Maria Himmelfahrt, Allach - Sankt Martin, Untermenzing

  

Frühlingsglaube Mai 2022

Es wandert eine schöne Sage
Wie Veilchenduft auf Erden um,
Wie sehnend eine Liebesklage
Geht sie bei Tag und Nacht herum.

Das ist das Lied vom Völkerfrieden
Und von der Menschheit letztem Glück,
Von goldner Zeit, die einst hienieden,
Der Traum als Wahrheit, kehrt zurück.

Wo einig alle Völker beten
Zum Einen König, Gott und Hirt:
Von jenem Tag, wo den Propheten
Ihr leuchtend Recht gesprochen wird.

Dann wird's nur Eine Schmach noch geben,
Nur eine Sünde in der Welt:
Des Eigen-Neides Widerstreben,
Der es für Traum und Wahnsinn hält.

Wer jene Hoffnung gab verloren
Und böslich sie verloren gab,
Der wäre besser ungeboren:
Denn lebend wohnt er schon im Grab.

Dieses Gedicht von Gottfried Keller (1819 – 1890) appelliert an uns, die Hoffnung auf Frieden zu bewahren. Leider gibt es heute noch Herrscher, die nicht nur auf Krieg, sondern zusätzlich noch auf systematische Kriegsverbrechen setzen, um ihre Ziele durchzusetzen. Sie offenbaren damit „eine Haltung [...], die nur noch an List und Gewalt glaubt: die Vollendung dessen, was Nihilismus heißt“ (Romano Guardini – Die Macht). Leider zeigt sich dieser Geist auch im rücksichtslosen Streben nach Gewinn und schonungslosen Umgang mit der Natur. Wie können wir diesen Nihilismus überwinden? Dazu braucht es Mut und Macht. Es ist in Ordnung, Macht zu haben, wenn sie verantwortungsbewusst ausgeübt wird: In Ehrfurcht vor dem Menschen und allem Leben, mit Güte im Sinne der Bergpredigt (Mt 5,1–12,21-22) und Klugheit ohne Falsch (Mt 10,16) sowie dem festen Willen, dem „Traum als Wahrheit“ sowohl vom Frieden unter den Völkern als auch mit der Natur (Papst Franziskus) zu dienen. Als Christ-Gläubige setzen wir dabei auf Jesus, dem Sar-Schalom (Prinz des Friedens, vgl. Jes 9,5, jüdischer Tanach) sowie dem Hl. Geist, den Er uns gesandt hat, damit dieser das Antlitz der Erde erneuere (vgl. Psalm 104,30).
PAX ET BONUM

Ihr
Diakon Norbert Uhlenbruck
Norbert Uhlenbruck, Diakon