Maria Himmelfahrt, Allach - Sankt Martin, Untermenzing

  

Die dunklen Nächte Novmeber 2022

Die Tage werden kürzer. Novembernächte sind oft die dunkelsten Nächte im Jahr, weil noch kein Schnee liegt. Durch diverse Energie-sparmaßnahmen werden wir das wohl stärker erleben als in den vergangenen Jahren.

Auch sonst ist dieser November eine dunkle Zeit. Allerheiligen, Volkstrauertag und der evangelische Totensonntag erinnern uns daran, wie vergänglich wir Menschen sind. Der Krieg in der Ukraine zeigt uns den Abgrund von Machtgier, Rücksichtslosigkeit und Bosheit, der leider auch zu unseren menschlichen
Möglichkeiten gehört.

Das Fest Allerheiligen ist ursprünglich gerade in einer solchen dunklen Zeit entstanden. Der römische Kaiser Diokletian versuchte, sein wankendes Reich zu stabilisieren. Die göttliche Verehrung des Kaisers und der alten römischen Götter sollten die verbindende Klammer werden. Da die Christen diesen Kaiserkult nicht mitmachten, kam es zur bis dahin brutalsten Christenverfolgung. Es gab so viele Märtyrer, dass man ihre Gedenktage nicht mehr einzeln feiern konnte. So wurden sie zu einem Fest „aller Heiligen“ zusammengefasst.

Aber der Charakter dieses Festes war nicht traurig. Der christliche Blick auf den Tod sieht immer Ostern am Horizont und so war für die ersten Christen der Sterbetag zugleich der Geburtstag für den Himmel. Gefeiert wird Allerheiligen deshalb als Fest mit weißem Messgewand wie an Ostern. Allerheiligen entstand, weil sich die Christen die Hoffnung nicht nehmen ließen.

Wie es mit der derzeitigen Weltlage weitergehen wird, weiß ich nicht. Aber das Hoffen sollten wir uns nicht nehmen lassen. Allerheiligen erinnert uns an den weiten – ganz weiten, ewigen – Horizont der uns Menschen geschenkt ist.

Ich wünsche Ihnen eine hoffnungsvollen November!

Ihr Pfarrer Martin Joseph
Joseph, Martin, Pfarrer