Diözesanrat der Katholiken

Demokratisch gewählte Vertretung des Kirchenvolkes.
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Tremmel ruft zum Engagement gegen Ressentiments und Ängste auf

München, 14. Juli 2016. Hans Tremmel, Vorsitzender des Diözesanrats der Katholiken der Erzdiözese München und Freising, hat Christen zum Engagement gegen fremdenfeindliche Ressentiments und mit Migration verbundene Ängste aufgerufen. „Ängste aufgreifen kann man auf unterschiedliche Art und Weise“, sagte Tremmel beim Jahresempfang der Erzdiözese am Donnerstag, 14. Juli, in München. „Wenn jemand im dunklen Wald Angst hat, dann kann man seine Ängste aus politischem Kalkül noch verstärken, indem man ihm Gruselgeschichten erzählt. Oder man kann eine Lampe anzünden, um deutlich zu machen, dass die Angst vor manchem Schatten unbegründet ist.“ Christen seien dabei „nicht so sehr prädestiniert für die Gruselgeschichten“, ihr Auftrag sei vielmehr „die Verkündigung der Frohen Botschaft und das Anzünden des Lichts“. Dabei leuchteten sie aber „nicht irgendwie diffus in den Wald hinein“, sondern „gezielt auf den konkreten Menschen“, betonte der Vorsitzende.
 
Berechtigte Sorgen wie jene um die nationale und religiöse Identität oder um soziale Absicherung in Not „kann man bei Licht viel besser betrachten und konstruktiv bearbeiten“, so Tremmel. „Einfach ist das nicht, aber für all diese Probleme lassen sich sehr wohl sozialverträgliche und individuell angemessene Lösungen finden.“ Im Fokus stehe dabei der Mensch als Person, unabhängig von Herkunft oder Religion, denn die Heilsbotschaft Christi schließe niemanden aus. „Wer das einmal begriffen hat, der kann keine nationalistische und egoistische Engführung mehr im Namen eines ‚christlichen Abendlandes‘ verbreiten“, bekräftigte der Diözesanratsvorsitzende. Sobald der konkrete Mensch Hilfe brauche, „gilt es zu zeigen, ob wir nur fromm beten oder auch barmherzig und gerecht handeln können“, sagte Tremmel. „Wir können doch nicht feierlich überall die Tore der Barmherzigkeit öffnen und gleichzeitig die Grenzen vor der Not und dem Elend der Flüchtlinge verschließen!“
 
Zum Nachsynodalen Schreiben „Amoris Laetitia“ sagte Tremmel, Papst Franziskus meistere „die notwendige Differenzierung innerhalb der Weltkirche in erstaunlicher Weise. Ihm geht es in erster Linie um tatsächlich gelingendes menschliches Leben, nicht nur um ein Ideal.“ Franziskus habe „sowohl die Kernpunkte des umfangreichen Synodenprozesses als auch die der kirchlichen Lehre“ berücksichtigt und „durch die Betonung des individuellen Gewissens und im Rekurs auf die Theologie von Thomas von Aquin einen Paradigmenwechsel eingeleitet“. Der Vorstoß des Papstes zur Prüfung des Diakonats der Frau weise darauf hin, dass es Zeit sei, „vermeintliche Denkverbote zum Wohle der Gesamtkirche aufzubrechen“, erklärte der Vorsitzende. „Wenn es theologisch sinnvoll ist – und es spricht doch längst einiges dafür –, dann ist der Frauendiakonat ein wertvoller Dienst für die gesamte Kirche.“
 
Mit Bezug auf die Veröffentlichung des Jahresabschlusses 2015 der Erzdiözese, aus dem erstmals auch deren Vermögen hervorging, zitierte Tremmel Papst Franziskus mit dem Satz „Das Geld muss dienen und nicht regieren“ aus dem Apostolischen Schreiben „Evangelii Gaudium“. An diesem Kriterium werde sich die Erzdiözese messen lassen müssen, so der Vorsitzende. „Es geht nicht um Pfründe und Privilegien für eitle Kleriker, sondern um die auf Dauer gestellte Verkündigung der Heilsbotschaft, um Bildung, um die Förderung der Glaubenspraxis und nicht zuletzt um das caritative und kulturelle Engagement der Kirche für alle Menschen und nicht nur für die eigene Klientel.“ Zugleich betonte Tremmel, seiner Meinung nach schlage die Erzdiözese „mit der ungeschönten Veröffentlichung ihrer Finanzen einen vorbildhaften Weg“ ein. (gob)

[Beitrag des St. Michaelsbundes | YouTube]