Pfarrverband Ottobrunn

St. Albertus Magnus | St. Otto

Pfarrer Philipp Wahlmüller

Fotocollagen von den Abschiedsfeiern im Juli 2015 sind hier zu sehen.

Eine kleine Auswahl seiner Predigten ist hier nachzulesen

Philipp Wahlmüller
Ich wurde am 03.03.1964 in Unterweißenbach (Bundesland Oberösterreich) als der Älteste von drei Geschwistern geboren. Nach meiner Matura trat ich ins Noviziat der Franziskaner ein, studierte in Salzburg und Freiburg i. Br. Theologie und schloss im Januar 1991 mein Studium mit dem Magister der Theologie ab. Im selben Jahr wurde ich am 29.06. im Dom zu Salzburg zum Priester geweiht. Nach einem Kaplansjahr in der Franziskanerpfarrei Enns-St. Marien, berief mich der Orden für 12 Jahre zum Koordinator für Berufungspastoral. In dieser Zeit begleitete ich junge Erwachsene auf ihrem Berufungsweg. Von 2004 – 2008 war ich Leiter des Franziskanerklosters Telfs/Tirol. Nach einem Jahr Auszeit entschloss ich mich, Priester der Erzdiözese München und Freising zu werden und arbeitete fünf Jahre lang als Klinikseelsorger am Klinikum in Großhadern, davon zwei Jahre lang mit einer halben Stelle als Mithilfe in der Seelsorge der Pfarrei Erscheinung des Herrn in München-Blumenau. Seit 1. Oktober 2013 bin ich Leiter des Pfarrverbandes Ottobrunn. Bei aller Notwendigkeit einer guten Verwaltung und Organisation, ist es mir gleichzeitig ein Herzensanliegen, zu allererst als Seelsorger für die Menschen da zu sein, miteinander den Glauben lebendig zu halten und ein Pfarrverband zu sein, der einladend ist.

Vorstellung im Pfarrbrief Herbst 2013

Sein offenes Lachen und ein grau melierter Backenbart sind die äußeren Attribute unseres neuen Pfarrers Philipp Wahlmüller. Auf die Bitte um ein Interview kam prompt die Antwort: „Klar sollen die Leute wissen, wer da jetzt als Pfarrer kommt“. Einige per E–Mail übermittelte Fragen kamen als druckreifes Manuskript zurück:

Herr Pfarrer Wahlmüller, Sie haben mehr als die Hälfte Ihres bisherigen Lebens im Kloster verbracht. Was reizt Sie an Ihrer neuen Aufgabe? 

Wahlmüller: Gemeinde ist mir nichts Neues. Ich war nach meiner Priesterweihe Kaplan in einer Franziskaner-Pfarrei in Österreich. Von 2009 bis 2011 hatte ich eine geteilte Stelle und zwar mit 50 Prozent in der Klinikseelsorge und mit den anderen 50 Prozent als Kurat in der Pfarrei Erscheinung des Herrn in München-Blumenau. In dieser Zeit habe ich erlebt, wie schön es ist, mit und in einer Gemeinde durch das Kirchenjahr unterwegs zu sein. Zudem bin ich immer wieder von diesem Jesus von Nazareth und seinem Evangelium berührt. Ich möchte zusammen mit Christinnen und Christen diesen Geist Jesu ins Heute buchstabieren und dabei besonders Kinder, Jugendliche und junge Familien im Blick haben.

In einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ haben Sie durchblicken lassen, dass Sie ursprünglich etwas andere Pläne hatten.

Wahlmüller: Ich habe als Franziskaner viele Jahre lang junge Erwachsene auf ihrer Suche nach ihrer Berufung begleitet und viele Einkehrtage, Pilgerfahrten – vor allem nach Assisi – und Exerzitien geleitet. Ich sehe meine Stärken mehr in der Seelsorge als in der Verwaltung und Organisation. Darum war ich der Meinung, dass ich besser in die Klinikseelsorge passe. Die Diözesanleitung will aber, dass ich, wenn ich in die Erzdiözese München und Freising aufgenommen werden will, auch die Erfahrung als Leiter eines Pfarrverbandes mitbringen soll. Das leuchtet mir ein und darum will ich diese neue Herausforderung anpacken.

Als Krankenhaus-Seelsorger waren Sie ganz nahe an den Menschen. In einem Pfarrverband mit über 5000 Seelen wird das kaum möglich sein. Wird Ihnen nicht etwas fehlen?

Wahlmüller: Klar wird mir was fehlen. Aber ich werde auch vieles dazu gewinnen. Die Klinikseelsorge ist auf eine Art natürlich einseitig. In der Gemeinde wird die Arbeit vielfältiger und darauf freu ich mich schon. Das seelsorgerliche Anliegen möchte ich aber trotz der Größe des Pfarrverbandes und vieler Verwaltungsaufgaben einbringen.

Als Österreicher sind Sie wahrscheinlich mit den prachtvollen Barockkirchen Ihrer Heimat aufgewachsen. Unsere „Papstkirche“ St. Albertus Magnus ist eine sehr nüchterne, moderne, von uns scherzhaft auch „Talstation Gottes“ genannt. Wie gefällt sie Ihnen? Und wie die Kirche St. Otto, die ganz bewusst im Sinne des II. Vatikanischen Konzils umgestaltet worden ist?

