Diözesanrat der Katholiken

Demokratisch gewählte Vertretung des Kirchenvolkes.
Der Diözesanrat repräsentiert mehr als 125.000 ehrenamtlich in Katholikenräten, Verbänden und Initiativen aktive katholische Frauen und Männer.

Tremmel nach Synodalversammlung „positiv überrascht“

Für weltweiten synodalen Prozess schlägt er „katholische Drei-G-Regel“ vor: „getauft, gefirmt, geweiht“
Prof. Tremmel
München, 16. Oktober 2021. Der Vorsitzende des Diözesanrats der Katholiken der Erzdiözese München und Freising, Hans Tremmel, hat mit Blick auf den deutschlandweiten Synodalen Weg betont, es gebe „keine Alternative zur konsequenten Aufarbeitung systemischer und institutioneller Mängel und darauf aufbauend zu einer Neuausrichtung kirchlicher Strukturen“. Bei der zweiten Synodalversammlung, die am 2. Oktober in Frankfurt endete, sei er „sehr positiv überrascht worden“. Dort sei etwa in einer Offenheit über die katholische Sexuallehre beraten worden, „wie sie noch vor wenigen Jahren manchem meiner Kolleginnen und Kollegen die Lehrbefugnis gekostet hätte“, sagte Tremmel bei der Vollversammlung des Diözesanrats der Katholiken am Samstag, 16. Oktober, in München. Mit Blick auf den von Papst Franziskus eröffneten weltweiten synodalen Prozess schlug Tremmel eine „katholische Drei-G-Regel“ vor: „getauft, gefirmt, geweiht“. So sollten „alle mitreden und mitentscheiden dürfen, was alle betrifft. Denn wir sind gemeinsam als Volk Gottes unterwegs – geweihte Kleriker und mündige Laien“.
 
Tremmel gab zu, zu der Synodalversammlung in Frankfurt „nicht sonderlich euphorisch“ aufgebrochen zu sein. „Nach den jüngsten Personalentscheidungen des Papstes zu Hamburg und Köln, nach dem ablehnenden Papier der Glaubenskongregation zu den Segensfeiern für gleichgeschlechtliche Liebespaare und vor allem nach den ständigen Querschüssen gegen den gemeinsam beschlossenen und verantworteten Synodalen Weg der Kirche in Deutschland schien die Luft raus zu sein“, so Tremmel. Zwar seien die Texte der Foren gut gewesen, „aber für Ehrenamtliche allein schon quantitativ eine enorme Herausforderung“. Doch er sei positiv überrascht worden, so der Diözesanratsvorsitzende: „Die überwiegende Mehrheit der Synodalen hat offensichtlich verinnerlicht, dass es Veränderungen, Reformen und wegweisende Entscheidungen braucht, um die Kirche Jesu Christi hierzulande in eine gute Zukunft führen zu können.“
 
Die „Klarheit und Eindeutigkeit“, mit der die Texte der vier Foren in der ersten Lesung schließlich verabschiedet wurden, lasse „keine Zweifel zu, wie die Zeichen der Zeit im Lichte des Evangeliums aus Sicht der Synodalversammlung zu deuten sind“. Dass sich auch Betroffene sexualisierter Gewalt aktiv eingebracht hätten, habe „den Ausgangspunkt unseres Synodalen Weges nochmals augenfällig und nachdrücklich deutlich gemacht“, so Tremmel. Der Diözesanratsvorsitzende betonte zudem, er habe in Frankfurt „kein vorgefertigtes Lagerdenken, keinen Bischofs-, Laien-, Frauen- oder sonstigen Block“ festgestellt. Kontroversen seien „quer zu allen vermeintlich festen Gruppen“ verlaufen, wobei deutlich geworden sei: „Die allermeisten Synodalen wollten einander zuhören und blieben miteinander im Diskurs“. Als erstes Resümee zog der Diözesanratsvorsitzende: „Etappenziele sind in Sichtweite, Erfolge scheinen möglich.“ Das alles sei „nicht nichts“, aber ohne „belastbare Entscheidungen am Ende und ohne die Zustimmung aus Rom werden wir beim Synodalen Weg nicht wirklich an ein brauchbares Ziel gelangen. Der Weg als Ziel ist mir zu wenig“.
 
