St. Michael

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Das Gebet im Leben der heiligen Teresa

Teresa verlebte im Kreis ihrer Familie eine glückliche Kindheit. Schon früh fand der Glaube ihrer Eltern in ihrem Kinderherzen Anklang. Die Worte „Für immer, immer, immer" (Leben 1, 4),die sie in kindlicher Einfalt gern vor sich hersagte, prägten ihr tief den Sinn für Vergänglichkeit und Ewigkeit ein. Kurz nach dem Tod ihrer Mutter jedoch -Teresa war damals vielleicht dreizehn Jahre alt – beginnt ihr religiöser Eifer nachzulassen; schöne Kleider, Schmuck und Komplimente, die Lektüre von Ritterromanen - darin besteht nun ihre Welt. Ihr Vater schickt sie schließlich in ein Internat in Avila, das von Augustinerinnen geleitet wird. Dort wird sievon neuem mit religiösem Leben konfrontiert und dadurch zur Überprüfung ihres eigenen Lebens geführt. Innerlich von Gott berührt, beginnt sie, "viele mündliche Gebete zu verrichten“ (Leben 3, 2), und gewinnt neue Freude am persönlichen Nachdenken und der Lektüre guter Bücher.

"Abends vor dem Schlafengehen, wenn ich mich Gott empfahl, dachte ich immer noch ein wenig über das Gebet Jesu im Ölgarten nach", so schreibt sie von dieser Zeit; "ich begann innerlich zu beten, ohne zu wissen, was das eigentlich ist" (Leben 9, 4).

Ihre immer tiefere Erkenntnis von Ewigkeit und Vergänglichkeit, "die Wahrheit aus meiner Kindheit" (Leben 3, 5), zeigt ihr nach und nach den Weg zum Ordensleben. Wenn sie auch sehr stark das Widerstreben ihrer Natur erfährt, so gewinnt das innere Gezogenwerden von Gott doch immer mehr an Kraft, bis sie schließlich "mit fester Entschlossenheit" (Weg 23, 1) in den Karmel eintritt. Hatten dabei zunächst die Furcht vor Gottes Gericht und die Sorge um ihr ewiges Heil den Ausschlag gegeben, so wurden diese Beweggründe doch bald von einer glühenden Gottesliebe vertrieben.

Bald nach Ablegung ihrer Profeß erkrankt Teresa schwer. Auf dem Weg zu einem Kuraufenthalt lernt sie während eines Besuchs bei ihrem Onkel ein Buch kennen, das für ihre kontemplative Berufung richtungweisend werden soll: das"Dritte geistliche ABC" des Franziskanerpaters Francisco de Osuna. Es führt sie in das Gebet der "inneren Sammlung" ein und erweckt in ihr immer größere Sehnsucht nach einem intensiven Leben mit Gott. Während ihrer schweren Krankheit, die von 1539 bis 1542 dauert, schöpft sie gerade aus dieser inneren Beziehung zu Gott all ihre Kraft: "Es nützte mir sehr .... daß ich begonnen hatte, innerlich zu beten“ (Leben 5, 8). "Die Gnade des Gebetes,die der Herr mir erwiesen hatte, war etwas Großes, denn sie ließ mich erkennen, was es heißt, ihn zu lieben“ (Leben 6, 3). Durch eine Gestalt des AltenTestaments, Ijob, zu dem sie durch die "Moralien“ des heiligen Gregor Zugang findet, wird ihr noch intensiver der persönliche Dialog mit Gott erschlossen, und sie lernt das innere Gebet immer tiefer begreifen als "ein freundschaftliches Beisammensein, in dem wir oft allein mit dem zusammenkommen, von dem wir wissen, daß er uns liebt" (Leben 8, 5). Sie erkennt Gott als den lebendigen Gott, als lebendige Person, der ihr durch den menschgewordenen Jesus Christus nahekommt. Und um immer tiefer zu ihm zufinden, "versuchte ich, so gut ich konnte, mir Jesus Christus, unser Gut und unseren Herrn, in meinem Innern zu vergegenwärtigen, und das war meine Art, innerlich zu beten. Wenn ich an einen Abschnitt aus der Leidensgeschichte dachte, stellte ich ihn mir innerlich vor" (Leben 4, 7). Der wichtigste Augenblick der Begegnung mit ihm, die intensivste Gelegenheit, um bei ihm zu sein, mit ihm zu sprechen und sich von ihm belehren zu lassen, ist für sie die heilige Kommunion (vgl. Weg 34, 12-13; Leben 9, 6).

Aber ihre innige Beziehung zu Gott fällt Teresa nicht einfach in den Schoß, sondern sie muß hart darum ringen. jahrelang hat sie mit Trockenheiten im Gebet zu kämpfen. Sie kann sich nicht sammeln und hilft sich damit, ihre Gebetsstunden mit einem Buch zu beginnen. Langeweile, Überdruß, Traurigkeit, die Lust, es aufzugeben, all das muß Teresa bei ihrem persönlichen Gebet durchstehen. Hinzu kommt ihre innere Zerrissenheit: Sie läßt sich vom Strom der Mittelmäßigkeit, die in ihrem Kloster herrscht, mitreißen, nimmt teil an den oberflächlichen Konversationen im Sprechzimmer und lebt in einem Sowohl-Als-auch, "so daß ich mich schämte, in einer so einzigartigen Freundschaft wie dem Zusammensein im Gebet mich Gott wieder nähern zu wollen“(Leben 7, 1). Ein Jahr lang unterläßt sie aus diesem Grund das innere Gebet, was sie dann durch die Hilfe eines Beichtvaters als die "schrecklichste Täuschung" und "größte Versuchung" ihres Lebens erkennt (Leben7, 1. 11). Von da an läßt sie nie mehr davon ab. Aber sie hat immer noch nicht die Kraft, sich von der Faszination der Oberflächlichkeiten und Menschlichkeiten loszureißen: "Ich verbrachte nun ein äußerst mühevolles Leben, da ich im Gebet stärker meine Fehler erkannte: Auf der einen Seite rief mich Gott; auf der andren folgte ich der Welt. Einerseits erweckten alle göttlichen Dinge große Freude in mir; andrerseits fesselten mich die Dinge der Welt. Ich schien diese beiden Gegensätze, von denen einer so sehr des andren Feind ist ...,miteinander vereinbaren zu wollen“ (Leben 7, 17).

Nach achtzehn Jahren fortdauernden geistigen Ringens wird ihr endlich die ersehnte Bekehrung geschenkt: Durch ein Bild des Schmerzensmannes wird sie innerlich zutiefst erschüttert; von da an "liebte ich es immer mehr, längere Zeit mit ihm zusammenzusein und die Gelegenheiten zu meiden“ (Leben 24,7). Nun ist sie bereit; mit ihrem ganzen Leben ihrem Gott die Antwort der Liebe zu geben.

Von diesem Zeitpunkt an beginnt sie immer häufiger mystische Gnaden zu empfangen; Gott läßt sie seine Gegenwart erfahren und wahrnehmen und verwundet sie zutiefst mit seiner Liebe. Aber auf diesem Weg wird sie hart geprüft. Sie weiß die außerordentlichen Phänomene oft nicht zu deuten und wird auch von ihren Beichtvätern nicht immer verstanden. Lebt sie doch in einer Zeit, in der mit solchen Dingen viel Mißbrauch getrieben und die mystische Erfahrung oft um ihrer selbst willen gesucht wird. Für Teresa geht es jedoch um mehr: Sie will sich einfach einlassen auf den Anspruch Gottes, will, ganz mit ihm eins werden und von hier aus ihr Leben gestalten.