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Diözesanrat der Katholiken

Demokratisch gewählte Vertretung des Kirchenvolkes.
Der Diözesanrat repräsentiert mehr als 125.000 ehrenamtlich in Katholikenräten, Verbänden und Initiativen aktive katholische Frauen und Männer.

Tremmel fordert „endlich ehrliche Debatte“ zum Missbrauch

Diözesanratsvorsitzender stellt „weltweites Systemversagen der Kirche“ fest
Ohlstadt, 12. Oktober 2018. Hans Tremmel, Vorsitzender des Diözesanrats der Katholiken der Erzdiözese München und Freising, hat davor gewarnt, beim Thema Missbrauch in der katholischen Kirche „einfach zur Tagesordnung überzugehen“. Es brauche „endlich eine ehrliche Debatte“, unter anderem „eine ergebnisoffene Diskussion um den Zölibat und um veränderte zeitgemäße Kriterien für den Priesterberuf“, sagte Tremmel bei der Vollversammlung des Laiengremiums am Freitag, 12. Oktober, in Ohlstadt, Landkreis Garmisch-Partenkirchen. Es gehe auch um „eine echte Beteiligung von Frauen und Laien“ an Entscheidungsprozessen und „eine glaubwürdige, menschenfreundliche Sexualmoral mit einem realistischen Bild von Homosexualität generell und von schwulen Priestern im Besonderen“. Kirche müsse „auf der Seite der Opfer“ stehen.
 
Tremmel stellte ein „weltweites Systemversagen der Kirche“ fest und sagte, es sei verständlich, dass man als ehrenamtlicher Laienvertreter „schon gelegentlich dieser offensichtlich in ihren Maßstäben verrückten Institution den Rücken kehren“ möchte. „Ich jedenfalls werde diese Verbrechen nicht mit den Umständen rechtfertigen und diese systematischen Machenschaften innerhalb der Kirche nicht mit dem Hinweis auf Sportvereine, weltliche Internate oder gar Familien relativieren. Es ist und bleibt ein himmelschreiendes Unrecht, ein beschämender Skandal“, so der Vorsitzende. Der Leitung des Erzbistums München und Freising dankte Tremmel, dass seit dem Jahr 2010 „die Vorgänge schonungslos aufgedeckt, die Opfer unterstützt und die Täter nicht nur intern, sondern wo noch möglich auch strafrechtlich belangt wurden und werden“. Dennoch sei das verspielte Vertrauen nur mühsam zurückzugewinnen, „und eine gewisse Grundskepsis gegenüber allen Klerikern und allen Kirchenvertretern wird noch lange bleiben, auch in unserem Bistum“.
 
Der Diözesanratsvorsitzende rief die Delegierten auch dazu auf, mit ihren Räten und Verbänden den Tendenzen zur Spaltung und zur Verbreitung rechtpopulistischen und rechtsextremen Gedankenguts in der Gesellschaft entgegenzutreten und zu einer konstruktiven Debattenkultur beizutragen. „Auseinandersetzungen über den richtigen Weg in der Nachfolge Jesu sind so alt wie die Kirche selbst. Auch unterschiedliche Ansichten über Politik, Gesellschaft und das menschliche Zusammenleben sind selbstverständlicher Teil der Pluralität in unserem Land.“ Tremmel sagte, als gewählte Vertreter des ganzen Volkes Gottes müssten die Räte darauf achten, „dass wir uns nicht gegenseitig die Katholizität absprechen, weil wir, salopp gesagt, unterschiedlich drauf sind“. Stattdessen hielten die Räte „den Laden zusammen“ und unterschieden sich damit „deutlich von bestimmten Gruppierungen, die es vermeintlich besser wissen oder sich sogar für besser halten“.
 
Der Diözesanrat der Katholiken ist das oberste Laiengremium der Erzdiözese. In die Vollversammlung werden Vertreter der Dekanatsräte, die sich wiederum aus Vertretern der Pfarrgemeinderäte zusammensetzen, sowie Vertreter der katholischen Verbände und Organisationen entsandt. Die rund 160 Teilnehmer der konstituierenden Vollversammlung in Ohlstadt, die noch bis Samstag, 13. Oktober, dauert, wählen einen neuen Vorstand für den Diözesanrat und tauschen sich mit Peter Beer, Generalvikar des Erzbischofs von München und Freising, und mit Stefan Vesper, Generalsekretär des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, aus. (gob)