Pfarrei Herz Jesu München

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Geschichte und Innenausstattung Die Dorfkirche von Neuhausen

Eine Kirche in Neuhausen wird erstmals am 18. Januar 1249 urkundlich erwähnt. Damals hieß sie noch nicht Winthirkirche, es handelte sich um eine Nikolauskirche, woraus sich schließen lässt, dass sie schon um das Jahr 1000 errichtet worden sein könnte. Das Patronat St. Nikolaus war eben in dieser Zeit sehr verbreitet.

Der Hl. Nikolaus ist am linken Seitenaltar mit seinen bischöflichen Insignien Stab und Mitra, mit seinem Attribut dem Buch, darauf die drei goldenen Kugeln (mit denen er der Legende nach drei verarmte junge Mädchen freigekauft hat) zu sehen. Er ist umringt von armen Kindern, die er beschenkt. Diese Skulptur gehört noch zu der alten Ausstattung der Kirche und wurde von dem Bildhauer Karl Killer (1873-1948, München) geschaffen.

Der heutige Patron, der Selige Winthir ist als Gegenüber am rechten Seitenaltar zu sehen. Dargestellt ist er als Sämer, das heißt als Fuhrmann, der Waren transportierte, vor allem Salz. Zu sehen ist er mit seinem Esel, Zeichen der Einfachheit und Armut und dem Kreuzstab, der ihn als Missionar ausweist. Hier ist er als junger Gebirgler mit Kotze, einem groben wollenen Überwurf dargestellt. Auch diese Figur geht auf Karl Killer zurück.

Außen an der Westfassade ist der Selige Winthitr dagegen als alter Mann mit Bart zu sehen. Weitere Skulpturen von ihm finden sich im Eingang der Winthirschule und eine besonders schöne am Rotkreuzplatz an einem Brunnen (von Ursula und Rudolf Wachter). Immer ist bei den Darstellungen der Esel mit dabei und meistens hält der Selige ein Kreuz oder einen Kreuzstab in seinen Händen, mal zeigt er sich im Gewand eines Mönches, mal im Gewand eines Sämers.

Alle Darstellungen des Selige Winthir lassen sich letztlich auf einen Kupferstich von Raphael Sadeler aus der “Bavaria Sancta“, dem wichtigen Buch über die Heiligen Bayerns  zurückführen.

Wer war eigentlich der Selige Winthir, der gar nie im kanonischen Sinne heilig, nicht einmal selig gesprochen worden ist? Was können wir sicher von ihm wissen? Was ist legendär und was ist historisch?

Wie auch immer, seinem altertümlich klingenden Namen begegnet man noch heute auf Schritt und Tritt in dem Stadtviertel Neuhausen: Die ehem. Dorfstrasse heißt Winthirstrasse, auch gibt es einen Winthirplatz mit einer halbverwitterten Winthirsäule. Sogar eine Winhtirapotheke befindet sich am Rotkreuzplatz, es gibt eine Winthirschule und den schönen alten Winthirfriedhof, der die Winthirkirche umgibt. Die neue moderne Herz-Jesu-Kirche hat eine Winthirglocke und in Maria Eich in Planegg gibt es noch einen zweiten Winthiraltar.


Die anderen Heiligenfiguren und Kunstobjekte der Winthirkirche

Zu sehen ist der Hl. Nepomuk (18. Jh) mit der Palme in der Hand, dem Siegespreis der Märtyrer, ein spätgotischer Hl. Veit im Ölkessel, ein wunderschöner Engel und ein spätromanisches Bildnis Marias (dessen Echtheit sich allerdings bezweifeln lässt) mit dem Jesuskind, auf einer schönen Steinsäule.

