Diözesanrat der Katholiken

Demokratisch gewählte Vertretung des Kirchenvolkes.
Der Diözesanrat repräsentiert mehr als 125.000 ehrenamtlich in Katholikenräten, Verbänden und Initiativen aktive katholische Frauen und Männer.

Fachgespräch Integration: Verlässlicher Konsens notwendig

Diözesanrat lud in München zu einer Debatte über Integration und die Rolle der Kirche ein
Fachgespräch Integration
„Es braucht einen verlässlichen politischen Konsens als Grundlage verlässlicher Rahmenbedingungen!“ Diese Forderung wurde beim Fachgespräch „Integration als gesellschaftliche Aufgabe und die Rolle der Kirche“ am 27.06. im Korbiniansaal des Caritaszentrums München gleich mehrfach erhoben. Zu dieser Veranstaltung konnte Prof. Dr. Stefan Rappenglück, Vorsitzender des Sachbereichsgremiums Flucht und Asyl des Diözesanrats, die Besucher in dem voll besetzen Saal begrüßen.
Nicht zuletzt dieses hohe Interesse zeigt die Relevanz des Themas für Kirche und Gesellschaft – auch und gerade nach dem aktuellen Abebben des akuten Nothilfebedarfs in der Flüchtlingshilfe. Anders als in den 1990er Jahren, als ähnlich viele Flüchtlinge aus dem Bürgerkriegsgebieten des ehemaligen Jugoslawiens nach Deutschland kamen, oder in der Gastarbeiterzeit, ist diesmal vielerorts – leider nicht überall – die Einsicht verbreitet, dass gelingende Integration nicht von selbst geschieht, sondern unterstützende Maßnahmen braucht, und notwendig auch die aufnehmende Gesellschaft verändert.
In einem Impulsreferat stellte Martin Lauterbach, Leiter der Arbeitsgruppe Grundsatzfragen der Integration des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF), die aktuelle Situation im Asylbereich vor und benannte rechtlich- politische Rahmenbedingungen sowie Herausforderungen für die Integration.
Bei der anschließenden Podiumsdiskussion saßen auch Landtagsmitglied Joachim Unterländer (CSU), Vorsitzender des Landeskomitees der Katholiken in Bayern sowie Vorsitzender des Landtagsausschusses für Arbeit und Soziales, Jugend, Familie und Integration, und Msgr. Rainer Boeck, dem Diözesanbeauftragten für Flucht, Asyl und Integration der Erzdiözese , auf dem Podium. Dabei wurde deutlich, dass Verlässlichkeit und Transparenz in vielen Bereichen notwendig, allerdings oft nicht verwirklicht sind. So wurde insbesondere aus dem Publikum die mangelnde Qualität der Anhörungen zur Anerkennung im BAMF kritisiert, ebenso die schlechte Kommunikation zwischen Amt und Helferkreisen. Auch die rigorose Haltung bei der Erteilung einer Arbeitserlaubnis sowie die sehr unterschiedlichen Umsetzungen der rechtlichen Vorgaben auf kommunaler Ebene gerade im Bereich von Unterkunft und Bildungszugang wurden angesprochen. Hier wurde ebenfalls darauf verwiesen, dass die Unterstützung durch die entsprechenden Ministerien oft eher dürftig ausfalle. Dies alles führe zu zunehmender Frustration bei den ehrenamtlich Engagierten, die einer positiven Resonanz für ihre Arbeit in finanzieller und organisatorischer Art dringend bedürften.
Msgr. Boeck machte darüber hinaus darauf aufmerksam, dass in einigen Landkreisen entgegen dem Subsidiaritätsprinzip versucht werde, die Asylberatung nicht bei freien Trägern, sondern behördlich zu verankern, wofür vermutlich finanzielle und ideologische Gründe anzuführen seien. Grundsätzlich, merkte Boeck an, müsse es darum gehen, das kirchliche Engagement in der Flüchtlingshilfe nun zu verstetigen, das Engagement der Ehrenamtlichen zu unterstützen und dauerhaft als Anwalt der Flüchtlinge aufzutreten, denn „jeder Mensch ist Bild Gottes. In der Kirche gibt es keine Ausländer“. Dafür plane das Erzbistum ein kirchliches Zentrum für Flüchtlingsarbeit. Unterländer verwies unter anderem auf die hohe Bedeutung der Asylsozialarbeit für die ersten Integrationsschritte – diese müsse dringend weiter ausgebaut werden – und betonte die Wichtigkeit von gut gestalteten Integrationskursen in Bayern und die Bekämpfung von Fluchtursachen bereits in Afrika.
Als Prof. Rappenglück nach zwei Stunden intensiven Debattierens die Diskussion beendete, war deutlich spürbar, dass Publikum und Diskutanten sicher noch weitere Themen unter den Nägeln gebrannt hätten. Er griff den Wunsch nach einem Austauschforum für Räte zu Integrationsfragen auf und verwies auf die im Entstehen begriffene Website des Diözesanrats www.gemeinsam-in-vielfalt.com, die genau diese Funktion einnehmen könne.

Sebastian Zink


Beitrag BR 5 "Religion und Orientierung" (02.07.2017) - Minute 19:25-22:23