpfner 1967 (Foto: Pfarrarchiv St. Anton)
Am 5. November 1967 weihte Kardinal Julius Döpfner den neuen, näher zum Volk gesetzten Altar. Der Pfarrklerus bestand aus Pfarrer Ubald Nieder, dem 1. Kaplan Konrad Heidrich und dem 2. Kaplan Wolfgang Eggerbauer.
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Innenraum nach der Renovierung von 1966/1967 (Foto: Pfarrarchiv St. Anton)
Am 24. April 1977 konnte Weihbischof Matthias Defregger die neue WRK-Orgel für die Antoniuskirche segnen. Danach gab der Orgelsachverständige des Ordinariats, Professor Karl Maureen, ein Orgelkonzert.
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Kircheninnenraum nach der Renovierung 1983/1984 (Foto: F. Ertl)
1983/84 erfolgte eine weitere umfassende Außen- und Innenrenovierung. Dabei wurden an Wänden und Gewölben farbige Bändermalereien angebracht. Sie deuten die früher vorhandene Ausmalung der Kirche nun an. Die Seitennischen füllten sich wieder mit einigen mittlerweile restaurierten Gemälden der früheren Seitenaltäre.
Der radikale „Kahlschlag“  von 1966 schmerzte jedoch viele alte Pfarreimitglieder. 1997/98 konnte die Gemeinde mit einer großartigen Spendenaktion die zwei originalen gerahmten Farbentwürfe (173 cm breit, 24,5 cm hoch) der Kastner-Hochschiffwandmalereien von einem Kunsthändler als letzte Zeugnisse der alten Antoniuskirche erwerben. Sie sind heute in einer Seitenkapelle im Kirchenschiff zu besichtigen.
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Anbringung der auf Fahnenstoffbahnen gedruckten Bändermalereien an den Hochschiffwänden (Foto. F.Ertl)
Anlässlich des 75-Jahr-Jubiläums der Pfarrei im Jahr 2011 kam der Gedanke auf, mit modernen technischen Mitteln eine temporäre Wiederherstellung der beiden Hochschiff-Wandmalereien zu versuchen. Dafür wurden die Farbentwürfe professionell fotografiert und digital aufbereitet und bearbeitet. Anschließend wurden sie in der Größe der einstigen Wandmalereien 1:1 auf großflächigen Fahnenstoffbahnen gedruckt. Diese wurden an den beiden Seitenwänden befestigt und entrollt. Am 13. Juni 2011, dem Patroziniumstag der Antoniuskirche, wurde das Werk der staunenden Gemeinde präsentiert.
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Die Antoniuskirche am 13. Juni 2011, dem Patroziniumstag (Foto: F.Ertl)

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