Neben den Heiligenfiguren hat das Kirchlein weitere Kunstobjekte aufzuweisen

Eine Reliquientafeln, deren Authentizität und Herkunft sehr fragwürdig ist und weitere  Engelfiguren;

ein Altarkreuz aus Nymphenburger Porzellan nach einem Entwurf von Ignaz Günther; flankiert von zwei Porzellanfiguren, Johannes und Maria, entworfen von Franz Anton Bustelli;

die Tür des Tabernakels zeigt Jesus und die zwölf Apostel beim letzten Abendmahl, gestaltet von Karl Knappe, 1884-1970, wohnte ua in Neuhausen.

zwei von Karl Knappe gestaltete Fenster im Chorraum zeigen München von der Gründung bis zur Zerstörung im zweiten Weltkrieg. Man sieht Bombensplitter und Fliegerangriffe. Das Fenster rechts symbolisiert die Hoffnung und den Neuanfang nach dem zweiten Weltkrieg, bildlich dargestellt mit wachsenden Ähren. Zudem wird auf den Namen  München angespielt. Zu sehen sind Mönche, die aufbrechen, um ein Kloster zu gründen. Der Name München wird als “bei den Mönchen“ gedeutet (apud munichen, munich ist das althochdeutsche Wort für Mönch).

ein Bild der Hl. Barbara im hinteren Teil der Kirche, mit ihrem Attribut, dem Turm, in dem sie gefangen gehalten wurde.

das Epitaph: “HIC JACET MISER PECATOR ORATE PRO EO“ an der Langhausnordwand, gab viele Rätsel auf. 2009 hat die Geschichtswerkstatt Neuhausen herausgebracht, dass es sich um die Gedenkplatte für den sächsischen Grafen Wackerbarth-Salmour handelt, der am 2. Juni 1761 im Alter von 76 Jahren in Schloss Nymphenburg verstorben ist.

eine Majolika-Pietá (Chiemgau, 1749). Majolika bezeichnet im engeren (kunstwissenschaftlichen) Sprachgebrauch vor allem die farbig bemalte zinnglasierte italienische Keramik des 15. und 16. Jahrhunderts, im weiteren Sinne auch andere Arten farbig glasierter Tonware.

Schnitzereien
an den Kirchenbänke zeigen Schlangen, Fische, Blumen ....
die Holzdecke mit Schlusssteinen, S.I. + Jahrszahl.

ein 1970 erworbener frühbarocker Altar aus Bernhaupten im Chiemgau, in den das alte Winthirbild passte. Das Gemälde wies auf der Rückseite die Jahreszahl 1760 auf [und den Namen eines Votanten auf, nämlich des kurbayrischen und kurkölnischen Truchsessen, Kämmerers und Wirklichen Rats Wilhelm Aloyz von Fuxberg.]

das zierliche Empire-Taufbecken im Altarraum wird von einer kleinen Figur des “Salvator mundi“ gekrönt.

den Kreuzweg, kolorierte Holzschnitte, hat Ruth Schaumann, die auch im Winhtierfriedhof begraben liegt, um 1950 geschaffen.


Das Bild vom Seligen Winthir am Hochaltar

Es ist ein Werk aus der Kupferstecherfamilie von Sadeler (um das 16. Jh.). Das Altarbild zeigt die sogenannte Winthirpredigt. Der Selige steht auf einem Stein, als Sämer und Missionar im Fuhrmannshemd und Bundhose dargestellt, einer malerischen Gruppe von Landsleuten, einer Bauernschar mit Gerätschaft gegenüber. In der Rechten hält er das Kreuz in der Hand, in der Linken das Evangelium. Er predigt dem Volk, das aufmerksam zuhört. Im Hintergrund zieht er mit seinem Packesel an der alten Neuhauser Kirche bzw. am Dorf Neuhausen vorbei. Den fernen Horizont säumt die Silhouette von München. Die Hauben der Frauenkirche sind zu erkennen. Das ist freilich alles anachronistisch.

Sämer waren im Mittelalter vertraute Erscheinungen auf unseren Strassen. Sie beförderten auf ihren Eseln in Bayern meist Salz. Sie stammten vorwiegend vom Sammerberg, aus dem Prien- und Achental. Ihr Gewerbe war mühevoll, ihre Armut sprichwörtlich. Der Lastesel als Begleiter Winthirs ist ein Symbol für die Armut des Mannes.

Fresken, auf denen ebenfalls nach Sadelers Vorbild der Säumer und Missionar mit dem Kreuz in der Rechten zu finden war, wie er einer Bauernschar predigt, schmückten früher manches Gehöft in Neuhausen.
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