Wahlmüller: Barockkirchen sind etwas Herrliches. Aber ich bin im Mühlviertel nördlich von Linz geboren. Das war eine sehr arme Gegend. Die Menschen dort hatten nicht das Geld, um ihre Pfarrkirchen zu barockisieren oder gar die alten abzureißen und eine Barockkirche hinzustellen. „Gott sei Dank!“ sagen wir heute, denn dadurch gibt es in meiner Heimat viele Kleinodien der Spätgotik. Die Pfarrkirche in meinem Heimatort Unterweißenbach ist eine schlichte zweischiffige spätgotische Kirche. Dieser Baustil hat mich sehr geprägt. Ich bin auch persönlich kein barocker Mensch, sondern hab einen Hang zu schlichten, klaren, einfachen Formen. Im modernen Kirchenbau finde ich das wieder. Darum gefällt mir sowohl die Kirche von St. Albertus Magnus als auch von St. Otto, die zwar nicht mehr modern ist, aber schlicht.

In Ottobrunn und unseren Nachbargemeinden ist vielen die Ökumene sehr wichtig. Gerade ist erstmals ein Ökumenischer Pfarrbrief erschienen. Beim Ottostraßenfest im September werden die fünf Gemeinden mit einem eigenen Stand vertreten sein. Wie stehen Sie zur Ökumene vor Ort?

Wahlmüller: Ich muss zugeben, dass ich als Franziskaner, der viele Jahre in Tirol gelebt hat, wenig ökumenische Erfahrung gemacht habe. Das hat sich in den letzten fünf Jahren massiv verändert. Sowohl in der Pfarrei Erscheinung des Herrn als auch im Seelsorgeteam im Klinikum Großhadern, das sich als ein ökumenisches versteht, ist Ökumene ganz groß geschrieben. Die eigene katholische Tradition pflegen und gleichzeitig das, was wir mit den Geschwisterkirchen tun können auch tun, ist mir ein Herzensanliegen. Ich freu mich über alle ökumenischen Initiativen in Ottobrunn, werde sie auf alle Fälle unterstützen und mich wo irgendwie möglich auch einbringen.
In einem Gespräch ging Pfarrer Wahlmüller bereitwillig auf weitere Fragen ein:

Würden Sie uns bitte etwas mehr über sich selbst erzählen?

Ich bin der älteste von vier Kindern, mein leider früh verstorbener Vater war bei der VOEST in Linz, dem bekannten Stahlwerk. Nach dem Hauptschulabschluss ging ich aufs Gymnasium und nach der Matura mit 19 Jahren ins Kloster.

Gab es für Sie ein Erlebnis, das Ihren Lebensweg beeinflusst hat?

Den Wunsch, Pfarrer zu werden, hatte ich schon in der vierten Volksschulklasse. Ich war begeisterter Ministrant, neben meinem religiösen Elternhaus hat auf mich eine Tante tiefen Eindruck gemacht. Sie war Ordensschwester, eine sehr lebensfrohe Frau. Wenn sie nach Hause kam, war das immer ein Fest. So wie sie wollte ich auch werden.

Und wie wurden Sie Franziskaner?

Auf die Franziskaner bin ich schon zwei Jahre vor der Matura gestoßen, begeistert von Franz von Assisi. Damals gab es noch eine eigene Tiroler Provinz mit einem Kloster in Reutte, in dem ich mein Noviziat gemacht habe. Studiert habe ich überwiegend in Salzburg und in Freiburg im Breisgau. In Salzburg habe ich 1991 den Magister der Theologie gemacht und bin am 29. Juni 1991 im Salzburger Dom zum Priester geweiht worden. Ich war dann ein Jahr Kaplan in Enns, der ältesten Stadt Österreichs, und anschließend 16 Jahre im Kloster Telfs in Tirol, die letzten vier Jahre als Klostervorsteher. Aber schon vor 2008 habe ich gespürt, dass ich nicht bis an mein Lebensende im Kloster bleiben wollte. Ein ganzes Jahr habe ich mit mir gerungen und dann den Entschluss gefasst, Weltpriester werden zu wollen.

Was wünschen Sie sich jetzt von Ihren beiden neuen Gemeinden?

Ich wünsche mir, dass das, was gewachsen ist, weiter wächst und weiter belebt wird. Und dass wir in gutem Miteinander alle dazu beitragen, dass das möglich ist. Gleichzeitig aber auch etwas Neues versuchen.

Haben Sie eine Vision, was in fünf oder zehn Jahren sein könnte?

Ich bin Realist. Wir werden als Gemeinden noch kleiner und älter werden. Wir müssen versuchen, das Beste daraus zu machen. Ich werde die guten alten Zeiten nicht beklagen. Wichtig ist, das Feuer zu hüten und einzuladen, sich daran zu wärmen - und dass wir den Glauben lebendig an die nächsten Generationen weitergeben.

Eine letzte Frage: Was tun Sie in Ihrer Freizeit, wenn Sie eine haben? Was bedeutet Ihnen die Musik, was ist Ihre Lieblingslektüre?

Ich gehe ganz gern mal ins Kino. Ein Film, den ich vor kurzem gesehen habe, geht mir immer noch nach: „Paradies Glaube“ von Ulrich Seidl. Auf meinem Nachtschränkchen liegen gerade die Bibel, „Priester aus Passion“ von Franz Kamphaus und „Die Abenteuer des Joel Spazierer“ von Michael Köhlmeier. Musik liebe ich quer durch den Gemüsegarten; ich kann auch mit guter Rock- und Popmusik etwas anfangen.