Gleiches gelte für den weltweiten synodalen Prozess, den Papst Franziskus am 10. Oktober eröffnet hat. Dazu Tremmel: „Die Aussagen des Papstes zur Synodalität der Kirche, die er seit Jahren einfordert, sind vielversprechend. Das vorliegende Synodaldokument aus Rom ist sehr konstruktiv und die dort gestellten Fragen nicht vergleichbar beispielsweise mit dem verbalen Geschwurbel im Vorfeld der Familiensynode.“ Die Chance der Weltsynode sei, „dass wir die weltkirchlichen Themen aktiv einspeisen können und dass unsere argumentativ gut untermauerten Vorentscheidungen tatsächlich umgesetzt werden“. Darum werde man sich vonseiten des Diözesanrates im Erzbistum München und Freising nach Kräften bemühen. Als „Webfehler“ des weltweiten Synodalen Prozesses benannte Tremmel allerdings, dass die Laien in den Prozess zwar eingebunden seien, „aber doch eher als Balljungen, die zwar ganz nah dran sind am Spielfeldrand und die gelegentlich auch mal den Spielball zurückwerfen dürfen, wenn er ins Aus gekickt wird. Aber richtig mitspielen dürfen sie nicht“.
 
In Richtung des anwesenden Erzbischofs von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx, äußerte Tremmel „höchsten Respekt“ mit Blick auf dessen Rücktrittsangebot im Sommer. Als Diözesanratsvorsitzender habe er kurz danach „im Namen der Laien der Erzdiözese unser Vertrauen ausgesprochen und „den Papst gebeten, Ihr Angebot nicht anzunehmen“. Dass Kardinal Marx im Sommer im Rahmen eines Hirtenbriefs „abermals von einem möglichen Amtsverzicht gesprochen“ habe, hätte jedoch „erneut Irritationen ausgelöst, zumal ein entscheidendes Gutachten ja noch aussteht“. Er sei schon gefragt worden, so Tremmel: „Was ist denn los mit unserem Erzbischof? Hat der Kardinal keinen Bock mehr auf uns und seine Erzdiözese?“ Zugleich stellte der Diözesanratsvorsitzende klar, „wir jedenfalls würden gerne mit Ihnen weitermachen.“
 
Im Mittelpunkt der Versammlung mit dem Titel „200 Jahre Erzbistum sind noch nicht genug!“ standen Umbrüche, Aufbrüche und Herausforderungen während des 200-jährigen Bestehens des Erzbistums München und Freising. Aktuelle Entwicklungen im Erzbistum und darüber hinaus thematisierten neben Kardinal Marx und Generalvikar Klingan auch der Diözesanratsvorsitzende Hans Tremmel und der Leiter des Ressorts Grundsatzfragen und Strategie des Erzbischöflichen Ordinariats München, Armin Wouters. Zum Abschluss der Vollversammlung feierte Marx in der Haidhauser Pfarrkirche St. Wolfgang einen Gottesdienst mit Teilnehmenden der Vollversammlung. Dieser eröffnete zugleich die diözesane Phase des synodalen Prozesses auf dem Weg zur Weltbischofssynode 2023, den Papst Franziskus ausgerufen hat.
 
Der Diözesanrat der Katholiken ist das oberste Laiengremium der Erzdiözese. In die Vollversammlung werden Vertreter der Dekanatsräte, die sich wiederum aus Vertretern der Pfarrgemeinderäte zusammensetzen, sowie Vertreter der katholischen Verbände und Organisationen entsandt. Die mehr als 200 Mitglieder des Diözesanrates treffen sich jeweils im Frühjahr und im Herbst zu ihren Vollversammlungen. (hs)