Maria Himmelfahrt, Allach - Sankt Martin, Untermenzing

  

Staade Zeit Dezember 2021 - Januar 2022

Staade Zeit hieß der Advent früher mal, als das Bauernleben sich noch nach den Rhythmen der Natur und des Sonnenstandes richtete. Normalerweise kommt dann die Klage, dass die „staade Zeit“ im Rummel der heutigen  Weihnachtsrummel-Kaufrauschorgien leider völlig untergegangen sei. Inzwischen sehne ich mich schon fast nach diesem alljährlichen Klageritual, denn auch dieser Advent wird wohl deutlich stiller werden als gewohnt. Und zugleich will es gar nicht still werden. Eine gereizte und dünnhäutige Stimmung bestimmt viele Gespräche, so dass manche Familien die Wort „Corona“ oder „impfen“ am liebsten ganz vermeiden. Weihnachten und die Geschichte vom Kind im Stall erscheint da als weit entferntes Idyll der Ruhe. Dabei sind die Weihnachtsgeschichten, die die Evangelisten Lukas und Matthäus erzählen, alles andere als idyllisch. Gottes Sohn, der in die Welt kommen soll, findet keinen Platz in der Herberge. Nur ein paar Außenseiter von den Hirtenfeldern oder Fremde aus dem Osten kommen zu seiner Begrüßung und über allem schwebt die Todesdrohung des Königs Herodes.

Und dennoch verkünden die Engel den „Frieden bei den Menschen seiner Gnade“ und ihr erstes Wort ist der Zuspruch „fürchtet euch nicht“. Der Weihnachtsfriede kann nach Ansicht der Evangelien offensichtlich auch mitten in der allgemeinen Friedlosigkeit kommen und die Liebe Gottes kann entdeckt werden, auch wenn der Rest der Welt davon noch gar nichts mitbekommen hat. Auf dem Titelbild des Gemeindeblatts sind die Weisen aus dem Morgenland gerade  angekommen und es geht ihnen das große Licht auf.

Der Advent ruft uns, dass wir uns auch innerlich auf den Weg machen. Gottes Liebe kann entdeckt werden und das Licht kann uns aufgehen, damit in unseren Herzen tatsächlich die ersehnte „staade Zeit“ anbricht, Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit.

Ihr Pfarrer Martin Joseph
Joseph, Martin, Pfarrer